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Die ganze Welt will diesen Film sehen: «Avengers: Endgame» – auf den Spuren eines Phänomens

Das Superhelden-Spektakel «Avengers: Endgame» startet erfolgreicher als jeder Film zuvor und belegt in 54 Ländern Platz eins. Was hinter diesen Rekorden steckt.
Lory Roebuck

Nichts als kalter Kaffee, sollte man meinen, wenn bereits der 22. Teil (!) einer Filmserie ins Kino kommt. Doch für «Avengers: Endgame» sind Kinobesucher auf der ganzen Welt gerade gaga. In Hongkong wurde am vergangenen Wochenende ein Mann verprügelt, als er vor dem Kinoeingang lauthals Details über die Filmhandlung preisgab. In China musste eine Frau vor Aufregung hospitalisiert werden. Der Ansturm auf den neuesten Superhelden-Film der Marvel Studios ist gigantisch.

Puncto Einnahmen und verkaufter Tickets sprengt «Endgame» gerade sämtliche Dimensionen. Alleine in der Schweiz hat der Film seit seiner Premiere am vergangenen Mittwoch über 230'000 Zuschauer vor die Leinwand gelockt. 85 Prozent aller Kinotickets hierzulande wurden in dieser Zeit für diesen Film gelöst.

Schauspielerin Brie Larson spielt «Captain Marvel» in «Avengers: Endgame». Hier posiert sie mit Fans an der Premiere in Los Angeles. (Bild: REUTERS/Mario Anzuoni, Los Angeles, 22. April 2019)

Schauspielerin Brie Larson spielt «Captain Marvel» in «Avengers: Endgame». Hier posiert sie mit Fans an der Premiere in Los Angeles. (Bild: REUTERS/Mario Anzuoni, Los Angeles, 22. April 2019)

Übernahme von Marvel war ein Schnäppchen

In der weltweiten Betrachtung sind die Zahlen noch beeindruckender: So spielte «Endgame» am Startwochenende an den globalen Kinokassen 1,2 Milliarden Dollar ein. Das ist knapp doppelt so viel wie der bisherige Rekordhalter, «Avengers: Infinity War» (640 Millionen, siehe Tabelle), der vor einem Jahr in den Kinos lief. «Endgame» schaffte es in jedem der 54. Länder, in dem der Film gestartet ist, auf Anhieb und mit Abstand auf Platz 1 der Charts. Marvel hat damit die riesigen Produktions- und Marketingkosten des Films (rund 500 Millionen Dollar) bereits wieder wettgemacht.

Die erfolgreichsten Kinostarts aller Zeiten

Filmtitel Jahr Weltweites Einspielergebnis in Mio. $
Avengers: Endgame 2019 1209
Avengers: Infinity War 2018 640,5
Fast & Furious 8 2017 541,9
Star Wars: The Force Awakens 2015 529
Jurassic World 2015 525,5
Harry Potter and the Deathly Hallows Part 2 2011 483,2
Captain Marvel 2019 456,7
Star Wars: The Last Jedi 2017 450,8
Batman v Superman: Dawn of Justice 2016 422,5
Fast & Furious 7 2015 397,7
Harry Potter and the Half-Blood Prince 2009 394
The Avengers 2012 392,5
Avengers: Age of Ultron 2015 392,5

Als Baumeister dieses gigantischen Erfolgs gilt Marvel-Chef Kevin Feige. Dem 45-jährigen US-Amerikaner ist es gelungen, das Erfolgsprinzip von Fernsehserien, also das Erzählen einer zusammenhängenden Geschichte über mehrere Episoden hinweg, auf das Kino zu übertragen. Was im Jahr 2008 mit Marvels erstem Superhelden-Film «Iron Man» begann und sich danach über 20 weitere Filme erstreckte, kulminiert nun in «Endgame». Klar möchte sich das niemand entgehen lassen.

Mit dem Erfolg von «Endgame» zementiert Disney seine Vormachtstellung am Kinomarkt. Der amerikanische Unterhaltungskonzern erwarb Marvel im Jahr 2009 für den Betrag von 4 Milliarden Dollar. Rückblickend betrachtet ein Schnäppchen, denn Marvels Superhelden-Filme erzielten zusammen bereits über 19 Milliarden Dollar Umsatz. In den letzten zehn Jahren war acht Mal ein Disney-Film der erfolgreichste Film des Jahres. Disney besitzt auch die Rechte an «Star Wars» und sämtlichen Pixar-Animationsfilmen und wird laut Analysten nach der Übernahme von Unterhaltungskonkurrent Fox über 40 Prozent des Kinomarktes kontrollieren.

«Avengers»-Star Jeremy Renner (zweiter von rechts) an einem Promotionsanlass. (Bild: AP, Seoul, 15. April 2019)

«Avengers»-Star Jeremy Renner (zweiter von rechts) an einem Promotionsanlass. (Bild: AP, Seoul, 15. April 2019)

Alleine dieses Wochenende wurden 5 der 10 erfolgreichsten Filme in den US-Kinos von Disney vertrieben. In der Schweiz schafften es drei Disney-Filme in die Top Ten (neben «Endgame» noch «Wonder Park» und «Dumbo»). Die ausverkauften Kino­säle sind vor allem Balsam auf die Wunden der Schweizer Kinobetreiber, die zuletzt grosse Verluste einstecken mussten. 2018 war das Jahr mit den wenigsten Kinobesuchen seit 1995.

Damals begann ProCinema, der Dachverband der Schweizer Kino- und Filmverleihunternehmen, mit der schweizweiten Zahlenerhebung. Die Kinobranche hat mit der steigenden Popularität von Streamingdiensten wie Netflix zu kämpfen, die ihre Filme nicht fürs Kino, sondern primär für den privaten Konsum zu Hause produzieren. Auch Disney hat die Zeichen der Zeit erkannt und auf Ende Jahr einen eigenen Streamingdienst angekündigt. Disney+ soll Netflix die Abonnenten streitig machen. Dank günstigeren Abopreisen und Marken wie Marvel, «Star Wars», Pixar und dem eigenen reichhaltigen Filmarchiv stehen die Chancen für Disney gut.

Laut einer Studie von Mindnet Analytics sind derzeit 17 Prozent der amerikanischen Netflix-Nutzer bereit, ihr Abo zugunsten von Disney+ zu wechseln; in Haushalten mit Kindern beträgt dieser Wert sogar 23 Prozent.

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