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Neuer Spielplan des Luzerner Theaters: «Die Neugier ermutigt uns!»

Viscosi-Besetzung, Brandstifter im Wohnzimmer und eine multikulturelle Mozart-Oper: Der dritte Spielplan unter Intendant Benedikt von Peter bleibt unermüdlich innovativ – sogar mit Klassikern.
Urs Mattenberger
Das leicht umbesetzte Leitungsteam: Sandra Küpper (Schauspiel, von links), Johanna Wall (Oper), Clemens Heil (Musikdirektor), Benedikt von Peter (Intendant) und Kathleen McNurney (Tanz). (Bild: Vanessa Puentener)

Das leicht umbesetzte Leitungsteam: Sandra Küpper (Schauspiel, von links), Johanna Wall (Oper), Clemens Heil (Musikdirektor), Benedikt von Peter (Intendant) und Kathleen McNurney (Tanz). (Bild: Vanessa Puentener)

«Die Luzerner sind neugierig! Das ermutigt uns», sagte heute Morgen Benedikt von Peter bei der Präsentation der dritten Spielzeit unter seiner Intendanz. Die Neugier des Publikums bestätigen die Zahlen: Die aktuelle Spielzeit erreicht zwar nicht die Spitzenwerte der ersten, läuft aber «wirklich gut». Verwaltungsdirektor Adrian Balmer bestätigt das, kann aber keine Zahlen nennen: «Weil mit ‹Jedermann› eine Grossproduktion aussteht, in der 12000 Tickets zum Verkauf stehen, wäre das reine Spekulation».

Wozu der Erfolg das Team um Benedikt von Peter ermutigt, zeigt der dritte Spielplan. Unter dem Motto «Neue Formen» führt er das Raumtheater, die Zusammenarbeit mit lokalen Kulturakteuren und internationalen Gästen weiter, mit denen das Luzerner Theater weit über die Region hinaus Aufsehen erregt. Und das bis hin zu renommierten Theatern in Deutschland. So kommt die neue Operndirektorin Johanna Wall von der Komischen Oper in Berlin. Die neue Schauspiel-Leiterin Sandra Küpper kommt vom Thalia-Theater in Hamburg und bringt stärker neue Formen aus dem Performance-Bereich nach Luzern, aus dem Wall ursprünglich herkommt.

Spartenübergreifende Opern-Experimente

Zu den neuen Formen gehört, dass die Grenzen zwischen Stilen und Sparten weiter aufgelöst werden. Eine Visitenkarte dafür sind drei Opern-Experimente zu Beginn. Sänger, Schauspieler, Tänzer und Theaterchor bringen mit dem 21st Century Symphony Orchestra – eine Premiere – eine kafkaeske Jazzoper von Klaus von Heydenaber zum Thema Tod zur Uraufführung: ein Nachspiel zu Ligetis «Le Grand Maccabre» im letzten Sommer, das wie dieser im Rahmen des Lucerne Festival gezeigt wird.

Das zweite Opernexperiment entwirft in der Box mit dem Sample-Avantgardisten Matthew Herbert und Gustav Mahlers «Kindertotenliedern» (mit dem Luzerner Sinfonieorchester) das Szenario einer Welt, der die Kinder abhanden gekommen sind. Im dritten treffen in Mozarts multikultureller «Serail»-Oper ein Opernensemble und ivorische Performer und «Kraftpakete» (von Peter), rationale Reflexion und körperbetonte Aktion spektakulär aufeinander.

Neue Schauspiel-Formen mitten im Alltag

Im Schauspiel bringt Sandra Küpper mehr internationale Regisseure aus dem nicht-deutschsprachigen Raum, um deren innovatives Potenzial für Luzern zu nutzen. Viele davon haben auch im Bereich Film ein Standbein, wie ungarische Regisseur Kornél Mundruczó, einem der grossen Namen im aktuellen Schauspiel-Kalender. Seine «Traumland»-Performance beginnt (auf einem Schiff) eine längerfristig angelegte künstlerische Auseinandersetzung mit Luzern. Ebenfalls an der Schnittstelle von Film und Theater arbeiten Angeliki Papoulia und Christos Passalis: Sie machen (Schauspielern und Tänzern) aus Euripides’ «Alkestis» ein Märchen für das 21. Jahrhundert, in dem Alkestis ihre weibliche Opferrolle ablegt.

