Ausstellung in Luzern: «Inspiration `69». Die Schönen der Sixties.

Die Künstlerin Eve Lene widmet sich in der Galerie Vitrine der Zeit vor 50 Jahren. Das ist farbenfroh und federleicht.

Susanne Holz
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Künstlerin und Galeristin Evelyne Walker hat sich auf inszenierte Porträts spezialisiert.

Künstlerin und Galeristin Evelyne Walker hat sich auf inszenierte Porträts spezialisiert.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Dezember 2019)

Frauenporträts in Öl auf Leinwand, die Gesichter sind weich und schön, die Farben der ­einzelnen Werke leuchten und bestechen in ihrer Ästhetik. Die Harmonie, die den Bildern innewohnt, und die positiven Emotionen, die in den Gesichtern der Porträtierten zu lesen sind, ­lassen das Thema der aktuellen Werkserie von Galeristin Evelyne Walker und Künstlerin Eve Lene – in Personalunion – erst einmal vergessen. Zu zeitlos schön wirken diese Frauen.

Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man schon, warum diese Ausstellung mit «Inspiration ’69» betitelt ist: Die Farbe Violett ist verdächtig oft im Mittelpunkt, Pink und Rosa verströmen Fröhlichkeit. Die Damen mit ihren toupierten Haaren, ihren bunten Fingerringen und voluminösen Ohrringen ebenso. Ihre Kleidung bewegt sich ­irgendwo zwischen elegant und sexy – die 60er-Jahre lassen grüssen.

So charmant wie die Figuren eines John Updike

Im Text zur Ausstellung zählt Eve Lene auf, welche Ereignisse das Jahr 1969 prägten. Was passierte vor einem halben Jahrhundert? «Erste Mondlandung und ‹Easy Rider›, Woodstock versinkt im Schlamm, und das letzte Jahr der Swinging Sixties wird zur Chiffre für Aufbegehren und Rebellion.» Und dann die Mode. Die Künstlerin erinnert an die Designer Pierre Cardin, Paco Rabanne und André Courrèges: «Nie gesehene Farben und Formen. Miniröcke, grelles Make-up, Schmuck in Übergrösse und Hochsteckfrisuren werden zum sichtbaren Ausdruck der beginnenden Frauenbewegung.»

Dabei waren die Sechziger auch von Leichtigkeit geprägt. Und so wundert es nicht, dass Eve Lenes Schönheiten den Charme und die Unbekümmertheit der Romanfiguren eines John Updike verströmen. Die 1966 geborene Künstlerin, Galeristin und Kuratorin fängt das Flair ihres Geburtsjahrzehnts zusätzlich noch mit einem Fotoporträt von Jimi Hendrix und dessen Gilet, zusammen an einer Wand zu sehen, ein. Hendrix muss zierlich gewesen sein, denkt man sich beim Blick auf das ornamental gearbeitete Gilet, das somit eine prima Ergänzung zu den Verzierungen auf den Kleidern und Hüten der gemalten Ladies ist.

Gilet und Hendrix-Porträt sind ausgeliehen von der L’Unique Foundation in Basel, die eine der bedeutendsten privaten Sammlungen von Celebrity Art und Rock Memorabilia verwaltet – die Stiftung realisiert und unterhält humanitäre Hilfsprojekte weltweit.

In Brockis zusammengesammelt wurde wiederum der farbenfrohe und voluminöse, typische Schmuck der Sixties, der die Auslage der Vitrine ziert – ein «Hippie-Pop-up-Laden».

«Kitschig darf es nie werden»

Zurück zu den Porträts. Gerade Linien der Körper und weicher Ausdruck in den Gesichtern: «Ich suche immer die abstrakte Form», sagt Eve Lene. «Und ich benutze stets Ölfarbe, sie ist ohne jede Härte.» Zuerst wird mit Bleistift auf Papier skizziert, dann werden auf der Leinwand mit Kohle die Umrisse bestimmt. Dann folgt die Ölfarbe.

Und wie gelingt der Künstlerin die lebendige Mimik? «Ich male so lange, bis ich einen ­Kontakt habe, bis das Gesicht mich anspricht», so Eve Lene. Die Emotion solle sichtbar sein. Zehn bis 20 verschiedene Pinsel braucht es jeweils für ein differenziertes Porträt. «Person und Hintergrund in Harmonie, aber kitschig darf es nie werden.»

«Inspiration ’69» in der Galerie Vitrine, Stiftstrasse 4, Luzern. Bis Samstag, 1. Februar 2020 (Finissage von 14 bis 16 Uhr). Öffnungszeiten: Do und Fr 14 bis 18.30 Uhr; Sa 12 bis 16 Uhr. www.galerie-vitrine.ch