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J.M.W. Turner im Kunstmuseum Luzern: Die Rigi verzauberte Englands Starmaler

William Turners Umgang mit Licht und Farbe ist legendär. Im Kunstmuseum Luzern taucht die Ausstellung «Turner. Das Meer und die Alpen» in die Landschaftsmalerei des britischen Romantikers ein. Für die Kooperation mit der Tate Britain brauchte es viel Geduld und etwas Glück.
Céline Graf
Schwebender Berg: Aquarell von J.M.W. Turner, «The Blue Rigi, Sunrise», 1842. (Bild: © Tate, London, 2019)

Schwebender Berg: Aquarell von J.M.W. Turner, «The Blue Rigi, Sunrise», 1842. (Bild: © Tate, London, 2019)

William Turner ist der wahrscheinlich berühmteste Maler Englands. Berühmt vor allem für sein Talent, Lichtstimmungen und Naturkräfte so einzufangen, dass Meteorologen von seinen Bildern heute noch die verschiedenen Tageszeiten und Wetterlagen ablesen können. Joseph Mallord William Turner (1775–1851) aus London war ein künstlerisches Wunderkind und wurde mit 27 Jahren als jüngstes Mitglied in die Royal Academy aufgenommen. Seine Arbeit prägte massgeblich die Reformation der Landschaftsmalerei und ihre Etablierung als akademisches wie populäres Genre im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Erfreut über schlechtes Wetter

Turner stellte als radikaler Romantiker das Gesehene so dar, wie er es wahrnahm und empfand. Heute gilt er deshalb als wichtiger Vorläufer der Impressionisten. Im Unterschied zu diesen malte er allerdings nicht direkt vor dem Objekt. Skizzen und Erinnerungen dienten ihm im Atelier als Vorlage. Die spannendsten Atmosphären fand er bei schlechtem Wetter vor.

«Gutes Wetter bedeutete für ihn nicht Sonnenschein»,

sagt Fanni Fetzer, Direktorin des Kunstmuseums Luzern.

Dort erzählen in der gross angelegten Einzelausstellung «Turner. Das Meer und die Alpen» von Juli bis Oktober rund 100 Werke in thematischen Räumen von Turner, dessen Kunst und Zeit. Es ist eine Begegnung mit einem eifrigen Reisenden und ehrgeizigen Suchenden, der immer Wasserfarbkasten und ­Skizzenbücher bei sich trug. Natürlich ist auf den Bildern auch sein Markenzeichen, das Meer, zu entdecken. Inklusive Stürmen, Schiffen und Sonnenuntergängen. Oft zog es ihn aber auch in die Alpen auf dem europäischen Kontinent. Dahin reiste er, sobald die geopolitische Lage es erlaubte.

Fünf Besuche in Luzern

Sechsmal besuchte er zwischen 1802 und 1844 die Schweiz, wobei er fünfmal in Luzern und Umgebung Halt machte. Hier malte er zwar auch den Pilatus, doch die Rigi bildete er fast wie ein Besessener über 30 Mal ab. Anders als viele der englischen Gäste war der eigentlich wanderlustige Turner nie auf der Rigi. So sehr erfüllte ihn die Aussicht vom Ufer des Vierwaldstättersees oder vom Schiff aus.

Das über dem Wasser schwebende Massiv versetzte den Maler in «Erregung», wie David Blayney Brown schreibt, Turner-Spezialist des Londoner Tate-Britain-Museums. Auf den älteren Turner dann dürfte die Rigi eher durch eine «überirdische Ruhe» derart gewirkt haben. Brown kuratiert mit Fetzer und Beat Wismer die Luzerner Ausstellung.

Emmenegger «flashte» Tate

Eine glückliche Fügung war es, die vor fünf Jahren die Kooperation zwischen London und Luzern anbahnte. Und ein ziemlicher Coup: «Die Tate hat jede Woche eine Anfrage für eine Turner-Ausstellung», sagt Fetzer. Ohne die Zusage der Tate, die Turners Nachlass verwaltet und erforscht, würden keine anderen Leihgeber mitmachen.

