Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die verführerische Macht der Geheimnisse

Wissen ist Macht – besonders, wenn nur wenige Auserwählte Zugang dazu haben. Eine Schau im Museum der Kulturen Basel widmet sich dem Geheimnis als Mittel sozialer Grenzziehung.
Bettina Kugler
Tradition verpflichtet und ist gut fürs Geschäft: Das Rezept für den Appenzeller Käse bleibt streng geheim. Bild: Museum der Kulturen

Tradition verpflichtet und ist gut fürs Geschäft: Das Rezept für den Appenzeller Käse bleibt streng geheim. Bild: Museum der Kulturen

Geheimniskrämerei gehört zum Geschäft: Ob es um das Rezept von Käse geht, um das Spezialwissen venezianischer Glasbläser oder um Neuigkeiten der Klatschpresse. Was hinter vorgehaltener Hand, unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt wird, das macht uns besonders hellhörig; Pulcinella, der Spassmacher der Commedia dell’arte, gilt als Verbreitungskünstler des offenen Geheimnisses – man spricht deshalb in Frankreich von einem «Secret de Polichinelle», wenn alle wissen, was keiner sagen darf. In England steht in einem solchen Fall ein Elefant im Raum, «an elephant in the room» ist das Tabu, das alle sehen, aber nicht auszusprechen wagen.

Im Basler Museum der Kulturen, seit langem ein Geheimtipp für völkerkundlich Interessierte, dürfen Elefanten also nicht fehlen, wenn es darum geht, wissenschaftlich in die Sphäre des Geheimisses vorzudringen. Raumfüllend freilich sind sie nicht, die aus bunten Stoffresten und Garnen zusammengenähten Spielzeugelefanten aus Indien. In den 1970er-Jahren dienten sie dem Transport geheimer Ware: dem Drogenschmuggel.

Zwischen Beichtstuhl und Bordell

Von vielen Seiten, kundig und spielerisch nähert sich die von ­Tabea Buri kuratierte Schau dem Geheimnis als Mittel und Symbol sozialer Grenzziehung zwischen Eingeweihten und dem unwissenden Rest. Sinnigerweise ist sie nicht als Rundgang aufgebaut, sondern eher labyrinthisch, in verwinkelten Nischen, die nicht gleich auf den ersten Blick ausplaudern, welche Einsichten sich dahinter verbergen. Neben einer Fülle von Exponaten aus der insgesamt 320 000 Objekte umfassenden Sammlung des Museums zu den Aspekten Geheimbünde, Geheimnisträger, Verbergen und Zeiten, religiöse Mysterien gibt es auch Einsichten in die Gegenwart und ihre Geheimniskultur.

Da verraten etwa ein Ärztepaar, eine Psychotherapeutin, ein Priester, ein Callboy, ein Banker, eine Zehnjährige an einer Hör­station für Horcher an der Wand eigene Erfahrungen mit der Bürde von Berufs- und Pausenhof­geheimnissen. Beichtpraxis und Bordellwesen im 19. Jahrhundert werden in einer anderen Abteilung provokativ in direkte Nachbarschaft gebracht: hier die Beichtbescheinigungen mit Ort und Datum, dort Liebesbriefe und «Jetons de maison close» als diskretes Zahlungsmittel fürs Bordell. Sorgenpüppchen aus Guatemala, japanische Holzpuppen («Kokeshi»), Schachteln, Truhen, Klappaltäre, Siegelstempel und andere Objekte erzählen still davon, wo Geheimnisse traditionell gut gehütet sind; Schleier, Federschmuck und Masken ergänzen das Bild.

Verbotene Früchte, geheime Daten, Whistleblower

Dass oftmals Macht im Spiel ist, wenn Wissen geheim gehalten wird, gilt nicht nur für kultische Handlungen und für die göttliche Ordnung – zu allem Anfang symbolisiert durch den Baum der Erkenntnis, von dessen Früchten Adam und Eva nicht naschen sollen. Betriebsgeheimnisse, geheime Wahlen, Datenschutz und die ambivalente Rolle von Whistleblowern sind brisante Gegenwartsthemen, die offen angesprochen werden und sich zugleich in exotischen Objekten aus geheimnisvoller kultureller Ferne spiegeln. Wer mag, kann selbst diskret Herzenslasten loswerden und Geständnisse zu Papier bringen. In schwarzen Briefkästen sammelt der Zeichner Till Lauer «Stille Post», Geheimnisse aller Art, und illustriert sie witzig. Selbstverständlich anonym.

Hinweis

Bis 21. April 2019
Informationen unter www.mkb.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.