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Jubiläum im KKL: Die Orgel war das bessere Orchester

Beim grossen Jubiläumskonzert von Orgelbau Goll war das Soloinstrument der hell leuchtende Star. Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz wirkte daneben eher wie ein kleines Flämmchen.
Roman Kühne
Organist Christian Schmitt zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz im KKL. (Bilder: Dominik Wunderli (16. Mai 2018))

Organist Christian Schmitt zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz im KKL. (Bilder: Dominik Wunderli (16. Mai 2018))

Was für ein Fixstern ist die Orgel im KKL, hoch thront sie über ­Orchester und Solisten, ist Ruhepunkt und Horizont in einem. Doch nur selten ist ihr Klang zu vernehmen, und noch seltener kann sie ihre Schönheit ausserhalb des finalen Satzes einer ­Sinfonie entfalten. Am Dienstagabend ist es wieder einmal so weit. Wenigstens eine Hälfte lang – zur Feier von 150 Jahre Orgelbau Goll – darf dieser «König aller Instrumente» (Mozart) den Saal beschallen.

Zur Eröffnung spielt der Solist Christian Schmitt «Variationen über ein Thema von Beethoven», eine Komposition von Gustav Adolf Merkel über eine Melodie aus der Piano-Sonata No. 30. Ein Werk, das mit seinen Wechseln aus schnellen und langsamen ­Sätzen zum Musizieren, aber auch zum genüsslichen Herumspielen geradezu einlädt.

Zusätzlicher Spieltisch auf der Bühne

So wählt Adolf Merkel für jeden Abschnitt eine andere Registrierung, trübt den Klang, lässt die Kraft triumphieren, mischt Schatten und Leichtigkeit oder lässt den strahlenden Trompeten ihren freien Lauf. «Für eine Stunde ­Orgelmusik muss der Solist acht bis zwölf Stunden Vorarbeit aufwenden», erklärt der Orgelbauer Simon Hebeisen, Geschäftsführer der Firma Goll. «Seit dem letzten Jahr haben wir einen zusätzlichen Spieltisch auf der Bühne. Jetzt hört der Solist die Orgel wie im Konzert und kann die Registrierung alleine machen. Ich bin aber oft dabei, weil ich die Orgel natürlich sehr gut kenne.»

Organist Christian Schmitt.

Organist Christian Schmitt.

Dieser Bühnentisch ist auch für das Publikum attraktiv. Vor ­allem die virtuose Beinarbeit des Solisten erhält so eine ganz an­dere Wirkung. Christian Schmitt wählt in seinen Klängen starke Gegensätze, zeigt die ganze Wucht, aber auch Zartheit des Instrumentes. Vor allem in den leisen Stellen schiebt er die verschiedenen Farben wie bunte ­Folien ineinander.

Erstaunlich ist, wie differenziert und wahrnehmbar die Orgel – Beweis ihrer exzellenten Kon­struktion – auch im Fortissimo bleibt. Der Solist kann so auch das Tosen technisch sichtig gestalten. «Dies hat natürlich stark mit ihrer Konstruktion zu tun», erklärt Simon Hebeisen. «Von der Konzeption her steht sie in der Tradition der französischen Bauweise. Im Gegensatz zu einer Kirchenorgel braucht es im Konzertsaal natürlich mehr Schattierungen und Feinheiten.»

Wenn die Orgel tief atmet

Der klare Höhepunkt des Abends ist die Symphonie Concertante für Orgel und Orchester von ­Joseph Jongen. Das Stück des ­Belgiers ist eine attraktive Komposition. Mit seinen impressionistischen Malereien und den verwendeten, teils jazzigen Rhythmen klingt Jongen fast amerikanisch, nimmt die Musik eines Aaron ­Copland vorweg.

Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz begleitet ruhig und ausgewogen, trägt dem runden Klang der Orgel Rechnung. Dies ermöglicht es Christian Schmitt, emotional aus dem Vollen zu schöpfen und die raffinierten Wechselspiele in ein sichtiges Licht zu rücken. Herrlich ist es, wenn die Orgel tief unten atmet und sich die Klänge von Flöten und Trompeten sanft dazwischen mischen. Die lange Steigerung im dritten Satz zeichnen die Musiker plastisch und emotionell. Im ­vierten gerät der Konzertsaal an seine akustischen Grenzen, verschwimmt aber auch die vorher gute Mischung zwischen Solist und Orchester immer mehr, bis das Stück doch noch zum triumphierenden Finale findet.

Eine Sinfonie zum Vergessen

Schon in diesem Schlusssatz, aber vor allem in der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms nach der Pause offenbaren sich bei der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz Mängel. Der Kontrast ist umso eklatanter, als das Luzerner Sinfonieorchester Ende März eine exzellente Version derselben offerierte. Unter der Leitung von Marcus Bosch fügt sich in den vier Sätzen wenig ineinander. Das Zusammenspiel ist unpräzise, die Register greifen nicht ineinander, im zweiten Satz droht der rote ­Faden ganz zu reissen. Die Solisten sind teils überfordert. Der schnell genommene Schlussteil bleibt undefiniert, eine klare Aussage fehlt. Es wäre für den Abend besser gewesen, ihn ganz im Zeichen der Orgel wirken zu lassen.

Nächstes Orgelkonzert im KKL: Michal Markuszewski, Mittwoch, 4. Juli 2018, 19.30 Uhr.

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