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Die Luzerner Rockband 7 Dollar Taxi ist ihrem Sound treu geblieben

Die Luzerner Rockband 7 Dollar Taxi meldet sich mit neuem Album zurück. Am Samstag wird das Werk in der Schüür getauft.
Michael Graber
César von Arx, Christoph Zurflüh, Ralph Zöllig, Tizian von Arx und Simon Wigger (von oben links im Uhrzeigersinn) sind 7 Dollar Taxi. Bild: Eveline Beerkircher (Malters, 11. September 2019)

César von Arx, Christoph Zurflüh, Ralph Zöllig, Tizian von Arx und Simon Wigger (von oben links im Uhrzeigersinn) sind 7 Dollar Taxi. Bild: Eveline Beerkircher (Malters, 11. September 2019)

4893 Tage liegen zwischen «Come And Figure It Out» und «Bomb Shelter Romance». Es ist eine Menge passiert zwischen der ersten und der aktuellen Scheibe von 7 Dollar Taxi. Damals sass Moritz Leuenberger noch im Bundesrat und Ruben Vargas, der eben in der A-Nationalmannschaft debütierte, war gerade einmal acht Jahre alt. Es ist aber auch gar nicht so viel passiert in diesen 13 Jahren: 7 Dollar Taxi, zum Beispiel, die klingen auch nach beinahe 5000 Mal Schlafen seit dem Debütalbum immer noch beinahe gleich. «Wir haben mittlerweile begriffen, was wir gut können», sagt Gitarrist Christoph Zurflüh. «Energie» ist ein Zauberwort. «Reduktion» ein anderes. «Wir haben zwischendurch zu viel gewollt», sagt Sänger Tizian von Arx. Sein Bruder César sekundiert: «Da waren teilweise zu viele Ideen.» Schlagzeuger Simon Wigger ergänzt: «Ich finde es gar nicht schlecht, wenn wir immer noch so klingen wie früher. Das heisst doch, dass wir unseren eigenen Stil haben.» Einzig Ralph Zöllig, der Keyboarder, bleibt ruhig. Er wurde erst 2014 fester Teil der Band.

Es ist ein lauschiger Sommer-Herbst-Zwitterabend in Malters. Man sitzt vor dem Bandraum nahe dem Bahnhof, trinkt Bier, raucht Zigaretten und spricht über das neue Album. Aber eben: Das kann man nicht tun, ohne über 4892 Tage dazwischen auch zu sprechen. 2006 waren die Männer noch Teenager und ihr Sound war der heisse Scheiss. Die britischen Rockbands strahlten nach Festlandeuropa aus und die vier jungen Taxifahrer waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und lieferten. Es folgten Touren in Japan und England und Support-Gigs für Bands wie Franz Ferdinand und die Babyshambles. Dass es am Schluss doch nicht ganz geklappt hat mit der Welteroberung, war wohl vor allem dem Zufall und der Finanzkrise geschuldet, die auch die Musikindustrie hart traf. «Kürzlich hat mir eine andere Band gesagt, dass wir damals ja den grossen Traum gelebt haben», sagt Tizian von Arx, «ich fand das komisch. Wir haben einfach gemacht. Uns war das da überhaupt nicht klar.»

«Wir wollten bewusst keine Computer auf der Bühne»

«Bomb Shelter Romance» klingt jetzt auch näher an «Come And Figure It Out» als an den Platten dazwischen. «Wir haben uns zum ersten Mal ganz bewusst überlegt, was wir selbst wollen», sagt Zurflüh. Vorher habe man manchmal überlegt, was man machen solle um zu gefallen, um Erfolg zu haben. Zöllig sagt: «Wir hatten alle klare Vorstellungen, wie es klingen soll und wir wollten vor allem authentisch bleiben.» Das Geheimnis von 7 Dollar Taxi sei, dass es so fest Indie sei, dass es nicht in den Mainstream falle und so fest Mainstream, dass es nicht zu Indie sei, sagt Zurflüh. «Mittelmass halt», stichelt César von Arx lächelnd.

Man kann 7 Dollar Taxi eine gewisse Evolutionsresistenz vorwerfen, aber Mittelmass nicht. Ihr Rock ist tatsächlich sehr energiegeladen und manchmal sogar reduziert. Man hört aber, dass gerade mit Tizian von Arx ein popverliebter Musikfreak am Songwriting-Werk ist. Von Arx hat auch noch sein Side-Projekt One Lucky Sperm, wo er dem Pop mehr huldigt. «Bei 7 Dollar Taxi wollten wir ganz bewusst keine Computer auf der Bühne», sagt Tizian von Arx. Zöllig, der mit ihm bei One Lucky Sperm musiziert, ergänzt: «Sobald Computer mit am Werk sind, geht das Spontane verloren.» Die Band wolle auf der Bühne auch mal situativ reagieren können. «Zum Beispiel einen Song mal langsam spielen, wenn die Stimmung im Publikum das erfordert», sagt Tizian von Arx. Wenn ein Beat via PC mitlaufe, sei das nur schwerlich möglich.

Von Horw nach Malters gezügelt

Wohl auch deswegen ist «Bomb Shelter Romance» ein klassisches Rockalbum geworden. Es hat die klassische Rockdynamik, die Gitarre prägt, das Schlagzeug klopft die Richtung, das Keyboard sorgt für die Würze. Allenfalls ist das fast schon Retro-Retro. Die Musik hat ihre Wurzeln in den 1970ern, und doch denkt man eher an den ­Garagen-Rockband-Boom in den Nullerjahren – die sich eben auch auf diesen Seventies-Sound bezogen. Seither hat der Rock generell einen schweren Stand: Er ist aus der Mode gefallen. Das ist schade. Wer 7 Dollar Taxi hört, der spürt die Kraft, die in dieser Musik steckt. Vielleicht mag es nicht der innovativste und virtuoseste Sound sein, aber er überdauert alle kurzlebigen Trends.

Man hört die Spielfreude der Band, hört die Leidenschaft, mit der Sänger Tizian Von Arx singt, da hat es Gitarrensoli drin, die knackig sind. Sie haben sich den jugendlichen Übermut bewahrt, mit dem man in den Proberaum geht und einfach mal macht. Den Proberaum mussten sie übrigens kürzlich wechseln. Vom Luftschutzbunker (drum der Albumtitel «Bomb Shelter Romance») in ein schmuckes Häuschen in Malters. Aber eine grosse Veränderung in 4893 Tagen liegt ja durchaus drin.

7 Dollar Taxi: Bomb Shelter Romance. Live: Samstag, 21.9., 21 Uhr, Schüür, Luzern.

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