Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schweizer Kinofilm: In der Mausefalle des Kapitalismus

Der Genfer Antoine Russbach behandelt in seinem Spielfilmerstling «Ceux qui travaillent» erstaunlich leicht grosse soziale Themen. Es gelingt ihm dies auch dank dem sensiblen Spiel seines Hauptdarstellers.
Irene Genhart
Die Szenen mit Blanchet (Olivier Gourmet) und seiner Tochter berühren besonders. (Bild: Outside the Box)

Die Szenen mit Blanchet (Olivier Gourmet) und seiner Tochter berühren besonders. (Bild: Outside the Box)

Frank Blanchet liebt seine Familie. Doch obwohl er sich zu Hause am wohlsten fühlt, seinen Kindern bei den Hausaufgaben hilft oder sie auch schon mal chauffiert, ist er keiner dieser modernen Männer von heute, sondern ein Patriarch alter Schule, und der Job ist ihm mindestens so wichtig wie seine Lieben. Er bekleidet in einer Genfer Trading-Firma als Koordinator internationaler Cargo-Transporte denn auch einen verantwortungsvollen Posten.

Eines Tages dann aber meldet der Kapitän eines der Schiffe, die Blanchet betreut, auf der Überfahrt von Afrika nach Europa ­einen blinden Passagier. Aus Liberia soll der Mann kommen, nicht nur entkräftet, sondern schwer krank sein, so dass die Besatzung um eine Ansteckung fürchtet.

Die falscheste aller möglichen Entscheidungen

Es gibt in der internationalen Schifffahrt vereinbarte Prozedere, die in solchen Fällen greifen. Auch könnte, um diese zu umgehen, das Schiff umkehren und den Mann im Auslaufhafen wieder an Land setzen. Doch die Zeit drängt, die Ware in den Containern muss fristgerecht geliefert werden, auch wird von Blanchet eine gewisse Performance erwartet. Was Blanchet schliesslich dazu bringt, die in dieser Situation inhumanste und somit falscheste aller möglichen Entscheidungen zu treffen, wissen letztlich allerdings nur Gott und der Teufel – oder der Regisseur Antoine Russbach und der mit am Drehbuch beteiligte Emmanuel Marre. Auf alle Fälle verliert Blanchet, obwohl die aufkommende Schuldfrage nicht nur auf seinen Schultern ausgetragen wird, infolge davon seine Stelle.

Ab hier bricht «Ceux qui travaillent», der bis hierher alle Ingredienzen für einen fiebrig-grossen Handlungsthriller aufweist, die Story faszinierend herunter auf die Erlebnisebene von Blanchet, der sich aus seiner sicheren Bahn geworfen findet.

Der Belgier Olivier Gourmet, bekannt durch Auftritte in den Filmen von Jean-Pierre und Luc Dardenne, jüngst anzutreffen etwa in Martin Provosts «Sage femme» und der TV-Krimi-Serie «Midnight Sun» – spielt Blanchet mit der ihm eigenen, wuchtigen Körperlichkeit und der ebenfalls typischen sublimen Sensibilität. Als schweigsamen Kerl, der mit sich, seiner Entscheidung, dem Vorgefallenen hadert, sich zugleich aber zwingt, in der weitgehend von kapitalistischen Interessen bestimmten Welt seinen Verpflichtungen als Gatte und Vater weiterhin nachzukommen.

Wert der Arbeit und Wert eines Menschen

Dem Genfer Russbach ist mit seiner Charakterstudie ein faszinierend dichtes und zuweilen berührendes Werk gelungen, das mit verblüffender Leichtigkeit aktuelle Themen abhandelt. Gefragt wird dabei nach dem Stellenwert der Arbeit im Leben eines Menschen, ebenso nach dem Wert eines einzelnen Lebens. Nicht zuletzt wird diskutiert, ob ein Einzelner sich in einem korrupten System überhaupt anders als ebenfalls korrupt verhalten kann. Das sind spannende, aber schwierige Fragen, und sie in einem Spielfilm abzuhandeln ohne die Moralkeule zu schwingen, ist eine Kunst.

«Ceux qui travaillent» läuft im Kino Bourbaki (Luzern).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.