Die archaische Seite von Appenzell und Schweden

Gestern Abend hat die Naturjodelgruppe Stein zusammen mit dem nordschwedischen Joiker Simon M Marainen das 13. Nordklang-Festival eröffnet. Eine Kollaboration der besonderen Art.

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Joiker Simon Issát Marainen experimentiert mit den Mannen der Naturjodelgruppe aus dem appenzellischen Stein.                                                                         Bild: Philipp Bürkler

Joiker Simon Issát Marainen experimentiert mit den Mannen der Naturjodelgruppe aus dem appenzellischen Stein.                                                                         Bild: Philipp Bürkler

Es war eine einmalige Kollaboration. In der St. Laurenzenkirche standen die Mannen der Steiner Naturjodelgruppe gemeinsam mit dem nordschwedischen Joiker Simon Issát Marainen auf der Bühne. Und obwohl das Appenzellerland und Kiruna, die nördlichste Stadt Schwedens, wo Marainen herkommt, rund 3000 Kilometer auseinanderliegen, gibt es dennoch erstaunliche Gemeinsamkeiten.

Samische Kultur und Sprache

Beide Regionen verbindet das Archaische und die spirituelle Nähe zur Natur und zur Tierwelt. Auch der Sound des Jodelns und des Joik sind sich ähnlich. Tiefe Männerstimmen, die fast schon meditativ und beruhigend wirken. «Die grösste Gemeinsamkeit ist es aber, dass wir beide keine Wörter für den Gesang benutzen», erklärt Marainen. Seine Familie stammt aus dem indigenen Volk der Samen. Aus dieser Kultur stammt auch der eintönig-guttural klingende Gesang des Joiks, erklärt er die Besonderheit dieser Kultur. Joiken tue man nicht über etwas, sondern für etwas oder für jemand. «Wir joiken für einen Menschen oder für ein Tier.» Der Gesang ist eine Mischung aus tiefen Klängen und Lauten der samischen Sprache. Diese Sprache sei aber weit entfernt vom Schwedischen.

Familiäres Schicksal veränderte alles

Eigentlich wollte Simon Marainen Berufsmusiker werden und weltweit auf Tour gehen. Doch es ist anders gekommen. Die meiste Zeit seines Alltags verbringt er nämlich in der Natur als Rentierhirte. Hirte wurde er allerdings nur durch einen Schicksalsschlag in der Familie. Eigentlich waren seine Brüder für die Tiere verantwortlich. «Innerhalb eines Jahres haben sich meine beiden Brüder das Leben genommen.» Dieses Schicksal habe seine Zukunftspläne auf den Kopf gestellt. «Ich wusste, ich konnt meine Eltern und die Tiere nicht alleine lassen.»

Einzigartig ist die Kollaboration auch für die Naturjodelgruppe Stein. «Mit Simon sind wir nun ein ganz spezielles Experiment eingegangen», erklärt Ernst Meier, der zusammen mit seinem Bruder Werner in der Jodelgruppe ist. Es ist eine musikalische Zusammenarbeit, wie es sie nur einmal im Jahr am Nordklang-Festival gibt.

13. Nordklang Festival, Samstagabend, Infos unter www.nordklang.ch