Neue Staffel «Deville»: Der grosse Bruder aus Deutschland zu Besuch

Am Sonntagabend um 21.45 Uhr gibts nach dem Tatort wieder was zu lachen: Dominic Deville ist mit seiner Satiresendung zurück. In einem neuen Studio - und mit Stargast Jan Böhmermann. Wir waren bei der Aufzeichnung dabei.

Sabine Kuster
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Satiriker-Kollegen unter sich: Jan Böhmermann und Dominic Deville im neuen Studio des Sihlcity. (Bild: srf)

Satiriker-Kollegen unter sich: Jan Böhmermann und Dominic Deville im neuen Studio des Sihlcity. (Bild: srf)

Sechs Monate Sommerpause. So ist das, wenn man Satiriker beim Schweizer Fernsehen ist. Und den Sendeplatz am Sonntagabend mit der Konkurrenz teilen muss.

Nach acht Folgen mit einem haarkräuselnd netten Michael Elsener in seiner Show «Late Update» müssen wir ­zugeben: Wir haben uns auf ­Dominic ­Devilles höher werdende Stirn gefreut. Und den Witz, der darunterliegt.

Der 44-jährige Satiriker hat ein neues Spielzimmer erhalten, statt aus dem Zürcher Club ­Mascotte wird nun aus einem grösseren Saal im Einkaufsareal Sihlcity gesendet. Damit hat auch der Stil gewechselt vom Glamour zum Industrie-Pop: Bunte Lichtsäulen in einer kahlen Halle, ein unförmiges Sofa und zwei Porzellankatzen mit leuch­tenden Augen.

In der Mitte ­etwas Atompilz-Förmiges, um eine der Säulen zu verkleiden – Gastsatiriker Jan Böhmermann hat es als eine «in ein Rektum gestreckte Faust bezeichnet». Das Sofa nennt Deville «seine Mutter in Strapsen». Diese beiden Jokes wurden später zwar rausgeschnitten, aber vulgär sein gehört zum Sende­konzept.

Mitgelacht – auch aus ­Erleichterung

Übrigens auch das Bashing des alten SRF-Publikums. ­Deville kann es sich ­leisten, weil sein Stammpublikum wohl ­tatsächlich jünger ist als der Durchschnitts-SRF-Zuschauer.

Wir lachen ein bisschen mit, auch aus Erleichterung, dass die Witze im Sonntagabend-­SRF-Programm, wenn nicht ­besser, dann aber böser ge­worden sind. Wir sind sogar ­extra ins Sihlcity gepilgert für die erste Aufzeichnung der ­neuen Staffel. Haben gesehen, wie Deville die Schweissperlen abgetupft wurden, wie er den Hitlergruss für die Kamera wiederholen musste, und hörten, dass er bat, die Schrift auf dem Teleprompter zu vergrössern. Also doch: Alles fix durch­orchestriert? Der Erzählstrang und die meisten Pointen sicher, aber vor der Show beim Warm-up des Publikums zeigt sich, dass hinter Devilles hoher Stirn auch ohne Prompter ständige Pointen fabriziert werden.

Böhmermann, die «Helene Fischer der Politsatire»

Stargast Jan Böhmermann, der Politsatiriker, der seit sieben Jahren auf ZDFneo das Neo ­Magazin Royale moderiert und durch seine Provokation immer wieder selber im politischen ­Geschehen mitwirkt, kann die improvisierte Satire auch, wie er in einem Moderatoren-Wettspiel am Schluss bewies. Deville und Böhmermann waren gut, als sie als Satiriker die Ellen­bogen aneinander reiben, aber der Gastauftritt war der weniger lustige Teil der Sendung.

Deville hatte den Kollegen als «Helene Fischer der Polit­satire» angesagt. Aber selbst wird er nicht mehr mit einer ­absurd-witzigen Umschreibung angekündigt. Es werden eingangs nur sec drei Themenstichworte genannt. Nein, die Verpackung der neuen Staffel ist nicht besser geworden, aber: Es zählt die harte Währung der guten Pointen pro Auftritt. Deville kann sich davon nach der ersten Show sicher ein paar längere Socken leisten.