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Bilanz zum Sommer 2018: Die «Kindheit» öffnet Lucerne Festival weiter

Der Kindheits-Sommer, der am Sonntag zu Ende geht, zählte fast 80000 und damit leicht mehr Besucher als letztes Jahr. Und er gibt Impulse für künftige Festivals: Eine Bilanz mit Intendant Michael Haefliger, der zum Fall Pintscher aus Respekt schweigt.
Urs Mattenberger
Nachmittagskonzert am 2. September unter der Leitung von Daniel Dodds. Leia Zhu spielt Violine. (Bild: Peter Fischli/ Lucerne Festival)

Nachmittagskonzert am 2. September unter der Leitung von Daniel Dodds. Leia Zhu spielt Violine. (Bild: Peter Fischli/ Lucerne Festival)

Mit insgesamt 79 400 Besuchern zieht Lucerne Festival auch in diesem Jahr eine «äusserst positive Bilanz»: Die 78 Verkaufsveranstaltungen waren mit 65 400 Besuchern (800 mehr als im Vorjahr) zu 89 Prozent ausgelastet, 14 Konzerte waren ausverkauft. Zu den 37 Gratis-Veranstaltungen fanden sich 14 000 Interessierte ein.

Und die künstlerische Bilanz? Als Mass dafür bietet sich die Frage an, inwiefern dieser Kindheits-Sommer nachhaltig in die Zukunft des Festivals hineinwirken wird. Nach dem «Primadonna»-Sommer vor zwei Jahren hatte Intendant Michael Haefliger mehr Dirigentinnen am Festival angekündigt – und löste das Versprechen bereits dieses Jahr ein, unter anderem mit dem gestrigen Auftritt von Marin Alsop am Pult des London Philharmonic.

«Kindheits»-Impulse für künftige Festivals

Welche Impulse nimmt Haefliger vom «Kindheits»-Sommer für künftige Festivals mit? Werden vermehrt wieder «Wunderkinder» auftreten, die 13 Jahre alt sind – so alt, wie Anne-Sophie Mutter war, als sie in Luzern entdeckt wurde? «Anne-Sophie Mutter ist ein absoluter Ausnahmefall, ähnlich wie Kissin oder Daniil Trifonov», wehrt Haefliger Vergleiche mit den diesjährigen «Wunderkindern» ab: «Aber die jungen Musiker, die hier aufgetreten sind, zeigten das Potenzial für eine grosse Karriere, auch wenn diese von vielen Entscheidungen abhängen wird. Ich denke also schon, dass wir offener geworden sind für ganz junge Künstler. Ohnehin weiter geführt wird das ‹Superar Orchestercamp›, in dem 130 junge Musiker ein sinfonisches Programm erarbeiteten und im KKL aufführten.»

Ein zweiter Punkt, in dem dieser Sommer Massstäbe setzte, sind kindertaugliche Erwachsenenkonzerte. Höhepunkte waren das Teatro Dimitri («Domande») oder ein Familienkonzert, in dem die Geigerin Patricia Kopatchinskaja tanzend und fabulierend Musik des 20. Jahrhunderts schmackhaft machte. Schoss Haefliger da nicht durch den Kopf: Die müssen wir sogleich wieder für ein solches Format engagieren? Der Intendant lacht: «Klar, das wäre eine Möglichkeit, aber es gibt verschiedene Ansätze, das weiterzuführen. Beim Familienkonzert des English Chamber Orchestra habe ich eine Schar von Kindern in die Geheimnisse des Konzertsaals und der Echokammer eingeführt. Einstiegshilfen dieser oder jener Art wird es am Festival sicher mehr geben.»

Überragender Kosmos Stockhausen

Im Bereich der Moderne überragte der «Kosmos Stockhausen» selbst die Aktivitäten von Composer in residence Fritz Hauser. Könnten solche regelmässigen Schwerpunkte zu Avantgarde-Schwergewichten nicht die Repertoire-Bildung in der Moderne fördern? «Wir schaffen bei Festival nicht Strukturen, die wir dann Jahr für Jahr füllen», sagt Michael Haefliger: «Vieles ergibt sich situativ, im Fall Stockhausen nutzten wir die Chance, dass sich zum 90. Geburtsjahr auch Grossprojekte realisieren liessen.»

Daneben reihten sich auch die Konzerte von und mit Fritz Hauser für Haefliger nahtlos ins Festival ein: «Das Mitmachprojekt ‹Schraffur› fand ich grossartig. Und die Doppelrolle als Komponist und Performer, die Hauser spielte, war ja früher selbstverständlich und ist heute wieder aktuell.»

Die Abmachung im Fall Pintscher

Das tiefgreifendste Ereignis dieses Sommers war der Abgang von Matthias Pintscher als Chefdirigent des Academy-Orchesters. Er erfolgte so abrupt, dass es dazu nur ein aktuelles Vergleichsbeispiel gibt: Die fristlose Trennung des Concertgebouw-Orchesters von seinem Chefdirigenten Daniele Gatti wegen Vorwürfen sexueller Belästigung. Schürt Lucerne Festival nicht den Verdacht, dass in Luzern noch drastischere Ereignisse vorgefallen sind, wenn es die Angabe von Gründen verweigert? «Matthias Pintscher ist ein grosser Künstler», wehrt Haefliger ab: «Wir haben uns aus Respekt darauf geeinigt, dass wir diese Gründe nicht kommunizieren. Und es gehört zu meiner Rolle als Intendant, dass ich mich an eine solche Abmachung halte.»

Hoffnungsträger Simon Rattle

Für die dadurch frei gewordene Rolle des Principal Conductor beim Academy-Orchester weist die Bilanz dieses Sommers einen klaren Wunschkandidaten aus: Simon Rattle. Er hatte das Academy-Orchester bereits vor ein paar Jahren dirigiert und spielte auch dieses Jahr eine Schlüsselrolle: Das dreiteilige Gemeinschaftskonzert seines London Symphony Orchestra und des Academy-Orchesters gab der Moderne in den Sinfoniekonzerten ein neues Format und Gewicht.

Wäre Rattle für ein stärkeres Engagement bei der Academy zu gewinnen? «Die Zusammenarbeit mit Simon Rattle ist ein Glücksfall, weil er sich der Moderne mit derselben ansteckenden Begeisterung widmet wie traditionellem Repertoire», sagt Haefliger: «Er ist auch begeistert von der Academy, aber seine zeitlichen Möglichkeiten sind natürlich limitiert. Trotzdem sind wir bereits mit ihm im Gespräch für weitere Projekte.»

Rattle steht als Symbolfigur genau für die Öffnung, die Haefliger selber am Festival betreibt – hin zur Moderne wie zu einem breiteren Publikum: Exemplarisch dafür steht diesen Sommer der anhaltende Erfolg der «40min»-Reihe (5 200 Besucher) und des familientauglichen Erlebnistags zum Thema «Kindheit». Er allein lockte 5 200 Musikbegeisterte ins KKL.

Die letzten Veranstaltungen am Wochenende: www.lucernefestival.ch

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