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Festival in Luzern: Die Neuerfindung der Brassband

Die Konzerte kleiner Brass-Formationen leben oft vom höher, schneller, schwieriger. Federspiel brachte ruhige und sinnliche Musik ins KKL. Das Publikum war begeistert.
Roman Kühne
Die österreichische Brassband Federspiel entzückte das Publikum im KKL mit Finessen. Bild: Jakob Ineichen (26. September 2018)

Die österreichische Brassband Federspiel entzückte das Publikum im KKL mit Finessen. Bild: Jakob Ineichen (26. September 2018)

Es ist der wohl spannendste Abend des diesjährigen World Band Festivals. Jahrelang haben an gleicher Stelle kleine Blechformationen wie Mnozil Brass oder Canadian Brass Klamauk und Virtuosität auf die Bühne gebracht. Sie spielten schnell, oft laut. Immer höher ging es, und es wurde teils, nun ja, auch so richtig «die Sau rausgelassen».

Oft haftete den Ausführungen neben aller Virtuosität aber auch etwas Zirkushaftes an, ja fast wähnte man sich an einem Wettkampf. Die Witze waren mal lustig, mal einfach nur platt.

Mit der österreichischen Gruppe Federspiel ist am Mittwochabend im KKL ein ganz anderer Stil zu Gast. Schon rein optisch fällt die Band auf. Ist doch in der Gruppe neben den sechs Blechbläsern auch ein Klarinettist zu finden. Ebenfalls speziell ist ihre Musik. Sie sind zwar durchaus virtuos. Aber es ist mehr eine Virtuosität des Geistes, eine musikalische Meisterschaft in Struktur und Idee, denn rasende Fingerfertigkeit.

Inspiration Philosophie

Das Programm besteht grösstenteils aus Eigenkompositionen, inspiriert von Erlebnissen, Beobachtungen und Philosophie. So etwa das Stück «S.E.A.L.», wo es «um die Essenz der Erkenntnis geht», um dieses unbestimmte Gefühl, dass man etwas sieht oder erlebt hat, was «ein ganzes Leben bleibt».

Die sensible Ballade, komponiert von Simon Zöchbauer, dem einen Trompeter des Ensembles, zeichnet diese Stimmung trefflich nach. Die Musik ist mehr ein wogendes Tongebilde, denn rhythmisch definiert, spielt mit den Klängen und ihren Farben. Wie alle Stücke ist auch dieses eine veritable Komposition, ein Werk mit Anspruch. Fern eines jeglichen «Runterspielens» von volkstümlichen Gassenhauern, ist der Sound komplex, die Schichtung der Akkorde raffiniert. Eine Art durchkomponiertes Psychogramm, eine offene Seelenlandschaft mit vielen Zwischentönen.

Als dann die Musiker am Schluss des Stückes noch an die Mikrofone treten und quasi einen modernen Alpsegen intonieren, fühlt man sich wahrlich in einem «Federspiel», frei und losgelöst. Überhaupt ist der Gesang ein wichtiges Element in ihrer Musik, sei es als Melodiengeber oder als Stimmungselement. So in «Eventyret om Fossegrimen», eine Komposition, inspiriert von einem Wasserfall im hohen Norden, wo die sieben während einer Tournee ein Bad nahmen. Auch hier entspannt sich eine weitverzweigte, musikalische Geschichte. Sensibel und raffiniert.

Platz für Fantasie, Anregungen für die Seele

Wer ein lautes Feuerwerk an technischen Schwierigkeiten erwartete, wird sicher enttäuscht. Praktisch das ganze Programm des Abends ist eher auf der ruhigen Seite. Kammermusikalische Perlen, mit Witz und Perfektion serviert. Die Stücke lassen der Fantasie der Zuhörer viel Platz, sind stimulierende Miniaturen, regen Geist und Seele an.

Vieles ist unerwartet. Selten ist klar, was als nächstes kommt. Aber nie, wirklich nie, sind diese Kompositionen langweilig. Ein wichtiger Einfluss in ihrem Musizieren ist Lateinamerika, genau genommen Mexiko, wo der Trompeter Ayac Iuan Jimenez-Salvador seine Wurzeln hat. Und so erklingt der mexikanische Mariachi, verknüpft mit typischen österreichischen Volksmusikrhythmen, witzig und überzeugend.

Bei den Ansagen glänzen die Musiker mit ihrem trockenen Humor, setzten auch kleine Seitenhiebe. So etwa, dass es mexikanische Volksmusiker überhaupt nicht beeindruckend fänden, was um sie herum kulturell passiert, etwas was «in der Volksmusik noch des Öftern vorkommt». Selbst die ständige Anpreisung ihrer neuesten CD wirkt dank des Charmes und der Erdung der Sprecher nicht zu aufdringlich.

Seit 14 Jahren spielt die Gruppe zusammen. Es hat der Frische der Musiker sicher geholfen, dass sie sich nicht einfach in eine Schublade pressen lassen. Man erlebt an diesem Abend fast so etwas wie die Neuerfindung der Brassband. Oder zumindest zeigt Federspiel einen Weg auf, wie sich das triumphierende Blech auch noch zeigen könnte, verspielt, sensibel – und vor allem – inspirierend. Das Publikum dankt es mit einer Standing Ovations.

Das Festival läuft noch bis Sonntag. www.worldbandfestival.ch

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