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Nationalfeiertag in der Hofkirche: Die Heimat erklingt schmissig bis mystisch

Das Konzert zum Nationalfeiertag in der Hofkirche Luzern beeindruckte mit vielfältiger volkstümlicher Kunst.
Gerda Neunhoeffer
Fahnenschwinger Stefan Fischer bei einem Auftritt letztes Jahr in Rothenburg. (Bild: Philipp Schmidli, 15. Juni 2018)

Fahnenschwinger Stefan Fischer bei einem Auftritt letztes Jahr in Rothenburg. (Bild: Philipp Schmidli, 15. Juni 2018)

Grosser Andrang vor der Hof­kirche am Mittwochabend: Das «Volkstümliche Konzert zum Nationalfeiertag» lockt. Und mit leisen Orgelklängen, unter denen die Unterhaltungen in der vollen Kirche verstummen, beginnt ein beeindruckender Reigen bekannter Melodien. Zwei Alphörner aus dem Altarraum, zum Orgelspiel souverän geblasen von Lukas Christinat und Gabriel Sieber, tönen weit durch den hohen Kirchenraum.

Vorne steht der Fahnenschwinger Stefan Fischer ganz nahe beim Publikum und führt die exakten Bewegungen mit Ruhe und Sicherheit aus. Mit der Musik schwingt er die Schweizer Fahne und endet stets punktgenau mit dem jeweiligen Schlusston. Welche Höhe die Fahne mühelos erreicht, wie geschickt er sie auffängt und weiterschwingt, ist höchste Kunst und wird atemlos bestaunt.

Die nahtlosen Übergänge vom Jodelterzett Seetal über das Echo vom Paradiesli, vier junge Geschwister aus dem Paradiesli in Unteriberg SZ, zu Orgelspiel und Alphornklang gelingen jeweils ausgesprochen organisch. Es ist gut, dass es keinen Zwischenapplaus gibt – die Besucher halten sich an die Bitte im Programm. So schliesst das Echo vom Paradiesli direkt mit «Füür vo dä Sehnsucht» an. Simon und Michi spielen virtuos Akkordeon, Alisha spielt Klavier ebenso selbstverständlich wie Saxofon, und die erst dreizehnjährige Shanja glänzt mit ihrer Trompete.

Dann wechselt die Stimmung mit dem «Bärgruef» von Hans. W. Schneller: Unsichtbar, wie aus der Ferne, singt das Jodelterzett Seetal die fein auf­einander abgestimmten Töne, hauchleise von Wolfgang Sieber an der Orgel begleitet. Und wie Yvonne Fend-Bruder, Karin Weber-Widmer und Sämi Studer langsam vom Eingang der Hofkirche bis ans Ende des Altarraumes schreiten, die Töne von allen Seiten zu kommen scheinen, wie sie dabei unbeirrt weitersingen, das ist mystisch schön. Die Stimmen erheben sich wie über das Kirchendach hinaus, so voll und rund hallt es wider.

Musikalische Gedanken an zwei Verunglückte

Wolfgang Sieber verbindet die Auftritte der Ensembles mit genau passenden Zwischenspielen. Er begleitet das Jodelterzett subtil und verdeutlicht die Texte der Lieder jeweils mit seinen klangmalerischen Improvisationen. Besonders intensiv und plastisch aber werden seine musikalischen Gedanken an die im Juni verunglückten Annemarie und Peter Berchtold-Rymann. Da spürt man die Wertschätzung, kann das Lebensgefühl der beiden nachempfinden und erschrickt über das jähe Ende.

Dann aber ertönen helle Klänge, die das verdeutlichen, was Moderator Sämi Studer zuvor gesagt hat: «Erinnerung ist unendlich.» Er findet in seinen kurzen Ansprachen prägnante Worte, und selbstverständlich wechselt er vom Sprechen sofort wieder ins Singen. Schön, dass man das Jodelterzett, das nun von der Empore singt, via Bildübertragung nahe sehen kann. Und ohne Text, zwischen den verständlich gesungenen Strophen, verströmen ihre Stimmen nochmals anderen Wohlklang.

Wenn das Alphorntrio, nun noch mit Pirmin Müller, seine perfekt intonierten Töne in den hohen Raum schickt und Stefan Fischer die Fahne dazu schwingt, weht Heimatgefühl und Andacht durch die Kirche. Dass die Geschwister vom Paradiesli auch singen können, zeigen sie eindrucksvoll in «S’gahd uf dr Wält». In «Land mit Härz» lässt das Jodelterzett nachdenkliche und dunklere Klänge hören.

Man wird von heimatlichen Texten und schönen Arrangements durch den Abend getragen, bis sich alle zum Schweizerpsalm erheben. Kräftig tönt der Gesang, begleitet von allen Instrumenten, aus vielen Kehlen. Stefan Fischer beendet dann die fast weihevolle Stimmung mit einem kräftigen Juchzer.

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