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«Die Jazzgemeinschaft werde ich vermissen»

Hämi Hämmerli hat die Jazz- Ausbildung an der Hochschule Luzern – Musik als Leiter geprägt. Jetzt ist der frisch Pensionierte am «Hausgemacht»-Festival als Musiker zu hören.
Das Hausquartett mit Hämi Hämmerli (Zweiter von rechts).PD

Das Hausquartett mit Hämi Hämmerli (Zweiter von rechts).PD

Hämi Hämmerli, Sie sind nach 24 Jahren Leiter der Abteilung Jazz und Volksmusik an der Hochschule Luzern – Musik in Pension gegangen. Jetzt treten Sie am «Hausgemacht»-Festival als «living legend» auf. Wie fühlt sich das an?

Hämi Hämmerli: (lacht) «Living legend», hoppla, wer hat denn diesen Begriff wieder kreiert? Bei Legenden denke ich eher an Musiker wie Jimi Hendrix, Miles Davis oder John Coltrane. Immerhin lebe ich noch. Nun ja, ich bedanke mich und fühle mich geehrt.

Sie spielen mit dem Hausquartett, in dem auch Christoph Baumann dabei ist. Eine weitere «living legend» der Hochschule Luzern – Musik, die in Pension geht.

Wir spielen in Baden fast jeden Donnerstag, deshalb «Hausquartett». Zurzeit sind wir in der 19. Saison. Das ist ziemlich legendär, nicht? Die Rhythmusgruppe ist von Anfang an die gleiche, die Bläser haben manchmal gewechselt. Seit ein paar Jahren ist Saxofonist Christoph Grab dabei.

Wie würden Sie die Musik beschreiben?

Wir spielen grundsätzlich frei. Unsere Konzerte laufen unter dem Titel «Cinema invisible». Wir haben ein paar Motive und Themen, aber wir und die Zu­hörer wissen nie im Voraus, was uns erwartet. Wir beginnen und schauen dann, was passiert. Von «Take The A Train» bis hin zu Minimal ist alles möglich.

Hämi Hämmerli im Ruhestand: Wie blicken Sie auf Ihre Zeit als Leiter der Jazzabteilung zurück?

Ich habe die ganze Entwicklung mitbekommen, von der «Jazzschule Luzern» über den Zusammenschluss mit dem Konserva­torium und der Akademie für Schul- und Kirchenmusik bis zum Bologna-Modell der heutigen Hochschule Luzern – Musik. Am Anfang leitete ich die Schule mit Marianne Doran, dann habe ich übernommen und die Schule mitprägen können, wie sie heute aussieht.

Was war Ihnen besonders wichtig in der Gestaltung der Jazz-Ausbildung? Was sollten die Studierenden in Luzern entdecken oder erfahren können?

Es ging immer darum, bei den Studierenden die eigene musikalische Persönlichkeit zu fördern und bestmöglich zu garantieren, dass jeder und jede machen kann, was auf sie zugeschnitten ist. Wir haben auf der Jazztradition aufgebaut, aber es gab nie eine Doktrin oder ein «Richtig» und «Falsch». Mir war immer wich­- tig, dass sich alle stilistischen Ausprägungen nebeneinander entwickeln konnten, vom Hardcore-Jazz bis zum Singer-Songwriter-Genre.

Was zählen Sie zu den Höhepunkten Ihrer Ära in Luzern?

Wenn eine Band am Bachelor- oder Masterabschluss-Konzert so cool und schlüssig spielte, dass man dachte, bei denen würde ich selber gerne mitspielen. Das waren Höhepunkte. Oder zu erleben, dass einige Bands, die während der Ausbildung gegründet wurden, noch Jahre später bestanden, von der Pro Helvetia gefördert wurden oder an Festivals auftreten konnten. Dann musste ich mir sagen: Die Dozenten und die Schule haben etwas Gutes gemacht, so ist es super.

Zu den «living legends» gehören auch Christoph Baumann und Lauren Newton, die sich als langjährige Jazz-Dozenten von der Hochschule Luzern – Musik verabschieden. Wie haben diese beiden Persönlichkeiten die Ausbildung geprägt?

