Die Sängerin Muriel Zemp multipliziert sich zum Ganzen

Schweizer Volkslieder, überraschend arrangiert: Das neue Programm von Muriel Zemp ist auch eine Auseinandersetzung mit ihrer Biografie.

Pirmin Bossart
Drucken
Teilen
Muriel Zemp. Bild: PD

Muriel Zemp. Bild: PD

13 Volkslieder aus dem deutschschweizerischen und welschen Sprachraum hat Muriel Zemp für ihr neues Programm «Kauderwelsch» bearbeitet. Es sind Lieder, wie sie sich bei den meisten von uns seit Kindheit eingeprägt haben: «Det äne am Bärgli», «Chumm mir wei ga Chrieseli gwünne» oder das wunderbare Liebeslied «Schönster Abestärn». Kaum bekannt bei uns sind die Chansons populaires aus der Romandie, die Muriel Zemp elegant in ihr Programm flicht.

Schon auf ihrem ersten Solo-­Album «Toi» interpretierte die in Luzern lebende Sängerin und Multiinstrumentalistin ein paar Volkslieder sowie eigene Lieder mit französischen Texten. «Damals bekam ich Lust, mich noch stärker mit Volksliedern zu befassen», sagt Muriel Zemp. Auch wollte sie dem Schweizerdeutschen und dem Französischen weiter auf den Grund gehen, da diese beide Sprachen ihre Biografie mitgeprägt haben.

Muriel Zemp ist in Basel aufgewachsen, mit einer Mutter aus dem Wallis und einem Vater aus dem Entlebuch. Zwei urchige Welten, die dennoch sprachlich und kulturell sehr verschieden sind, und sich in einem urbanen Umfeld manifestierten. In diesem inspirierenden, manchmal auch etwas heimatlosen Mix ist Zemp aufgewachsen. Somit ist ihr zweites Solo-Programm «Kauderwelsch» zu einer Art Spurensuche nach ihren zentralschweizerischen und welschen Wurzeln geworden. Es ist eine Spurensuche, die mit den Arrangements und der stilistischen Offenheit der Protagonistin sehr verspielt und vielseitig klingt. Da ist eine ausgezeichnete Sängerin, die auch Klavier und Akkordeon spielt. Doch zentral ist ihre Stimme, die sie dank der Loop-Technik in mannigfacher Weise verändern und auf verschiedenen Klang-Ebenen mitlaufen lassen kann. Zemp hat sich diese Technik in langen Jahren angeeignet und kann sie nun jenseits von Effekt und Gebastel souverän einsetzen.

Stimmiges Bühnenprogramm

Muriel Zemp hat mit der Auswahl ihrer Lieder und ihrer kulturell bunten Verankerung nicht nur eine CD gemacht, sondern das Musikalische und Biografische zu einem stimmigen Bühnenprogramm erweitert. «Ich wollte auf der Bühne die thematisch-inhaltliche Auseinandersetzung weitertreiben und vertiefen, und so ein richtig rundes Programm machen. Es machte mir Spass, mit diesen dramaturgischen Möglichkeiten zu spielen.» Unterstützt wurde sie dabei von Fritz Bisenz (Regie). Profitieren können hat Muriel Zemp in den letzten zwei Jahren, da sie die Ex-Acapickel-­Frau Barbara Hutzenlaub als Coco Chantal begleitet hat. «Dort habe ich ein Gefühl für das Dramaturgische bekommen, statt einfach Sängerin oder Musikerin zu sein.» Nächstes Jahr gehen die beiden erneut auf Tournee.

Zemp studierte in Luzern Klavier und Chorleitung und hat sich als Stimmtrainerin, im Jazz- und Popgesang und in der freien Improvisation weitergebildet. 2011 veröffentlichte sie als Colette & Rose eine CD mit französischem Chanson-Pop. Mehrere Jahre trat sie mit lauter luisen auf, bevor sie 2017 ihr erstes Solo-­Programm ausheckte. Daneben unterrichtet sie an der Pädagogischen Hochschule Luzern und gibt Kurse im Bereich Stimme und Gesang. Die langen Jahre des Suchens und Ausprobierens, des Dranbleibens und Sich-Weiterentwickelns haben für Muriel Zemp Früchte getragen. Mit «Kauderwelsch» setzt die talentierte Musikerin ihrer Kleinkunst-Karriere ein erstes feines Krönchen auf.

Muriel Zemp: Kauderwelsch, CD, 2020, Samstag, 5. September, Zwischenbühne Horw: CD Taufe/Premiere Bühnenprogramm.