Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Die alte Heimat im Kino: Filme für Ausländergruppen in Luzern

Erst waren es Bollywood-Filme, dann auch serbische und italienische Produktionen: Der Filmverleih Spot On hat nach einem ­albanischen Grosserfolg nun eine portugiesische Komödie in die Kinos gebracht. Doch so richtig läuft’s noch nicht bei den Portugiesen.
Regina Grüter

Es war schon Pech für Benedita Pereira und Pedro Teixeira. Wetterpech. Nur gerade an die 300 Zuschauer wollten die ­portugiesischen Schauspielstars in «Quero-te tanto!» übers Wochenende im Kino sehen. Wenn es hierzulande schon mal heiss ist, tummeln sich alle bis spät in die Nacht draussen an den Gewässern. Das Kühl des Kinosaals suchen nur ganz wenige auf.

Mit «2 Gisht Mjaltë» hatte der Filmverleih «Spot On Distribution» mit Sitz in Zürich eben erst einen Hit gelandet: Knapp 13000 Zuschauer zählte die albanische Komödie in der Schweiz, den überwiegenden Teil davon in der Deutschschweiz, und kam damit auf Platz fünf der Kino-Charts. Ein kommerzieller Erfolg, den Spot On mit der portugiesischen Komödie «Quero-te tanto!» wiederholen wollte. Lukas Diehl vom Filmverleih erklärt: «Unser Schwerpunkt liegt auf Filmen, welche in den Heimatländern ein grosses Massenpublikum in die Multiplexkinos ziehen und mit lokalen Stars besetzt sind.» Wann immer möglich sollen die Filme am gleichen Tag oder nicht viel später als in den Herkunftsländern starten.

Die schwangere Mia (Benedita Pereira, links), durch schräge Umstände im Gefängnis, erhält Nachricht von ihrem Liebsten. (Bild: Spot On)

Die schwangere Mia (Benedita Pereira, links), durch schräge Umstände im Gefängnis, erhält Nachricht von ihrem Liebsten. (Bild: Spot On)

Lokale Zusammenarbeit ­ ist essenziell

Das Wetter allein kann aber nicht schuld sein für den Fehlstart von «Quero-te tanto!». «Uns war aber auch klar, dass es nicht immer gleich beim ersten Film in einer Community funktioniert», sagt Lukas Diehl dazu. Und Nina Doetzkies von den Kinos Pathé Schweiz ergänzt: «Es muss zuerst einmal ein Publikum vorhanden sein, das sich für den Film interessiert. Dann läuft sehr, sehr viel über Mund-zu-Mund-Propaganda.» Für Diehl fängt die Zusammenarbeit mit den Diasporen in den Herkunftsländern schon bei der Filmauswahl an und zieht sich dann über das Marketing und die Promotion weiter. Spot On bringt in der Schweiz und anderen europäischen Ländern Filme für verschiedene Ausländergruppen in die Kinos. Vor und während des Filmstarts wird im Bereich der Promotion auch mit lokalen Organisationen und Institutionen, Firmen und Personen aus den jeweiligen Migrationsgemeinschaften kooperiert. Für «2 Gisht Mjaltë» hat das bestens funktioniert. Die Albaner sind gut organisiert, wie auch das Alba-Musikfestival zeigt, welches über das Wochenende für die albanische Diaspora in Zürich stattfand. «Die albanische Kultur ist gut für die Seele», wurde in diesem Zusammenhang jemand im «Tages-Anzeiger» zitiert.

Das lässt sich von der italienischen oder der spanischen Kultur genauso sagen. Mit dem Cinema Italiano und dem Cine Español, beide im Stattkino beheimatet, gibt es in Luzern zwei Filmreihen, die gut bis sehr gut funktionieren. Über den höchsten Grad an Selbstorganisation verfügt im Raum Luzern der spanische Filmzyklus. Das Stattkino bietet 105 Sitzplätze, und nicht selten muss der Kinobetreiber Leute nach Hause schicken, wenn die Spanier kommen. Belén Temiño steht mit drei Kolleginnen hinter dem Cine Español. Die Titel stammen aus der Filmothek des spanischen Kulturministeriums. «Es gelingt uns, mit einem anspruchsvollen, aber unterhalt­samen Programm verschiedene Schichten anzusprechen», sagt Temiño. Zum Stammpublikum gehören auch Studierende aus dem Spanischunterricht.

