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Die Ruhe nach der grossen Explosion beim Mahler Chamber Orchestra

Das Mahler Chamber Orchestra krönte sein Jubiläum beim Lucerne Festival mit dem Flötisten Emmanuel Pahud.
Roman Kühne
Emmanuel Pahud (Bild: P. Fischli/LF)

Emmanuel Pahud (Bild: P. Fischli/LF)

20 Jahre sind eine Ewigkeit. 1999 war es, als das Mahler Chamber Orchestra erstmals in Luzern auftrat und eine fast schicksalhafte Zusammenarbeit begann. Das erste Konzert dirigierte übrigens nicht der Mitinitiator Claudio Abbado, sondern Kurt Masur, ein anderer Grosser seiner Zunft. Heute gehört das Mahler Chamber Orchestra praktisch zum Inventar des Lucerne Festivals. Dies ohne jeden abschätzigen Unterton.

Die Musiker bilden quasi den Hauptstamm der ersten zwei Festivalwochen, das vor allem als Dreh- und Angelpunkt des Lucerne Festival Orchestras. Denn Konzertmeister aus europäischen Spitzenensembles, Solisten und Kammermusiker – sie bilden zwar die Spitze dieses handverlesenen Festival-Wunders. Den Grundbau liefern jedoch die Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra. Über 20 sind es, die den Boden formen, auf welchem jene Exzellenz überhaupt gedeihen kann.

Diese Exzellenz zeigt sich auch in den eigenen Konzerten des Mahler Chamber Orchestras. Neben einem Auftritt an den «40min» vom Montag ist es am Dienstag ein Sinfoniekonzert unter Jakub Hrůša. Während das Orchester Jubiläum feiert, ist es für den Shootingstar aus Tschechien der erste Auftritt in Luzern. Der Chefdirigent der Bamberger Symphoniker (seit 2016) startete im letzten Jahr so richtig durch und wurde auch von den Berliner Philharmonikern eingeladen.

Intellektuelle Sinnsuche

Und Hrůša hat uns Spannendes zu erzählen. Er ist einer dieser Dirigenten, die tief in die Partitur eintauchen, sie scharfäugig in kleinste Einheiten zerlegen. Pausen, Lautstärkenbewegungen, Akzente oder die Variation der Tempi erhalten alle ihre genaue Bestimmung und Definition. Das funktioniert hervorragend in Felix Mendelssohns «Die Hebriden». Die kleinräumige Suche des Dirigenten, die vielen Details und Betonungen werden von den Musikern ausgezeichnet in Szene gesetzt. Der Fluss ist weit, die Hinführung zum finalen Höhepunkt stimmig.

Auch Schumanns zweite Sinfonie genügt über weite Strecken hohen Ansprüchen. Der feine Geist der Interpretation, die ständige Bewegung, die kammermusikalische Effizienz und die sorgfältig austarierten Farben in den Instrumenten – der exzellente Holzsatz erhält einen Spezialapplaus – schaffen wunderbare, vielschichtige Momente. Und doch fehlt der Interpretation etwas die Dramatik, ja das Existenzielle. Schumann hat diese Musik in einem schwierigen Lebensabschnitt geschrieben. Im Sommer 1844 brach er zusammen. Halluzinationen und Erschöpfung prägten sein Leben und die ersten Sätze dieser Sinfonie. Jene Verwirrungen, die sich in der Musik der ersten drei Sätze spiegeln, werden zu wenig ausgelotet. Die Interpretation ist ein intellektuelles Feuerwerk, aber Grenzen werden keine angetastet: Das Gegenteil des Ausbruchs, den die Musiker am Samstag mit dem Lucerne Festival Orchestra wagten (Mahler, 6. Sinfonie).

Es ist, als ob die Musiker wieder etwas mehr «Leichtigkeit» bräuchten. Ganz in diesen geistigen Glanz fügt sich Mozarts erstes Flötenkonzert. Der exzellente Schweizer Starflötist Emmanuel Pahud bläst sein Instrument mit grosser klanglicher Tiefe und Agilität. Vor allem der zweite Satz wird in seiner Einfachheit zum berückenden Erlebnis und die beiden Ecksätze bieten vorzügliche Salonmusik.

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