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«Die Realität – und Bilder, die wir uns davon machen»

Nachgefragt

Peter Stamm, ist Ihnen nebst dem Spiel mit Möglichkeiten in Ihrem Roman auch eine existenzielle Aussage wichtig?

Da möchte ich den Lesern und Leserinnen alle Freiheiten lassen. Mich hat schon vor allem die Frage interessiert, was wäre, wenn ich mir selbst als jungem Mann begegnen würde. Wie verschieden wäre dieser junge Mann von meinen Erinnerungen. Und da sind wir wieder bei einem Thema, das in fast allen meinen Büchern eine Rolle spielt, nämlich dem Verhältnis von Realität und den Bildern, die wir uns von der Realität machen.

Inwiefern geht es auch um die Frage, wie weit wir mit unseren Entscheidungen überhaupt unser Leben prägen können?

Ja, dieses Thema interessiert mich auch. Oft hat man im Nachhinein das Gefühl, dass alles so kommen musste, wie es gekommen ist. Oder dass wir uns gar nicht anders entscheiden konnten. Oder dass es weniger um Entscheidungen geht als darum, was wir dann daraus machen.

Ein Mensch, der dem jüngeren Ich begegnet: Daraus hat auch Hollywood Stoffe gemacht und sah sich oft mit logischen Paradoxien konfrontiert: Das Zusammenkommen der beiden beeinflusst etwas, was in der Zukunft schon geschehen ist. Haben Sie beim Schreiben darüber nachgedacht?

Die technische Seite hat mich nicht interessiert, obwohl ich solche Zeitreisefilme als Gedankenexperimente spannend finde. Nur gehen sie meist nicht wirklich auf. Ich musste das Problem im Buch ansprechen, aber dann habe ich mir erlaubt, die Widersprüche einfach stehen zu lassen. Am Schluss sind wir ja nicht einmal mehr sicher, ob Protagonist Christoph wirklich Christoph ist.

Handelt Ihr Roman nicht auch klassisch vom älteren Mann, der seine Jugend zurückhaben will? Und dies gelingt halt am einfachsten mit Hilfe einer jungen Frau.

Man kann das Buch natürlich so lesen, aber für mich stand dieser Punkt eher im Hintergrund. Daran gedacht habe ich aber schon auch. Zeitweise kann man ja ­vermuten, dass Christoph seinem jüngeren Doppelgänger die Freundin ausspannen will.

Geht es ebenfalls um das Besitzenwollen eines anderen Menschen? Christoph versucht, sein jüngeres Ich unter Kontrolle zu bringen.

Absolut. Vielleicht haben Sie ja meinen ersten Roman «Agnes» gelesen, auf den im Buch ganz oft angespielt wird. Da geht es genau um das Thema. Zum Beispiel, wenn der Erzähler Agnes in seinem Text über sie vorschreibt, welches Kleid sie tragen soll. Wir können auch annehmen, dass das Buch, das Christoph geschrieben hat, «Agnes» ist.

Doch wenn «Agnes» besagtes Buch wäre, dann würde es ja eine Verbindung geben zwischen Ihnen als realem Autor und Christoph als fiktivem Autor des Buches?

Das ist ein Teil des Spieles. Aber ich bin nicht wie er, obwohl wir im selben Dorf aufgewachsen sind, als Nachtportier gearbeitet und fürs Fernsehen eine Sitcom entwickelt haben. Über mich selber zu schreiben, das hat mich noch nie interessiert.

Interview: Arno Renggli

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