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Die Leidenschaft ist zurück in der Tonhalle St. Gallen

Modestas Pitrenas hat vorgestern seinen offiziellen Einstand als neuer Chefdirigent des Sinfonieorchesters St. Gallen gegeben. Ein fulminanter, umjubelter und vielversprechender Auftakt.
Martin Preisser
Chefdirigent Modestas Pitrenas hat seine erste Saison in St. Gallen am Donnerstag glänzend gestartet: (Bild: Ralph Ribi)

Chefdirigent Modestas Pitrenas hat seine erste Saison in St. Gallen am Donnerstag glänzend gestartet: (Bild: Ralph Ribi)

Dvořáks neunte Sinfonie «Aus der Neuen Welt» ist sicher eine der am meisten heruntergespielten und abgehangendsten Sinfonien. Wie sie klingt, wenn man sie nicht einfach routiniert spielt und sich nur auf die Effekte der vielen Ohrwürmer verlässt, war in der Tonhalle St. Gallen zu hören. Modestas Pitrenas gibt dem Werk von Beginn an grosse Spannkraft, zieht intensive Bögen, unter denen er wunderbar durchdachte Details unterbringt.

Ohne Partitur führt er durch dieses Stück, intensiv, aber nie dick, mit viel Unbedingtheit zum emotional stark aufgeladenen Klang. Unentwegt ist es genau die entscheidende Portion an Elan mehr als nur das Normale, die diese «Neunte» zum Ereignis macht, zum Erlebnis, sie wieder frisch, glutvoll und mit Hingabe interpretiert zu erleben.

Eine Aufbruchstimmung war zu spüren

«Auftakt» war das Motto des ­ersten Tonhallekonzerts. Das begeisterte Publikum spürte diesen Abend deutlich als Auftakt in eine neue Ära. Mit Modestas Pitrenas ist die Leidenschaft zurück in der Tonhalle und mit ihm im Orchester. Er kann es anstacheln, motivieren, einen warmen, kräftigen, facettenreichen Klang aus ihm herausholen. So viele lächelnde Gesichter unter den Musikerinnen und Musiker, die engagiert vorne auf der Stuhlkante ihr Bestes gaben, unterstrichen diese Aufbruchstimmung auch optisch.

Was der litauische Dirigent dem Orchester an Klangsinnlichkeit abgewinnen kann, zeigten schon die Walzerfolgen aus dem «Rosenkavalier» von Richard Strauss aufs Deutlichste. Tänzelnde Nostalgie gelang da, feinste Übergänge zwischen Pathos und Melancholie glückten. Pitrenas hat keine Angst vor intelligenten Tempofreiheiten, hat keine Scheu, immer den höchsten Emotionsgrad anzustreben. Nur nicht vorsichtig, nur nicht ­kontrolliert klingen, lieber das Orchester auch mal zu einem Klangüberschwang verführen.

Taumelnder Walzer

Richtig taumelnd geht es in Ravels «La Valse» zu. Oft hört man den Start des Stücks ein wenig schwammig. Nicht bei Pitrenas. Der anfängliche Klangnebel ist genau durchpulsiert, feine Lichtstrahlen dringen präzis durch. Scharfe Klangballungen ruft er geschmeidig ab; den Walzer, der immer mehr musikalischen Schwindel auslöst, hat er unter genauer architektonischer Kontrolle. Zum Finale von «La Valse» lässt es Pitrenas dann so wild taumeln, dass der Schluss nur knapp im Lot bleibt.

Der neue Chef geht voll Leidenschaft an die Grenzen. Man darf sich auf seine mindestens fünfjährige Ära in St. Gallen freuen, im Konzert und in der Oper.

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