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Kinofilm von Alejandro Landes: Sie nennen sich Affen und werden zu Bestien

Im Film «Monos» steigt eine jugendliche Guerillatruppe in die Niederungen der Anarchie ab. Ein explosiver Thriller aus Kolumbien.
Lory Roebuck
Beklemmender Thriller: Ein junger Guerillakämpfer in «Monos» von Regisseur Alejandro Landes. Bild: trigon

Beklemmender Thriller: Ein junger Guerillakämpfer in «Monos» von Regisseur Alejandro Landes. Bild: trigon

Acht Jugendliche spielen im kalten Licht des Tagesanbruchs Fussball. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Doch die Jugendlichen haben alle ihre Augen verbunden. Sie orientieren sich mit dem Gehör, es gilt, den Standort des Balls zu erlauschen. Im Tor hängt eine Glocke; erst wenns dort bimmelt, darf gejubelt und die Augenbinde entfernt werden.

Der neue kolumbianische Kinothriller «Monos» verhandelt vieles über die Geräuschkulisse. Da ist zum Beispiel auch das Kichern der acht Jugendlichen, als ihre amerikanische Geisel für ein Lösegeldforderungsvideo in gebrochenem Spanisch aus einer Tageszeitung vorliest. Oder dieses seltsame In-die-eigene-Handfläche-Pusten, das einen Affenlaut hervorbringt: das Erkennungszeichen dieser jungen Guerillakämpfer, die sich Monos nennen – Affen.

Eingerichtet haben sich die Monos auf einem Plateau irgendwo in den Bergen, weit weg von der Zivilisation. Hier werden sie gedrillt, von einem muskelbepackten und kleinwüchsigen Kommandanten einer namenlosen Organisation. Neben der Sicherung der Geisel haben die Monos eine zweite Aufgabe: Shakira. Shakira ist eine Kuh – eine Leihgabe der Organisation –, und wenn man diese nicht melkt, warnt der Kommandant, «dann explodiert sie».

Der ewige Bürgerkrieg schwingt symbolisch mit

Nun, der Kommandant ist auch anderweitig im Einsatz, wo genau, zeigt der Film nicht. Kolumbiens ewiger Bürgerkrieg zwischen Paramilitärs, Guerillas, Narcos und Staat schwingt stillschweigend mit in diesem symbolisch aufgeladenen Film, der während jeder Sekunde ganz nahe an den jugendlichen Soldaten dranbleibt.

Wenn sich die Kamera nicht gerade an der atemberaubenden Landschaft ergötzt, kreist sie um deren Gesichter. Zum Beispiel dann, als die Monos während einer feuchtfröhlichen Feier beim nächtlichen Lagerfeuer gedankenlos herumballern. Am folgenden Morgen ist nicht nur die Kuh tot. Und die rigide Hierarchie, die der Kommandant ihnen aufgezwungen hat, bröckelt in dessen Abwesenheit zunehmend.

Die Anarchie und die Gewalt, die sich in der Folge unter den Jugendlichen breitmacht, ruft mehr als einmal William Goldings Klassiker «Herr der Fliegen» in Erinnerung. Unter den Monos bilden sich Fronten. Während der neue Anführer Bigfoot (hier nennen sich alle bei ihren Kampfnamen) separatistische Absichten verfolgt, kehrt Rambo der zunehmenden Verrohung innerhalb der Truppe den Rücken. Dass Rambo, gespielt von Sofia Buenaventura, in Wirklichkeit eine Frau ist, scheint unter den Monos kein Thema zu sein.

Es ist auch nicht die toxische Männlichkeit, die der in Brasilien geborene Regisseur Alejandro Landes in seinem beklemmenden Thriller an den Pranger stellt, sondern die Zukunftsaussichten einer vom Bürgerkrieg gezeichneten Generation.

Die animalischen Instinkte nehmen überhand

Je weiter die Monos aus den Bergen in den dichten, klaustrophobischen Dschungel absteigen, desto stärker nehmen bei ihnen die animalischen Instinkte überhand. Und so verdreht sich auch das anfängliche Pfeifen und Trommeln auf dem fantastischen Soundtrack von Mica Levi («Jackie») zu einem ausserirdischen Lärm. Und statt zu sprechen, kommunizieren die Monos nur noch in Affenlauten.

«Monos» ist ab Donnerstag, 29. August 2019, im Stattkino Luzern zu sehen..

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