Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Die Masterstudenten befragen Altdorf

Öffentlicher Raum Altdorf ist wegen seiner Verknüpfung mit dem Nationalhelden Wilhelm Tell nicht nur ein begehrtes Reiseziel für Schulklassen. Mit dem Dorf ist auch eine historische Vergangenheit des Wohlstands verbunden, von der das Fremdenspital am nördlichen Dorfeingang noch Kunde ablegt. Prägten im Spätmittelalter Herrensitze von Aristokratenfamilien das Bild des kleinstädtischen Dorfes, droht der Hauptort von Uri spätestens durch den Bau von Strassen- und Bahnnetzen, die an ihm vorbeiführen, ins Abseits zu geraten.

Anstatt der historischen Referenzen Altdorfs zu gedenken, befassen sich die Masterabsolventen des Studienganges Kunst der Hochschule Luzern, deren Abschlussarbeiten traditionell im öffentlichen Raum und nicht in der Messehalle präsentiert werden, in ihren Projekten mit gegenwär­tigen Zuständen des Dorfes. Im Dialog mit Ortsansässigen werden aktuelle Zustände befragt und neue Perspektiven eröffnet.

So hat sich Johanna Gschwend in ihrer filmischen Arbeit «Station Transit» mit der Verkehrssituation des Dorfes an der Nord-SüdAchse beschäftigt. Gschwend führte Gespräche mit Anwohnern und begleitete eine Reisegruppe im Car von Altdorf nach Rimini. Während Gschwend damit die sozioökonomische Situation des Urner Dorfes ins Visier nimmt, befasst sich Rachel Holenweg im Projekt «Treffpunkt 26» mit sozialen und gesellschaftlichen Aspekten. In der Vermittlerfunktion agierend hat Holenweg Flüchtlinge und Anwohner von Altdorf zur Gestaltung eines sozialen Treffpunkts zusammengeführt, der nach Abschluss der Ausstellung weiterbestehen wird.

Während die erwähnten Projekte ein Eingreifen in situ erforderten, resultieren Livia Müllers solarzellenbetriebene Exponate – «Schwabbels» genannt – aus der technischen Experimentierfreude der Künstlerin: Anstatt soziale Realitäten zu thematisieren, reagieren die mit Sensoren ausgestatteten «Wesen» sensibel auf Bewegungsreize aus der Umwelt. Müller wurde für ihre Arbeit gestern mit dem Preis der Max-von-Moos-Stiftung ausgezeichnet.

Durchlaufen die «Schwabbels» durch die technischen Fertigkeiten ihrer Schöpferin Prozesse der Evolution, setzen auch Isabelle Rogger und Kornelia Hui mit ihrer Arbeit «Winkelgasse 2» Prozesse in Gang – wenn auch nicht intendierte. So haben die Nachforschungen des Duos zu einem seit mehr als zwei Jahrzehnten leerstehenden Haus im Dorfkern Gespräche um das Investitionsobjekt angestossen und Interessenten angelockt.

Eine andere Lokalität in den Fokus gerückt hat Julia Bolli: In «Off position zwyer» macht Bolli die ehemalige Schmiede öffentlich zugänglich. Das vernachlässigte Haus beherbergt nach jahrelangem Leerstand Atelierräume eines Kollektivs und gibt für die Dauer der Ausstellung Einblicke in dessen Schaffen. Mit «Tell me» beweisen die Absolventen, dass Kunst gesellschaftlich relevante Austauschprozesse und Diskurse initiieren kann, anstatt nur repräsentativen Zwecken zu genügen.

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Werkschau Master Kunst. Noch bis Sonntag. Führung heute ab 13.30 Uhr. Führung morgen ab 11 Uhr. Treffpunkt: Zeughaus, Altdorf. Extra-Tellbus morgen 10 Uhr ab Luzern nach Altdorf.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.