Das Cine Español wird wie die italienische Filmreihe auch in anderen Städten durchgeführt. Das Cinema Italiano ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Verleih Cinélibre und dem italienischen Partnerverein «Made in Italy». Wie Robert Richter, Geschäftsführer von Cinélibre, betont, hängt der Erfolg vom Cinema Italiano in Luzern stark mit dem grossen Engagement der lokalen Sektion der Società Dante Alighieri zusammen. Wichtig für den unabhängigen Kulturverein sei es, durch diese Filme einen Blick in die italienische Gesellschaft und Kultur jenseits müder Klischees zu ermöglichen, sagt Leonardo Manfriani von der Società Dante Alighieri Luzern. Interessant ist, dass ein Grossteil der ­Besucher Schweizer sind. «Gut zwei Drittel der Mitglieder sind Schweizer, die die italienische Sprache und Kultur lieben», sagt Manfriani.

Die Beispiele des Cinema Italiano und des Cine Español zeigen: Je besser die Zusammenarbeit mit lokalen Interessenvertretern, desto besser sind die Vorstellungen besucht.

Mit Untertiteln öffnet man den Raum noch weiter

Es ist eine Art Culture Clash, der sich auch durch die jeweilige ethnische Gemeinschaft zieht: Kitag und Pathé oder Bourbaki und Stattkino? Mainstream oder anspruchsvoller Film? Natürlich gibt es auch hier Überschneidungen, aber dass nach «2 Gisht Mjaltë» «Quero-te tanto!» in ­Luzern nicht mehr im Bourbaki, sondern nur noch im Pathé gezeigt wird, macht nur Sinn. Die Verleiher und die Kinos sind Partner, und Spot On wendet sich im Bereich Diaspora-Film mit ihren Mainstreamtiteln vorwiegend an Multiplex-Kinos. Aber, ob italienisch oder albanisch, Massengeschmack oder Nischenprodukt: Die Filme, die in diesen Kinoreihen, Spezialvorführungen und im regulären Programm gezeigt werden, erfahren sonst keine Kinoauswertung in der Schweiz. Man bekommt also Filme aus anderen Kulturgemeinschaften zu sehen, die man sonst nicht zu sehen bekäme – und zwar im Kino, das zum Ort der Begegnung und des Austausches wird. Indem man die Sprachbarriere abschafft – die Spot-On-Filme wie auch die der Cinema-Italiano-Reihe sind deutsch untertitelt –, öffnet man den Raum noch weiter: «Wir wollen immer auch die lokale Bevölkerung ansprechen, mit der die Diasporen über die Familie, Freundschaften, Freizeit und Arbeit verbunden sind», sagt Lukas Diehl. Meistens nur englisch untertitelt sind die Bollywoodfilme im Bourbaki. Sie werden den Kinos in der Regel von spezialisierten, mit der Community vernetzten Verleihern oft sehr kurzfristig angeboten. Da bleiben dann halt nur die Randspielzeiten.

Im Pathé-Kino Ebikon läuft «Quero-te tanto!» nach vier Vorstellungen – zwei davon Nocturne – bereits nicht mehr. Wer aber «gluschtig» geworden ist auf den liebenswerten Klamauk, der für Portugiesen oder zumindest Portugiesischsprechende mit Sicherheit noch viel lustiger ist, an den Deutschschweizer Pathé-Standorten Dietlikon Zürich, Spreitenbach und Bern Westside wird er noch gespielt.

Hinweis

«Quero-te tanto!»/Diaspora-Filme bei Spot On: www.spoton-distribu tion.com. Cinema Italiano: Start Oktober (www.cinelibre.ch, www.dantelucerna.ch), Cine Español: November (www.stattkino.ch).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.