2014 besuchte eine Delegation der Tate für eine Recherche die hiesigen Originalschauplätze von Turners Reisen. Luzern Tourismus fragte Fanni Fetzer für das Abendprogramm an. Am nächsten Tag zeigten die Luzerner den Engländern die damalige Ausstellung von Hans Emmenegger. «Sie waren geflasht von diesem regionalen Künstler von Weltklasseformat und wie wir ihn präsentierten», so die Direktorin. Das unbekannte Museum verstand ja was vom Ausstellungsmachen! Seither blieb der Kontakt bestehen.

Turner-Zahnbürsten

Sympathie und Turners Zentralschweizer Connection genügten aber noch nicht. Entscheidend war der Vorschlag, das 200-Jahr-Jubiläum der Kunstgesellschaft Luzern im Jahr 2019 mit einer Ausstellung zu feiern, welche die Gründerzeit beleuchten sollte. 2016 unterschrieben das Tate und das Kunstmuseum Luzern eine Absichtserklärung.

Die Werke aus Übersee treffen in diesen Tagen per Lastwagen ein. Es sei die «bedeutendste» Ausstellung, die das Luzerner Kunstmuseum je hatte, wie es wissen lässt. Sie kostet fast zwei Millionen Franken. Für eine grosse Ausstellung gibt das Museum sonst maximal 200 000 Franken aus. Die Finanzierung ist zu 95 Prozent gesichert, durch Stiftungsgelder, Gönner, Bildpatenschaften und Sponsoring. Im Museumsshop gibt es nun Turner-Halstücher und Turner-Zahnbürsten zu kaufen.

Zum ersten Mal arbeitet das Museum zudem mit einem Online-Ticketreservations-System. Das soll Warteschlangen vermeiden. Eingerichtet worden ist eine Kapazität für bis zu 60 000 bis 100 000 Besucherinnen und Besucher. «Für uns ist es aufregend», sagt Fanni Fetzer. Und:

«Wir verhalten uns jetzt einmal so, wie wenn wir ein grosses Museum in einer grossen Metropole wären.»

Vernissage «Turner. Das Meer und die Alpen»: Freitag, 5. Juli, 18.30 Uhr
Tickets und (ab Eröffnung) ein «Digitorial» gibt es auf: www.turner2019.ch
Die Ausstellung läuft bis am 13. Oktober 2019.

Events im Kielwasser von Turner

(cg.) Im Kielwasser der Ausstellung läuft im Sommer und Herbst einiges. Zum Gespräch ins Kunstmuseum kommt der Niederländer Cees Nooteboom, der selbst Reiseberichte geschrieben hat.
Von Turners Kunst inspirierte Kompositionen zu hören sind im Rahmen des Lucerne Festivals, des Seetaler Poesiesommers und des Festivals Alpentöne Altdorf.
Turners enorme Bedeutung für die Landschaftsmalerei und die Wahrnehmung von Licht, Farbe und Bewegung hat zudem regionale Galerien auf eigene Ideen gebracht. Eine begehbare Installation («turn into the light») steht im Kunstraum B74 in Luzern. Der Sankturbanhof in Sursee zeigt die Ausstellung «‹I wandered lonely as a cloud …› – Traces of Turner». Bildende Kunst trifft dort auf Texte aus der englischen Romantik. Weitere Ausstellungen gibt es im Kunstraum Hochdorf, im Museum 1 in Adligenswil und im Raum für zeitgenössische Kunst Benzeholz in Meggen.
Spezialführungen bieten das Bourbaki-Panorama und die Sammlung Rosengart an. Die Universität Luzern widmet den «stürmischen Zeiten» um 1800 eine Vorlesungsreihe.
Das Stattkino Luzern zeigt im September und Oktober Mike Leighs biografischen Spielfilm «Mr. Turner» sowie die Literaturverfilmungen «Sense And Sensibility» (Jane Austen) und «Wuthering Heights» (Emily Brontë) von 2011.

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