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25 Jahre Theater Aeternam: Die Neugier ist sehr gross geblieben

1994 gründeten ein paar Theaterbegeisterte das Theater Aeternam. Daraus ist ein Fixpunkt der freien Szene geworden. Nun realisiert die ambitionierte Truppe im Kleintheater Luzern ihre 25. Produktion.
Pirmin Bossart
Der «harte Kern» des Theaters Aeternam: (von links) Christoph Fellmann, Marco Sieber und Franziska Bachmann Pfister. (Bild: Nadia Schärli (11. März 2019)

Der «harte Kern» des Theaters Aeternam: (von links) Christoph Fellmann, Marco Sieber und Franziska Bachmann Pfister. (Bild: Nadia Schärli (11. März 2019)

Freitagnachmittag, Kleintheater Luzern. Sechs Tage vor der Premiere von «Perplex», dem neusten Stück des Theaters Aeternam. Da will man nur 15 Minuten in einen Probe-Durchlauf reinsitzen. Aber dann zieht es einem rein, und am Ende hat man das ganze Stück gesehen. So kann es einem ergehen mit dem Theater Aeternam. Das sind eine Handvoll theaterbegeisterte Frauen und Männer, die jedes Jahr eine Produktion realisieren und ein gutes Händchen haben für einen oft schrägen Stoff.

«Wir wählen gerne Stücke, die unterhaltend sind, aber Tiefgang haben und vielleicht auch etwas zum aktuellen Zeitgeschehen aussagen», sagt Franziska Bachmann Pfister. «Eine schöne und spannende Sprache ist sicher wichtig», sagt Marco Sieber. Christoph Fellmann mag eine gewisse Absurdität oder etwas Groteskes, die in einem Stück mitspielen. «Auch experimentelle Sachen interessieren uns. Wir machen sicher kein Stück, das einfach schön flott und gerade ­erzählt wird.»

Produktion wird gemeinsam gestemmt

Aeternam entwickelt nicht selber einen Stoff, sondern fokussiert sich auf bestehende Stücke von zeitgenössischen Autoren. Schon mehrmals berücksichtigt wurden Autoren wie Roland Schimmelpfennig oder Jon Fosse, die mit ihrer Sprache überzeugen. Zu Aeternam gehört ein Pool von Leuten aus den Bereichen Licht, Kostüme, Ausstattung, Musik, die je nach Bedarf beigezogen werden. Eine externe Produktionsleitung gibt es nicht. Auch das ist typisch für Aeternam: «Wir stemmen die Produktionen gemeinsam», sagt Sieber.

Schon seit einigen Jahren sind es Franziska Bachmann Pfister, Marco Sieber und Christoph Fellmann, die das Theater Aeternam bilden. Bachmann Pfister ist seit der zweiten Spielzeit dabei (1995), Sieber seit 1999, Fellmann seit 2007. Hervorgegangen ist das Theater Aeternam aus einem Theaterkurs von Dieter Ockenfels. «Nach dem Kurs sagten sich ein paar Leute: Das kann nicht sein, dass nun alles vorbei ist, wir wollen weitermachen.» Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem Martin Spilker und Norbert Kienzl.

Seit 25 Jahren hat das Theater Aeternam jedes Jahr ein Stück aufgeführt. Diese Kontinuität im oft ungemütlichen Wildwasser des freien Schaffens hätte einen Orden verdient. «Zuerst entscheiden wir uns, auf welchen Regisseur oder welche Regisseurin wir uns einlassen wollen, dann beginnen wir mit der Stückauswahl», sagt Sieber zum Vorgehen. In den ersten zehn Jahren führte Reto Ambauen Regie. Er wirkte auch in späteren Inszenierungen wieder mit. Mehrmals kam auch Ursula Hildebrand zum Zug. Letztes Jahr («Bandscheibenvorfall») inszenierte Nina Halpern.

Offene und vertrauensvolle Gruppe

Für die diesjährige Produktion «Perplex» wurde der Schaffhauser Regisseur und Theaterpädagoge Jürg Schneckenburger angefragt, der schon 2007 im Stück «Die arabische Nacht» Regie ­geführt hatte. Wie erlebt er die Crew? Die Aeternam-Leute seien überhaupt nicht dogmatisch, sondern sehr offen und vertrauensvoll, gibt Schneckenburger zu Protokoll. «Es bestehen keine Glaubenssätze, wie etwas sein soll oder wie man es schon immer gemacht hat. Die Neugier ist sehr gross geblieben, auch nach 25 Jahren.»

Die Gruppe sei experimentierfreudig und gehe auch mal ein künstlerisches Risiko ein. «Dass sich die Spielenden immer wieder mit unterschiedlichen Regisseuren und Ästhetiken einlassen, spricht sehr für sie.» Schneckenburger erwähnt auch das Umfeld von Aeternam, in dem er sich wohl fühlt. «Da machen immer mal wieder kreative Menschen mit, die sehr inspirierend sind.»

Je nach Stück werden Schauspielerinnen und Schauspieler zugezogen. Bei der Trash-Komödie «Hier und Jetzt» (2014) sassen zehn Personen am langen Tisch im Maskenliebhabersaal und entfachten ein skurriles Spektakel.

Auch die Schauplätze sind variabel und werden entsprechend dem Stück gesucht. «Dämonen» (2012) wurde im Garten einer privaten Villa in Horw aufgeführt. Ein visuelles Panorama-Erlebnis war der antike Stoff von «Tod in Theben» (2015), für dessen ungewöhnliche Inszenierung das Fussballstadion des FC Kickers ausgesucht wurde. Es sei die Lust am Theaterspielen, die sie jedes Jahr wieder für eine neue Produktion motiviere, sagen Franziska Bachmann Pfister und Marco Sieber. Aber auch: «Bei Aeternam haben sich Leute zusammengefunden, die gleich ticken, die mitdenken, mitgestalten und mitorganisieren.»

Mit Erfahrung professionell geworden

Auch wenn die Mitglieder keine eigentliche Schauspielschule gemacht haben, sind sie mit ihrer langjährigen Erfahrung Profis geworden. Alle von ihnen verdienen den grössten Teil ihres Lebensunterhaltes mit Theaterarbeit. Auch die regelmässige Zusammenarbeit mit Regisseuren, die sie förderten und forderten, hat die Gruppe professionalisiert und zu einem Aushängeschild der freien Luzerner Theaterszene gemacht. «Ich erlebe das ­Aeternam als eine sehr professionelle Truppe», sagt Irene Wespi, die nach fünf Jahren jetzt wieder mal dabei ist. «Sie wissen, was sie wollen, und sie sind gut. Es ist eine Herausforderung, mit ihnen zu spielen.»

Das Theater Aeternam spielt in Co-Produktion mit dem Kleintheater Luzern das neue Stück «Perplex» von Marius von Meyenburg. Premiere: Mittwoch, 13. März 2019, 20 Uhr, Kleintheater Luzern.

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