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Die Malerin sagt über ihre Arbeit: «Ich glätte die Furchen des Oberflächlichen»

Rahel Müller zeigt unter dem Titel «Im inneren Garten» aktuelle Arbeiten in der Arboner Galerie Bleisch. Die Bilder der Thurgauer Kunstschaffenden scheinen nochmals um einige Nuancen stiller geworden zu sein. Und gleichzeitig behaupten sie sich kräftig.
Martin Preisser
Die Thurgauer Künstlerin Rahel Müller vor ihrer Bilderreihe «Linings» (2018, Pigment, Graphit und Lack auf Leinwand). (Bild: Martin Preisser)

Die Thurgauer Künstlerin Rahel Müller vor ihrer Bilderreihe «Linings» (2018, Pigment, Graphit und Lack auf Leinwand). (Bild: Martin Preisser)

Der Name der Ausstellung, «Im inneren Garten», verweist auf einen wesentlichen Aspekt der neuen Arbeiten von Rahel Müller: Die konsequente Verinnerlichung. Auf den ersten Blick wirken die Malereien als dicht geschichtete Farbwelten, aus denen sich dann aber fast behutsam feine Bewegungen, feine Wolken oder Nebel herausschälen. Viele Flächen, hinter deren Vordergrund Geheimnisvolles heraus zu leuchten beginnt, hat die Thurgauer Künstlerin mit Rastern von oft goldenen Farbpunkten übersät. Nicht genau, sondern dargestellt als leicht erschütterte Ordnung, als fragile Balance. Die Bilder mit den Punkte-Netzen strahlen Kraft und Ruhe gleichzeitig aus, sie brauchen viel Licht, strahlen aber auch viel Licht ab.

Mit «Silence» ist eine Publikation über Rahel Müller in der Reihe «Facetten» der Kulturstiftung des Kantons Thurgau überschrieben. Vor elf Jahren ist sie erschienen. Diese Stille taucht auch in den neuen Arbeiten auf. Von «subtilen Verschiebungen der Wahrnehmung, die das unerwartete Auftauchen von Hinweisen auf das Geheimnisvolle des Lebens mit sich bringt», schrieb die Kunsthistorikerin Ursula Badrutt damals im Facetten-Heft über die Fotografien von Rahel Müller. Der Satz ist nach wie vor aktuell und gilt auch uneingeschränkt für die Bilder der neuen Ausstellung.

Keine Bilder für den schnellen Kunstmarkt

Ein Auftauchen und Verschwinden, Explosives und Introvertiertes, angedeutete Bewegung und Halt, Reibung und Auflösung, zart und dicht: Das sind Gegensatzpaare, die sich beim Betrachten dieser Bilder aufdrängen. Langsamkeit sei eine Form von Achtsamkeit. Dieser Satz taucht im Gespräch mit der Künstlerin auf, die seit vielen Jahren ihren klaren Weg geht. Mit achtsamer, stiller Kunst, die im immer lauter werdenden Kunstbetrieb gerade umso stiller wirkt. Im heutigen Kunstmarkt, wo schneller Erfolg das wichtigste Qualitätsmerkmal von Kunst zu sein scheint, hat Rahel Müllers Ansatz Bilder zu machen, keinen leichten Stand.

Die Künstlerin bezieht ihren Durchhaltewillen immer wieder aus der Leidenschaft des Kunstmachens selbst. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit Gelegenheitsjobs und als Reinigungskraft. Natürlich würde sie sich wünschen, dass es leichter wäre, mit der eigenen Passion deutlicher zum Lebensunterhalt beitragen zu können. Aber Rahel Müller kennt die Regeln des heutigen Kunstmarkts nur zu gut, analysiert die heutige Rezeption von Kunst kritisch.

"Ich tauche in die flüchtigen, überraschenden Momente des Lebens ein."

Mit dem Erwerb eines Kunstwerks kauft man nicht nur ein Bild, sondern auch ein grosses Stück Zeit, das der Künstler oder die Künstlerin aufgewendet hat. Von «Malereien, in denen Zeit lagert» spricht das zitierte Facetten-Heft «Silence» auch. Rahel Müllers Arbeiten halten diese Zeit an, oft unspektakulär und zurückhaltend, und doch konsequent und mit innerem Leuchten. «Die flüchtigen, überraschenden Momente des Lebens, die nicht mit Gewissheiten ausgefüllt sind. Hier tauche ich ein. Langsamer atmen, stiller werden, im inneren Garten ankommen», schreibt Rahel Müller selbst über ihre Arbeiten.

Erfahrung mit Langsamkeit und Unvorhersehbarem

«Ich glätte die Furchen des Oberflächlichen», sagt sie. Und tut dies auf Bildern mit Punkten, Rastern und Rauten. Rahel Müller bietet dem Betrachter keine aufreizende, spektakuläre Kunst, sondern mehr eine Einladung, dem eigenen «inneren Garten» nachzuspüren, gerade auch in heutigen Zeiten des Drucks zur permanenten Selbstoptimierung. Dass ihr das gelingt, resultiert auch aus langer Erfahrung mit Farbe, Licht und Technik, aber auch aus Erfahrung mit Langsamkeit, Einsamkeit und unvorhersehbaren Prozessen.

Hinweis

Bis 30. Juni; Galerie Bleisch, Grabenstr. 2, Arbon; Mi-Fr: 14-18, Sa: 11-16 Uhr; Rundgang mit der Künstlerin: So, 17.6., 11 Uhr

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