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KKL Luzern: Dialog der Orchester

Der Pianist Rudolf Buchbinder verhilft dem Luzerner Sinfonieorchester zu einem kleinen Klavierfestival: Nach dem Auftakt mit einem vielgestaltigen Brahms folgt am Sonntag Mozart.
Urs Mattenberger
Der Pianist Rudolf Buchbinder spielt mit dem Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Eveline Beerkircher (KKL Luzern, 16. Januar 2019))

Der Pianist Rudolf Buchbinder spielt mit dem Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Eveline Beerkircher (KKL Luzern, 16. Januar 2019))

Vor der Eröffnung des KKL waren sich nationale Konzertveranstalter einig, dass ausserhalb von Lucerne Festival kein überregionales Publikum nach Luzern kommen werde. Dass es anders kam, liegt auch daran, dass viele Veranstaltungen im KKL ihrerseits Festival-Ansprüche einlösen. Exemplarisch gilt das für die beiden Konzerte dieser Woche und das Matinee-Konzert vom Sonntag, mit denen das Luzerner Sinfonieorchester seinen Brahms-Schwerpunkt weiterführt.

Einen konkreten Bezug zum Lucerne Festival schafft da nicht nur der Solist Rudolf Buchbinder, sondern auch das Programm. Denn Buchbinder stellt dem ersten Klavierkonzert von Brahms – am Mittwoch und Donnerstag –Klavierkonzerte von Mozart und Haydn gegenüber (am Sonntag). Das führt quasi eine Programmidee von Andras Schiff am Piano-Festival weiter. Brahms kombiniert mit Komponisten, die ihm wichtig waren: Dass auf das dramatisch brodelnde erste Klavierkonzert von Brahms in den Abonnementskonzerten Mozarts c-Moll-Konzert folgt, ist quasi eine Luxusvariante mit Orchester dieses Konzepts.

Aufbäumende Melodik und grollende Paukenwirbel

Vor allem war am Mittwoch auch die Interpretation selber auf diesen Bezug hin angelegt. Klar, fauchende Bässe, grollende Paukenwirbel, Fiebertriller und die sich aufbäumende Melodik führten auch hier vom ersten Takt an in die dramatische Zerrissenheit eines Werks ein, mit dem Brahms jahrelang rang und dem er als Mittelsatz ein inniges Porträt Clara Schumanns einfügte.

Aber das Luzerner Sinfonieorchester setzte unter Gastdirigent John Storgards bei aller Kraftentfaltung mehr auf Konturenschärfe, Transparenz, ja Leichtigkeit, und bewahrte auch mit zügigem Tempo diesen Koloss unter den Klavierkonzerten vor dicker Pathosschwere. Fast noch deutlicher als bei der Aufführung des zweiten Klavierkonzerts (mit Elisabeth Leonskaja) war dies ein Ansatz, der sinfonische Wirkungen mit kammermusikalischen Tugenden verband.

Statt Breitwandpathos detailscharfe Dramatik und Kontraste. Dahinein fügte sich Rudolf Buchbinder spannungsvoll ein. Er drängte sich nicht als Solist in den Vordergrund, sondern verhalf dem dichten Klaviersatz zu kristalliner Klarheit, ja Leichtigkeit. Dass hier ein Altmeister am Klavier sass, hörte man – ähnlich wie bei Leonskaja – an der Art, wie er kantable Phrasen intensivierte und Akzente setzte, ohne dass man diese als vordergründig gemacht wahrnahm.

Grundlage freilich war ein warmer, runder Klavierton, der nach beiden Seiten für Überraschungen sorgte: Buchbinder nahm ihn im Adagio in eine Gebetsruhe zurück, ohne an Substanz einzubüssen. Und er steigerte ihn in den dramatischen Zerklüftungen des ersten Satzes und in der grimmig entfesselten Attacke des Finales dann doch zu einer scharf konturierten Fülle und Kraft, als spielten hier im Dialog gleich zwei Orchester.

Hatte das Luzerner Sinfonieorchester seine eigene Solistenrolle im Klavierkonzert von Brahms auch mit wunderbaren Einzelleistungen wahrgenommen, konnte es im zweiten Teil wie in einer Art Orchesterführer einzelne Register und ihr Zusammenspiel vorstellen. Das war wohl mit ein Grund, Niels Gades «Hamlet»-Ouvertüre und Jean Sibelius’ sechste Sinfonie ins Programm zu nehmen.

Glänzende Visitenkarte für das Orchester

Der Schnellkurs in Sachen Orchesterkultur begann in der rastlos-süffigen, aber holzschnittartigen «Hamlet»-Ouvertüre mit hinreissenden Bläserfesten. In der Sinfonie von Sibelius betörten die Violinen in dem ihnen vorbehaltenen Auftakt mit leuchtkräftigen und lichten Farben. Die Holzbläser setzten Glanzlichter in den minimal- artig ausgesponnen ländlichen Szenen dieser «Winter»-Sinfonie. Und schliesslich konnte man hören, wie sich all das zu einem ausbalancierten Gesamtklang fügt, der Durchsichtigkeit mit grosssinfonischen Qualitäten verband. Auch wenn das unschlüssig dahingleitende Werk etwas ratlos zurückliess: Eine ­exzellente Visitenkarte für die Klangkultur ist diese Sinfonie, die in der Matinee vom Sonntag wiederholt wird, allemal.

Matinee: Sonntag, 20. Januar 2019, 11 Uhr, Konzertsaal KKL: Luzerner Sinfonieorchester mit Rudolf Buchbinder (Klavierkonzerte von Mozart und Haydn).

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