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Lesetipps Literatur: Ferienlektüre aus den USA und Weissrussland

Der Wälzer «Das Flüstern der Insel» folgt einer Frau auf den Spuren ihres verstorbenen Ehemannes. Das ist spannend bis zum bitteren Ende.
Valeria Heintges/ Erika Achermann

Die Lüge vor dem Tod

Alices Ehemann Chris stirbt bei einem Autounfall. Kurz vorher hat er sie angerufen und gesagt, er sei in Yale. Aber er stirbt ganz woanders. Warum hat er gelogen? Obwohl sie hochschwanger ist und sich um ihre sechsjährige Tochter Olive kümmern muss, versucht Alice herauszufinden, was Chris in Massachusetts wollte. Mithilfe von Überwachungskameras findet sie heraus, dass er oft auf Robin Island war; Alice zieht ihm hinterher, auf die Insel.

Daniel Sánchez Arévalo schreibt einen spannenden Wälzer, der eindeutig in Amerika spielt – wohl auch, weil nur im Land des Überwachungswahns die Geschichte funktionieren kann. Und so abstrus es klingt: Sie funktioniert wirklich. Arévalo schreibt konsequent aus Alices Sicht, und die Erzählerin ist selbstkritisch genug, um ihr beinahe manisches Verhalten immer wieder zu hinterfragen und zu rechtfertigen. Und auch wenn die Geschichte immer abstruser und Alices ­Verhalten immer extremer wird, folgt man ihr gerne – bis zum ­bitteren, folgerichtigen, nur ein ganz klein wenig unglaubwürdigen Ende. Gute Ferienlektüre. Valeria Heintges

Daniel Sánchez Arévalo: Das Flüstern der Insel, Insel Verlag, 572 S., Fr. 22.–

Der Tisch muss mit

Weissrussland steht wenig in den Medien, allenfalls denken wir an die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch. Der Russe Ananij Kokurin erzählt von zwei weissrussischen Frauen, Mutter und Tochter, die nach Nischni Nowgorod reisen, über Hunderte Kilometer mit einem Tisch auf einem Handwagen, da keine Eisenbahn das Möbel transportieren wollte. Welch surreales Bild! Den Tisch hat der Vater für die Tochter gezimmert, bevor er als sowjetischer Soldat in den Krieg ziehen musste. Das Erinnerungsstück soll 1986 mit, als sie mit ihrer Tochter nach Russland zieht.

Auf der langen Reise erzählt die Mutter der Tochter ihre bisher verschwiegene Geschichte; sie ist trotz Krieg voller Liebe, denn nach dem Tod des Vaters hat sie sich in einen deutschen Besatzer verliebt, einen feindlichen Offizier, der die Mutter liebte und das Leben der damals kleinen Tochter rettete. Auch sowjetischen Familien fällt es schwer, über ihre Geschichte zu reden. Ananij Kokurin ist unter seinem richtigen Namen Andrej Krementschouk auch als Fotograf bekannt. Erika Achermann

Ananij Kokurin: Der Tisch. Roman. Osburg Verlag, 198 S., Fr. 26.-

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