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Kraftwerk sind die Pioniere von vorgestern

Die deutsche Band Kraftwerk ist Elektro-Pionierin, Legende und ein Fall fürs Museum. Denn die Band verwandelt sich zunehmend in ein schillerndes Gesamtkunstwerk.
Christoph Wagner
Inzwischen arbeiten Kraftwerk an der Musealisierung ihres Werks. Porträts der Bandmitglieder bearbeitet vom Fotografen Anton Corbijn in einem Hamburger Museum. (Bild: Daniel Reinhardt/DPA)

Inzwischen arbeiten Kraftwerk an der Musealisierung ihres Werks. Porträts der Bandmitglieder bearbeitet vom Fotografen Anton Corbijn in einem Hamburger Museum. (Bild: Daniel Reinhardt/DPA)

Unter der Überschrift «Heute Popkonzert» kündigte im Juni 1970 eine deutsche Lokalzeitung einen Auftritt von Kraftwerk im Nebensaal der Gastwirtschaft an. «Die Gruppe arbeitet nicht nur mit den üblichen Verstärkern», berichtete der Artikel, «sondern auch mit einem Tubon, einer einmanualigen Orgel im Bassregister, die unter anderem das Getöse gewaltiger Explosionen simulieren kann.» Kraftwerk hatte gerade ihre erste Langspielplatte veröffentlicht und machte nun die Ochsentour über die Dörfer, um die Scheibe unter die Leute zu bringen.

Die Band interessiert auch die Forschung

Heute sind Kraftwerk Kult. Sie geben Konzerte in den bedeutendsten Kulturpalästen der Welt, ob im Museum of Modern Art in New York, im Wiener Burgtheater, in der Londoner Tate Modern oder im Opernhaus in Sydney. Kraftwerk ist im Pop-Museum angekommen, verehrt von einer weltweiten Fangemeinde. Das macht die Gruppe für die akademische Forschung interessant. Ein Buch mit dem Titel «Mensch Maschinen Musik» dokumentiert in zwanzig Beiträgen den aktuellen Stand der Forschung, durchsetzt von historischen Interviews und Presseartikeln.

Zwischen den bescheidenen Anfängen und dem heutigen Kultstatus liegt nahezu ein halbes Jahrhundert, in dem Kraftwerk zur weltweit berühmtesten deutschen Popgruppe aufstieg. Bandleader Ralf Hütter und seine Mannen werden als die Väter von Techno und House gefeiert. Dabei dauerte die wirkmächtige Phase der Bandgeschichte gerade einmal sieben Jahre. Von 1974 bis 1981 entwickelten Kraftwerk ihren epochemachenden Elektro-Pop auf einer Handvoll von Alben: «Autobahn» und «Radio-Aktivität» machten den Anfang, «Trans Europa Express» und «Computerwelt» folgten. Mit dem Titel «Das Modell» gelang der Band sogar ein richtiger Charterfolg. Ihrer futuristischen Vision einer reduktionistischen Roboter-Musik folgend, verwandelten sich die Kraftwerk-Musiker mehr und mehr in «Mensch-Maschinen», wie der Titel ihres Albums von 1978 lautete.

Alles begann 1969 in Düsseldorf, als zwei junge Hobbymusiker eine Popgruppe namens Organisation ins Leben riefen. Der Architekturstudent Ralf Hütter spielte Hammondorgel und der Musikstudent Florian Schneider Querflöte, dazu kamen ein Bassgitarrist, ein Schlagzeuger und ein Conga-Trommler. Zusammen machten sie jazzige Rockmusik, in der viel improvisiert wurde. «Tone Float» war der Titel des einzigen Albums der Band.

Kraftwerk, wie sich die Band bald nannte, war Teil der aufkommenden westdeutschen Untergrund-Szene. Doch Hütter und Schneider wollten auf etwas anderes hinaus: Durch den Einsatz neuster Klanggeräte und Instrumenten wie dem Synthesizer entwickelten sie ein Konzept, das auf synthetischen Sounds, Reduktion und Repetition basierte und eine minimalistische Maschinenhaftigkeit anstrebte. Auf dem Album «Autobahn» kommt dieser neuen Sound 1974 erstmals voll zur Geltung, wobei der Synthesizer nun als zentrales Werkzeug der Kraftwerk-Musik fungiert.

Die Innovation ist verpufft, geblieben ist die Kunst

Mit dem Nachfolger «Radio-Aktivität» wurde der Ansatz radikalisiert. Das Album gilt heute als Startpunkt der elektronischen Popmusik und lief dem damaligen Zeitgeist völlig zuwider. Während gesellschaftlich der technische Fortschritt in Frage gestellt wurde («Atomkraft – nein danke!»), wurde er von Kraftwerk verherrlicht. Ihre Utopie zielte auf eine Musik ohne Musiker – von Robotern generiert. Bei Auftritten übernahmen nun computergesteuerte Schaufensterpuppen das Kommando, was das Versprechen des Songs «Wir sind die Roboter» einlöste.

Längst ist der innovative Impuls von damals verpufft. Inzwischen arbeiten Kraftwerk an der Musealisierung ihres Werks, in welchem in den letzten Jahren die visuelle Komponente an Bedeutung gewann. Im Grenzbereich zwischen Musikindustrie und Kunstbetrieb fühlt sich die Gruppe am wohlsten und verwandelt sich zunehmend in ein schillerndes Gesamtkunstwerk.

Uwe Schütte (Herausgeber): Mensch Maschinen Musik. Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk, C.W. Leske Verlag, 366 Seiten, Fr. 30.-

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