«Neue Formen» greifen im Schauspiel in die Alltagswelt hinein. Die «Open Kitchen» lädt in der «Box» als mehrteiliges Festival zum gemeinsamen Kochen, Essen und Diskutieren ein. Max Frischs «Biedermann und die Brandstifter» wird in Privatwohnungen gespielt (Anmeldung unter brandstifter@luzernertheater.ch). Das Jugendprojekt «Cybercity» besetzt drei Hallen der Viscosi in Emmenbrücke: Regisseur Mirko Borscht verwandelt sie in eine begehbare Welt eines Filmstudios, das den Grenzen zwischen analogen und digitalen Wirklichkeiten nachspürt.

Tanzfest und ein Treffen mit Faber und Zappa

Neben den Wechseln im Leitungsteam bleibt Kathleen McNurney als Leiterin von Luzern Tanz seit zehn Jahren die grosse Konstante. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsgala: Sie mischt Ausschnitte aus beliebten Produktionen der letzten zehn Jahre (darunter 41 Uraufführungen) mit Filmclips aus dem Archiv (5. Mai). Zudem nutzt der Tanz mit Glucks «Orfeo ed Euridice» zum ersten Mal eine Oper für ein spartenübergreifendes, «grosses, sinnliches Theater der Extraklasse» (Choreografie: der spanische Shootingstar Marcos Morau).

Und dann sind da noch Projekte, die ganz aus dem Raster eines Dreispartenhauses fallen. Das prominenteste ist das Opern-Air-Festival «Zappa on the Hill». Gemeinsam mit Musikern der Schweizer Kultband Faber beschwört das Luzerner Theater in Kooperation mit dem B-Sides-Festival den Geist dieses Enfant terrible und Hofnarren der Rock- und Pop-Geschichte auf dem Sonnenberg (29. Mai bis 2. Juni). Offen konzipiert ist auch der «Winkel» im ehemaligen UG, der Jugendlichen als Plattform zur Verfügung steht: Ein Beispiel für die zahlreichen Vermittlungsprojekte, mit denen das Theater Benedikt von Peters «Volkstheater»-Anspruch einlöst.

Musiktheater: «Don Giovanni» und Mühlemann

Auch in den «Neuen Formen» ist am Luzerner Theater und namentlich in der Oper Platz für grosse Repertoirestücke. Benedikt von Peter radikalisiert (neben der wieder aufgenommenen «Traviata») Mozarts «Don Giovanni», indem er ihn als Projektionsfigur im Dunkeln verschwinden lässt. Ein sängerisches Highlight bietet Charles Gounods «Roméo et Juliette» mit der Sopranistin Regula Mühlemann, die als Gast ans Luzerner Theater zurückkehrt, wo sie einst ihr erstes professionelles Engagement hatte. Die Operettentradition wird weitergeführt mit Jacques Offenbachs «Die Grossherzogin von Gérolstein», in der Lennart Hantke auch nach der Liebessehnsucht hinter Gesellschaftssatire sucht. (mat)

Schauspiel: Recherchen und Fantasien

Die Frage nach Wahrheit und Täuschung zieht sich durch viele Schauspielproduktionen. Auf Langzeitrecherchen basiert die Gangsterperformance von Franz Strolchen über Stereotypen von Kleinkriminellen und ihre Täuschungsmanöver. Der französische Regisseur Nicolas Charaux bringt die dunklen Fantasien von E.T.A. Hoffmanns «Der Sandmann» auf die Bühne. Auf der Bühne und in der Box fragen die estnischen Regisseure Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo nach «Schuld & Sühne» (nach Dostojewkj) in unserer globalisierten Gesellschaft. Kinderfantasien lebendig werden lässt die belgische Künstlerin Miet Warlop mit ihrem lustvoll überbordenden Familienstück «Grosse Bären weinen auch». (mat)

Tanz: Für Kinder und Senioren

Die Tanzsparte verbindet wie keine andere Innovation mit Kontinuität. So kehrt Associate-Artist Georg Reischl zurück und vertanzt mit der Luzerner Compagnie Songs von David Bowie (mit zwei Choreografien von Cayetano Soto im Programm). Kinsun Chan, der mit «Nuts!» einen Publikumsliebling gelandet hatte, bringt die Geschichte des Bären «Paddington» als Choreografie auch für Kinder auf die Bühne. In der Jubiläumsausgabe der beliebten Dancemakers-Series zeigen Tänzer der Compagnie eigene Choreografien. Das Tanzangebot «Shall We Dance» für Menschen ab 60 ist ein Beispiel für die vielen Vermittlungsangebote des Theaters für alle Altersgruppen von Kindern bis zu Senioren. (mat)

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