Die Livemusik machte 007 sogar noch spannender

James Bond wurde vom City Light Orchestra im KKL live aufgeführt. Erneut zeigte sich: Der Filmtitel ist für die Besucherzahl entscheidend.

Roman Kühne
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Viel Action: Daniel Craig in "Skyfall".

Viel Action: Daniel Craig in "Skyfall".

Bild: PD

Schon der erste Ton ist eine Wucht. Der Doppelschlag aus der weltberühmten Melodie schneidet wie Messer in den praktisch ausverkauften Konzertsaal des KKLs. Hart, unabwendbar. Ein Schicksal. Die ganze Geschichte im Zeitraffer. Der Tod von James Bond, seine Wiederauferstehung, der Untergang seiner Chefin «M». Wenige Sekunden und ein Akkord reichen, um das ganze Leben in der Schwebe zu halten. «Skyfall» war in den Kinos mit Einnahmen von über einer Milliarde Dollar der erfolgreichste James-Bond-Film, und «Skyfall» ist auch ein Ereignis im KKL. Kein Wunder, füllt der Film den grossen Konzertsaal an den Aufführungen von Freitag bis Sonntag.

Rhythmus statt Melodien

Die Attraktivität liegt einerseits an der Wucht des Films selber. Der Erfolg von Filmmusikkonzerten wird wohl weiterhin eng mit dem Titel des jeweiligen Filmes und seiner Bekanntheit verknüpft sein. Bei James Bond liegt es aber auch am unverkennbaren Sound, welcher seine Filme auszeichnet. Dem Komponisten Thomas Newman («Finding Nemo» oder «Erin Brockovich») liegt die Filmmusik in den ­Genen. Sein Vater Alfred war der langjährige musikalische Leiter von 20th Century Fox.

Natürlich, auch das bekannte 007-Thema von 1962 findet seinen Platz. Noch weniger als 13-mal wird es im Film gespielt, auch gespiegelt und verfremdet. Aber sonst arbeitet die Musik nur mit wenigen Melodien. Dies jedoch sehr erfolgreich. So war der Titelsong «Skyfall», gesungen von Adele, das erste Bond-Lied, das einen Oscar erhielt. Schade, war es auch das einzige, das an diesem Abend nicht live performt wurde. Die Urheberrechte lassen grüssen. Normalerweise unterstützt aber die Musik von Thomas Newman mehr mit starken Rhythmen und Schlägen die reiche Actionhandlung. Wie packend sie das tut, zeigt sich auch im KKL.

Dauerfinale für Perkussionisten

Nur schon die ersten 20 Minuten sind eine sich zuspitzende Attacke in Ton und Bild, eine Herausforderung für Musiker und Dirigent. Dieser setzt das City Light Symphony Orchestra mit Energie und Verve in Szene. Die tiefen Schläge in den Posaunen, die Spannung in den Waldhörnern, die langen Bögen in den Streicher begeistern.

Vor allem aber sind es die Perkussionisten, die ihren Auftritt haben. Die grossen Trommeln, die Kesselpauken oder das Schlagzeug erhöhen Vorwärtsdrang und Spannung. Surreal ist es, wenn James Bond in Schanghai im Hochhaus kämpft.

Wie oft in Action-Filmen ­erreicht die Musik in diesen Momenten ihre Höhepunkte. Durch die Liveaufführung werden aber auch Zwischentöne hörbar, welche Szenen ihre eigene Dramatik verleihen. Der Engländer Kevin Griffiths dirigiert präzise und mit Gespür.

Eine besondere Rolle kommt dem Gitarristen Felix Brühwiler zu. Der Luzerner Musiker gibt mit seinen klanglichen Verfremdungen und vor allem mit dem originalen James-Bond-Thema im Abspann des Films dem Film einen wichtigen Teil seines ­Charakters, eine Mischung aus Moderne und Nostalgie. Ein packender Abend, der in der Zugabe «From Russia with Love» unter grossem Applaus seinen letzten Höhepunkt findet.

Hinweis

Weitere Aufführungen. Fr/Sa, 27. und 28. Dezember, 19.30 Uhr, KKL Luzern.www.kkl-luzern.ch