Es sind beide wahnsinnig gute Musiker. Nebst ihrer üblichen Knochenarbeit in der täglichen Ausbildung haben sie vor allem den Bereich Improvisation an der Hochschule wesentlich geprägt.

Auch Christy Doran ist im Ruhe­stand. Und als neue Leiterin der Jazz-Abteilung ist Susanne Abbuehl am Ruder. Was bedeutet dieser Generationenwechsel für die weitere Jazz-Ausbildung?

Ich denke nicht, dass Susanne Abbuehl sozusagen alles über den Haufen werfen wird, sondern auf dem aufbauen kann, was wir gemacht haben. Natürlich wird sie Sachen ändern, das ist klar. Man ist im Laufe von vielen Jahren nicht gefeit vor Routinen, die sich einschleichen. So steht ein Generationenwechsel immer auch für neue und frische Ideen. Das ist immer gut.

Was macht Hämi Hämmerli als frisch Pensionierter?

Ich bin jetzt gerade von einem Monat Griechenland zurückgekehrt und habe es sehr genossen. Die vielen Sitzungen und Termine, die mit dem Schulalltag verbunden waren, werde ich nicht vermissen, wohl aber die ganze «community» an der Schule. All die Leute, die man im Alltag automatisch getroffen hat, Dozenten und Studierende, mit denen sich ein guter Kontakt entwickelt hat. Das wird mir sicher fehlen.

Wie bleiben Sie dem Jazz verbunden? Haben Sie neue Projekte?

Als Musiker bin ich noch nicht pensioniert. Ich habe in der nächsten Zeit viele Konzerte. Neben dem Hausquartett spiele ich noch in den Trios von Alessandro d’Episcopo und Roberto Bossard. Auch mit Franz Hellmüller bahnt sich eine Zusammenarbeit an. Vielleicht ergibt sich auch sonst noch etwas.

Eine eigene Band?

(Grinst) Das wäre eine Premiere. Ich war noch nie Bandleader. Mal sehen, was die Zeit bringt.

Pirmin Bossart

«Hausgemacht» verbindet Generationen

«Hausgemacht» ist das Festival des Instituts Jazz und Volksmusik an der Hochschule Luzern – Musik. Es wird zum zweiten Mal durchgeführt. Dabei treten ausschliesslich Bands von und mit Alumni und Dozierenden der Hochschule Luzern auf. Das Festival findet an drei Abenden in der Jazzkantine Luzern statt. Das Programm ist stilistisch breit gefächert. Der erste Festivalabend am Donnerstag steht unter dem Zeichen der «living legends»: Mit Lauren Newton, Christoph Baumann und Hämi Hämmerli werden drei langjährige Dozierende gebührend verab- schiedet. Hämi Hämmerli (b) und Christoph Baumann (p) treten mit dem Hausquartett auf, in dem auch Christoph Grab (sax) und Tony Renold (dr) spielen (siehe Haupttext). Die Stimmkünstlerin Lauren Newton ist mit Blindflug zu hören, einer Band mit den jungen Cracks Sebastian Strinning (sax) und Emanuel Künzi (dr). Impro pur. Am Freitag steht Christoph Pfändlers Metal Kapelle auf der Bühne: ein Clash aus Volksmusik und Metal in der Besetzung von Hackbrett, Cello, Kontrabass und Piano. Dann folgt das Kaos Kollektiv um den Bassisten Benedikt Wieland. Eine Erinnerung an Jazz, Beats und elektronische Klänge sind das offene Rezept dieses Quartetts. Die Harfenistin Linda Vogel (Titelbild) und der Schlagzeuger Vincent Glanzmann eröffnen den Samstag. Effektgeräte, erweiterte Spieltechniken und das Singen/Rezitieren von Texten gehören zum Konzept dieses eigenwilligen Sounds. Den Abschluss macht die Band Service Fun aus Vevey, bei der Nintendo-Konsolen, Dancefloor-Rhythmik, Gitarrenklänge und Grooves einen schrägen Cocktail mischen. (pb)

Do, 3., bis Sa, 5. Oktober, je ab 21.00 Jazzkantine, Luzern. Eintritt: Fr. 20.– (1 Abend), 35.– (2 Abende), 40.– (3 Abende); weitere Infos: www.hslu.ch

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