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DIE LUZERNER METAL-BAND ABINCHOVA TAUFT IHR NEUES ALBUM: Geigenzauber, Sagen-Texte und harte Gitarrenriffs

Die Luzerner Band Abinchova ist kürzlich von einer Japan-Tour zurückgekehrt. Jetzt laden sie zur Plattentaufe von «Weltenwanderer». Was ist das für eine Band? Wollen sie die Welt erobern?
Abinchova (von links): Serge, Nora, Mischa, Michi, Wigi (Titelbild), Patricia und Arnaud.PD/Titelbild: Markus Felix/pushingpixels.de (Bild: PD)

Abinchova (von links): Serge, Nora, Mischa, Michi, Wigi (Titelbild), Patricia und Arnaud.PD/Titelbild: Markus Felix/pushingpixels.de (Bild: PD)

Patricia erinnert sich. Ihre Cousine Nora war damals 14 Jahre alt: «Eines Tages kam sie und sagte: ‹Ich will jetzt in eine Band!›» Es ging nicht lange, und die Violinistin und Sängerin war in einer Band. Der Proberaum befand sich in Ebikon. Also nannte man sich Abinchova. Der frühe Name von Ebikon tauchte vor 1300 Jahren erstmals in einer Urkunde auf.

2008 stiess auch Keyboarderin Patricia dazu. Seitdem bilden die beiden Frauen mit ihren Instrumenten die melodisch-harmonische Würze von Abinchova. Nicht minder wichtig sind die anderen Sound-Bestandteile: die berserkernden Riffs und Soli der Gitarren, die Wucht von Bass und Schlagzeug, der schreiende Gesang.

Melodic Death Metal nennen Abinchova ihren Stil. Death Metal steht für das Brachiale, die harten Gitarren, den Schrei- und Growl-Gesang. Diese Härte wird gebrochen mit Melodielinien und weicheren Klängen, die den Sound zugänglicher machen. Die harten Metal-Fraktionen mögen Melodic Metal nicht, weil er ihnen zu kompromisslerisch ist. So wie die «echten» Hardrock-Jünger mit dem Melodic Hardrock nichts anfangen können, weil er für sie wie Kuschelrock klingt.

Immer mal wieder hatten Abinchova einen Mitgliederwechsel. Die heutige Besetzung besteht seit rund einem Jahr. Für die Musik des neuen Albums ist grösstenteils Gitarrist Michael Maierhofer verantwortlich. «Michis Kreativität ist unerschöpflich. Wir können längst nicht alles umsetzen, was er im Kopf hat.» Eine wichtige Konstante in der Musik von Abinchova sind zudem die von Sänger Arnaud Hilfiker verfassten deutschen Liedtexte.

Nora und Patricia schätzen die von Sagen und Mythologien genährten Texte, für die sich Arnaud auch schon mal von den überlieferten Geschichten des Luzerner Stadtschreibers Renward Cysat (1545–1614) inspirieren lässt. Seine Texte geben der Band ihr mittelalterlich-folkiges Gepräge. Songtitel wie «Lichtfänger», «Sennenpuppe», «Vom grünen Grund» oder «Handgeschrieben» künden davon. Ebenfalls das an Fantasy-Welten erinnernde Design und die Typografie der verwendeten Schriften.

Abinchova und Eluveitie

Kein Wunder, dass Abinchova gerne mit Eluveitie verglichen werden, der erfolgreichsten Schweizer Folk-Metal-Band, die weltweit Anhänger hat. Doch bei genauerer Betrachtung gibt es sehr wohl deutliche Unterschiede, wie die beiden Frauen betonen. «Eluveitie bauen ihre Songs auf traditionellen Liedern und Melodien der keltischen Welt auf. Sie sind wirklich folkig. Wir pflegen musikalisch eine härtere Gangart und sind gitarrenlastiger, betonen also mehr das Metal-Element. Der Folk-Bezug wird bei uns eher in den Texten spürbar und in gewissen Melodiebögen.»

Trotzdem hat es zwischen Abinchova und Eluveitie schon immer eine gewisse Verbindung gegeben. «Die Drehleier-Spielerin und Sängerin Anna Murphy, die lange Mitglied von Eluveitie war, ging mit unserem Sänger Arnaud zur Schule», sagt Patricia. «Und wir haben die Violine für unser letztes Album mit Anna Murphy als Produzentin im Soundfarm Studio aufgenommen», ergänzt Nora. Nicht zuletzt standen Abinchova schon mehrmals mit Eluveitie als Supportband auf der Bühne.

Im Februar konnten sie mit Eluveitie und einer weiteren Schweizer Band sogar vier Konzerte in Japan spielen. Diese Gelegenheit mussten sie einfach beim Schopf packen. Sie hätten die Tour in erster Linie als persönliches Erlebnis wahrgenommen und weniger als potenziellen Quantensprung in ihrer Bandkarriere, sagt Patricia. «Natürlich ist eine Japan-Tour mit Eluveitie viel wert, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber um international mehr wahrgenommen zu werden und spielen zu können, wäre für uns eine grosse Europa-Tour noch wichtiger.»

«Do it yourself»-Idealismus

Lange Jahre haben Abinchova rund um ihre Musik alles selber gemacht. Mit dieser «Do it yourself»-Haltung sind sie weitergekommen als viele andere Bands. Die beiden sind stolz darauf, was sie erreicht haben: Auftritt am Wacken Open Air, mit über 70 000 Besuchern eines der grössten Metal-Festivals der Welt. Auftritt am Festival «70 000 Tons of Metal», das auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik stattfindet. Und jetzt die Japan-Tour mit Eluveitie.

Das alles klingt super, aber es sind Einzelereignisse, die noch längst keinen Lebensunterhalt als Band garantieren. Um tatsächlich weiterzukommen, reiche der «Do it yourself»-Idealismus nicht aus, wissen die beiden Musikerinnen. Das gehe nur über das knallharte Business mit einem grossen Label, einem Manager, einem Booker und anderen Vermarktern, die ihren Teil beitragen und dann auch abschöpfen würden. «Bis man dort reinkommt, das ist eine andere Geschichte.»

Nora und Patricia sprechen sehr pragmatisch über ihre Ziele mit der Band und was im heutigen Musikbusiness überhaupt (noch) möglich ist. Sie sind beide um die 30 Jahre alt und haben gute Jobs. Nora arbeitet als Psychologin am Kantonsspital Luzern, Patricia ist Sekundarlehrerin in Entlebuch und schreibt für diverse Musikmedien. Die beiden haben die herzigen Träume abgelegt, wie sie viele junge (Jungs-)Bands Anfang 20 noch hegen. Alles für die Musik geben! Job aufgeben und nur noch Musik machen! Mit einem Song den Durchbruch schaffen! In England bekannt werden! You name it.

«Natürlich sind wir mit ganzem Herzen dabei und investieren viel in die Band. Alle von uns möchten, dass es weitergeht, dass wir möglichst viele Konzerte spielen können», betonen beide. Abinchova ist weit mehr als eine Hobby-Band. Ein Anspruch ist da, die Band möchte weiterkommen. «Aber wir sind auch realistisch genug, um zu sehen, dass es mega viel braucht, um von der Musik leben zu können. Davon sind wir weit entfernt», sagt Nora. Und fügt mit einem Lächeln hinzu: «Aber ich bin immer bereit, meine fünf Wochen Ferien in die Band zu investieren.»

Pirmin Bossart

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