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Die Fantasie, die Farbe verleiht: Der Maler Giorgio Avanti stellt in Luzern aus

Giorgio Avanti malt – seit bald 40 Jahren und mit viel Witz, wie eine Retrospektive in der Kornschütte zeigt.
Giulia Bernardi
Der Luzerner Künstler Giorgio Avanti in seiner Ausstellung in der Kornschütte Luzern. Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 15. Oktober 2019)

Der Luzerner Künstler Giorgio Avanti in seiner Ausstellung in der Kornschütte Luzern. Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 15. Oktober 2019)

Seine Augen blicken aufmerksam hinter der markanten Brille hervor. Neugierig mustern sie die Welt, wirken kindlich und erfahren zugleich. Irgendwas rattert da im Kopf, kribbelt in den Fingern, die schon tausendmal den Pinsel auf die Leinwand gesetzt haben. Früher malte Giorgio Avanti abstrakte Bilder: Den grellen Farbflächen wohnten wunderliche Figuren inne, die er mit Worten oder kurzen Sätzen ergänzte, mit flüchtigen Gedanken, die das Rattern im Kopf hervorbrachte. «Irgendwann ging es einfach nicht mehr weiter», erinnert sich Avanti. Er wusste: Etwas anderes musste her – und er widmete sich der Figuration.

Seine Inspiration findet er oft vor der Haustür, in der Natur, die ihn umgibt. Seit den 1980er-Jahren malte er zahlreiche Landschaften, die er vor Ort skizzierte, um sie anschliessend in seinem Atelier auf die Leinwand zu bringen. So etwa der Pilatus oder die Churfirsten, die sich den Besucherinnen und Besuchern der Kornschütte in einem Gewand aus lebendigen Farben präsentieren.

«Wie sie da sind, wie sie stehen», sinniert Giorgio Avanti und blickt gedankenversunken auf seine Churfirsten. «Sie sind unüberwindbar. Doch man kann sie malen», sagt er und schmunzelt. Ein Schmunzeln, das die Genugtuung erahnen lässt, etwas so Imposantes künstlerisch einfangen zu können und dabei etwas Eigenes miteinfliessen zu lassen. Denn die Farben entstehen aus der Erinnerung heraus. «Es ist die Fantasie, die ihnen Farbe verleiht.»

«Es muss einfach leben»

Auch die Alltagsszenen, die sich am Fusse jener Berge abspielen, sind ein beliebtes Sujet bei Avanti: Herr und Frau Friedli vom «Lozärner Wochenmärt», der junge Donovan auf dem Zugersee, der stolz einen frisch gefangenen Fisch in den Armen hält.

In der Kornschütte sind aber auch Szenen aus der ganzen Welt zu finden, denn Giorgio Avanti, der reist viel. So etwa die Rush Hour in Saigon oder das «Ristorante da Pizzi» in Italien, ein Land, das ihn stets faszinierte. Auch auf diesen Gemälden sind die Farben kräftig, die Perspektive oftmals verzerrt, was den Bildern etwas Ungewohntes und doch Lebendiges verleiht. Etwas schief sitzen Mann und Frau am Tisch im Ristorante da Pizzi, die Sonnenbrille auf der Nase, vor ihnen die prall gefüllten Weingläser. «Die Perspektive ist nicht so wichtig», sagt Avanti. «Es muss einfach leben.» Und das tut es.

Das Dolcefarniente steht dem jungen Paar ins Gesicht geschrieben. Haben sie womöglich schon etwas zu viel Wein aus der grossen Flasche getrunken?

Wann er dann angefangen habe zu malen? «Schon als Kind», sagt der gebürtige Luzerner, gefolgt von einem herzlichen Lachen. «Mit sechs Jahren habe ich die Bilder bei uns zu Hause mit Ölfarbe verbessert. Zumindest habe ich das damals gedacht.»

«Dann bist du der Avanti»

Damals war er noch Peter Georg Stuber. Bis er in den 1970er-Jahren die Künstlerin Marianne Eigenheer traf. Durch sie lernte er andere Künstlerinnen und Künstler kennen, darunter Meret Oppenheim und Franz Gertsch. Das künstlerische Umfeld habe ihn inspiriert. Er begann zu skizzieren, zu malen und auch zu schreiben. Er erzählte einem Freund davon. «Dann bist du der Avanti», sagte dieser zu ihm.

Und der ist er noch immer. Der Avanti, der das Leben nicht zu ernst nimmt und die innere und äussere Welt mit viel Witz festhält. Das verraten seine Bilder und seine Erzählungen, und nicht zuletzt das Video «Cecilia en Route», das in der Ausstellung zu sehen ist. Darin fährt er mit seiner roten Vespa über den Walchwilerberg, auf dem Gepäckträger das mit Spanngurten befestigte Porträt der Opernsängerin Cecilia Bartoli. Mit ratterndem Motor düst der 73-jährige Maler über Feld und Wiesen. «Du hast sie zu dick gemalt!», habe seine Frau zu ihm gesagt. Und da ist es schon wieder, dieses herzliche Lachen, währenddessen sich die Brille auf seiner Nase auf und ab bewegt.

Ausstellung in der Kornschütte bis 23. Oktober. Lesung aus dem Erzählband «Damenwahl» von Giorgio Avanti am 20. Oktober um 11 Uhr. Kornmarkt 3, Luzern.

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