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Der Wolkensammler: Eine Ausstellung in Appenzell beleuchtet Hans Arps Spätwerk

In seinen späten Jahren hat der Dichter, Maler und Bildhauer Hans Arp sich ein neues Feld erschlossen. Er hat Architektur und Bildhauerei verbunden. Wie, das zeigt das Kunstmuseum Appenzell in «Public Arp».
Rolf App
Hans Arp schuf die Skulptur «Weltenbaum», die heute vor der HSG St.Gallen steht und sich vor dem fernen Alpstein verneigt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Hans Arp schuf die Skulptur «Weltenbaum», die heute vor der HSG St.Gallen steht und sich vor dem fernen Alpstein verneigt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er ist ein Wanderer zwischen den Welten: Hans Arp, Maler, Grafiker, Dichter und Bildhauer. Er wird 1886 im damals zum Deutschen Reich gehörenden Strassburg geboren, studiert Bildende Kunst in Weimar und Paris, zieht mit seinen Eltern in die Innerschweiz, stellt 1915 in Zürich zum ersten Mal seine abstrakten Werke aus, lernt die Künstlerin Sophie Taeuber kennen, die seine erste Frau und wichtige Anregerin wird. Sie führt ihn in den Kreis der Dadaisten ein.

Sie ziehen nach Frankreich, 1942 fliehen sie vor der heranrückenden deutschen Wehrmacht in die Schweiz, wo Sophie Taeuber-Arp kurz darauf ganz unerwartet stirbt. Ihren Mann stürzt dies in eine mehrjährige tiefe Krise, dann aber blüht ein beeindruckendes Spätwerk auf. 1966 stirbt Hans Arp mit 79 Jahren in Basel.

Hans Arp in seinem Atelier 1957. (Bild: Keystone)

Hans Arp in seinem Atelier 1957. (Bild: Keystone)

Arps Grab befindet sich in Locarno, wo auch die von seiner zweiten Frau gestiftete Fondazione Marguerite Arp ihren Sitz hat. Mit ihr verbindet das Kunstmuseum Appenzell eine lange Zusammenarbeit, aus der nun auch jene Ausstellung hervor gegangen ist, die am Samstag in Appenzell ihre Tore geöffnet hat.

«Vor etwa drei Jahren ist Simona Martinoli, Kuratorin der Fondazione Arp, auf mich zugekommen», erzählt Roland Scotti, Kurator der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell. «Sie hat vorgeschlagen, wir könnten eine Ausstellung machen zu den Werken Arps im öffentlichen Raum.»

Arps «Weltenbaum» vor der HSG

Simona Martinoli hat dann zusammen mit den Autoren des Begleitbuchs die erforderliche Forschungsarbeit geleistet, während Roland Scotti die Ausstellung gestaltete. «Public Arp» ist Kunstwerken gewidmet, die Arp grossenteils in seinen letzten Lebensjahrzehnten und in enger Abstimmung mit den jeweiligen Architekten für Bauwerke in aller Welt entworfen hat - etwa für das Harvard Graduate Center in den USA, für die Universitätsstadt der venezolanischen Hauptstadt Caracas, für den Hauptsitz der Unesco in Paris, die Technische Universität Braunschweig, der Gewerbeschule Basel oder der dortigen Allerheiligenkirche.

Oder auch für die HSG in St. Gallen, wo sich sein präzis auf das Gebäude ausgerichteter «Weltenbaum» vor dem fernen Alpstein verneigt.

Was Arp wollte und suchte, das wird in einem Ausschnitt aus dem Film «Weisser Werktag» von Michael Mrakitsch deutlich, den das Museum zeigt. «Ich lasse mich von der Arbeit führen und vertraue ihr», sagt Arp, während er an einer Gipsfigur feilt.

«Ich überlege nicht. Ich sehne mich nach der Ungeschiedenheit von Natur und Geist. So lange ich dies und das bin, oder dies und das habe, so lange bin ich nicht alle Dinge.»

Seine Reliefs lassen die Architektur tanzen

Es ist die Ewigkeit, von der er träumt, es ist das ungeschiedene Ganze. Ihm sucht er sich in jenen Reliefs und Skulpturen zu nähern, welche die Ausstellung in vielen Objekten dokumentiert. «Die Bedeutung von Hans Arp für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist überhaupt nicht zu überschätzen», sagt Roland Scotti.

«Seine Art und Weise der Formfindung ist ganz einzigartig.»

Die Skulptur «Wolkenhirt» von Hans Arp verwandelt den Universitätscampus der venezolanischen Hauptstadt Caracas in eine Traumwelt. (Bild: Vincent Ko)

Die Skulptur «Wolkenhirt» von Hans Arp verwandelt den Universitätscampus der venezolanischen Hauptstadt Caracas in eine Traumwelt. (Bild: Vincent Ko)

Eine Form gewinnt dabei ein besonderes Gewicht: die Wolke. Als Roland Scotti vom «Abenteuer» spricht, das die Erarbeitung der Ausstellung gewesen sei, erwähnt er als eine «ganz wunderbare Entdeckung das Wolkenbild von 1904, das eine der Autorinnen unserer Publikation entdeckt hat. Es zeigt, dass für den Künstler die Wolkenform schon immer faszinierend war.»

«Wolkenhirt» nennt er jene Skulptur, die den Hauptplatz des Universitätscampus von Caracas in eine Traumwelt verwandelt. Auch die Fassade des Audimax der Technischen Universität Braunschweig lassen seine Wolkenformen leicht und luftig erscheinen. Es ist überhaupt sein wichtigstes Bestreben, eine streng geometrische Architektur mit verspielten Formen zum Tanzen zu bringen. Arp liebt das Runde, Offene, das so offen ist wie das Leben.

«Public Arp», Kunstmuseum Appenzell, bis 3. November 2019. Die Publikation erscheint demnächst im Verlag Scheidegger und Spiess.

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