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Musikalische Archivschätze des Tonhalle-Orchesters neu aufgelegt

Wie dokumentiert man die Geschichte eines Orchesters? Das Tonhalle-Orchester Zürich macht das mit 22 Aufnahmen aus dem Radio-Archiv. Die Musik steht im Zentrum, man wünschte sich etwas mehr Geschichte.
Tobias Gerosa
Das Tonhalle-Zürich Orchester während einer Probe, dirigiert von Chefdirigent Lionel Bringuier im August 2017 in der Tonhalle Maag in Zürich. (Bild:Christian Beutler/Keystone)

Das Tonhalle-Zürich Orchester während einer Probe, dirigiert von Chefdirigent Lionel Bringuier im August 2017 in der Tonhalle Maag in Zürich. (Bild:Christian Beutler/Keystone)

Ein interessanter Zeitpunkt, ein Jubiläum zu feiern: Das Tonhalle-Orchester muss seinen 150. Geburtstag ausserhalb seines Stammhauses spielen, da die Tonhalle renoviert wird. Oder eher darf als muss? Das Provisorium Tonhalle Maag kommt bei Musikern und Publikum bestens an, der bevorstehende Chefdirigentenwechsel scheint bereits jetzt zu beflügeln. Mit einer repräsentativen CD-Box schaut man zurück. 1868 wurde das Zürcher Tonhalle-Orchester gegründet, das 150-Jahr-Jubiläum wird nicht nur vor Ort gefeiert, sondern auch in einer – dem Archiv des Schweizer Radios sei Dank – schönen Box mit 14 CDs mit 22 Aufnahmen, die bisher im Radio-Archiv schlummerten.

Das älteste Tondokument datiert vom Dezember 1942: Im Zuge der Geistigen Landesverteidigung hatte die neu aus regionalen Radiogesellschaften gewachsene SRG begonnen, Konzerte zu übertragen. Volkmar Andreae (nach Friedrich Hegar der zweite Chefdirigent) dirigiert in Zürich Anton Bruckners Siebte – das Tonhalle-Orchester spielte dafür zusammen mit dem Radio-Orchester Beromünster, wie auch in der zweiten Aufnahme aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges: Waren die Orchester allein zu klein oder war der Einbezug des Radioorchesters Bedingung für die Übertragung?

Das Booklet sagt darüber leider nichts. Der ehemalige NZZ-Musikkritiker Peter Hagmann, der zusammen mit der Tonhallen-Intendantin Ilona Schmiel auch die Auswahl der Aufnahmen besorgte, muss sich auf kurze Dirigenten-Würdigungen beschränken. Schade, gerade bei Werken aus dem Sinfonischen Kanon wie Bruckner oder Schumanns 4. Sinfonie. Dass Komponist Othmar Schoeck als Dirigent sie ziemlich rumpeln lässt und damit 1943 näher an der modernen historischen Aufführungspraxis ist, als man erwarten würde, ist eine Überraschung.

Wandel der Interpretationen wird sichtbar

Interessant wird die Zusammenstellung, wenn an ihr der Wandel der Interpretation sichtbar wird: Klar unterliegt sie auch einer gewissen Mode und bewegt sich in Kreisen. So ist die Bruckner-Interpretation bei Bernard Haitink 2009 oder Herbert Blom­stedt 2014 gar nicht so weit entfernt von der frühesten Aufnahme Andreaes, während Schubert 1959 (unter Erich Schmid) deutlich dicker und weniger flexibel klang, als wir es heute gewohnt sind.

Leider sind die 1950er- bis 1980er-Jahre in der Box wenig abgebildet, denn gerade da zeigt sich der Wandel: Rudolf Kempe verstand 1968 Beethoven deutlich heroischer als Frans Bruggen 1997. Doch solche Parallelen sind leider nur selten zu ziehen, als dass anhand der neuen CD-Box der Wandel des Orchesterklangs hörbar würde; eher noch wird der Wandel der Aufnahmetechnik hörbar. Und für einen Vergleich des Repertoires bleiben die 22 neu aufgelegten Aufnahmen zu unterschiedlich.

Dafür sind echte Raritäten zu hören: die 4. Sinfonie von Albert Moeschinger, Ferruccio Busonis Klavierkonzert mit Männerchor oder schliesslich ein paar Häppchen Zeitgenössisches. Es bleibt die Frage, ob das Fehlen einer Dramaturgie dieser Jubiläumsbox mehr der Auswahl oder doch eher der Übertragungspolitik des Radios anzulasten ist.

Celebrating 150 Years Tonhalle Orchestra Zürich, 14 CDs, Sony Classical 2018

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