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Interview

Die deutsche Band Revolverheld am Blue Balls: Die Stille im Lärm

Revolverheld treten am diesjährigen Blue Balls auf mit ihrem aktuellen Album «Zimmer mit Blick» im Gepäck. Der Sänger, Johannes Strate, spricht über Erfolg, das Songschreiben und starke Gefühle.
Olaf Neumann
Die vier Hamburger der Band Revolverheld mit Sänger und Frontmann Johannes Strate (Zweiter von links). (Bild: Benedikt Schnermann)

Die vier Hamburger der Band Revolverheld mit Sänger und Frontmann Johannes Strate (Zweiter von links). (Bild: Benedikt Schnermann)

1,5 Millionen verkaufte Tonträger, «Best German Act» bei den MTV Europe Music Awards, Gewinner des Stefan Raabschen Bundesvision Songcontest mit dem legendären Ergebnis von 180 Punkten und ein Echo als «beste Gruppe national Rock/Pop». So lautet die Erfolgsbilanz der Band Revolverheld nach 13 Jahren. Auf ihrem fünften Studioalbum «Zimmer mit Blick» gelingt es der Band, ihrem ohnehin markanten Sound neue Facetten hinzuzufügen. Zudem nimmt Revolverheld-Sänger Johannes Strate (38) an der diesjährigen Staffel von «Sing meinen Song – das Tauschkonzert» teil. Am 27. Juli treten Revolverheld am Blue Balls erstmals in Luzern auf.

Johannes Strate, wie findet man die «Stille im Lärm»?

Indem ich immer wieder auch Sachen nur für mich mache. Ich verreise mal für ein Wochenende alleine oder gehe auf Tour alleine spazieren. Früher konnte ich das nicht so gut, aber in den letzten Jahren habe ich gelernt, alleine zu sein. Das macht vielleicht auch das Alter.

Ein Lied auf Ihrem Album heisst «Liebe auf Distanz». Wie autobiografisch ist dieser Song?

Sehr. Ich hatte mit meiner Freundin vier Jahre eine Fernbeziehung zwischen Hamburg und Köln. Es war das klassische Love-on-the-Weekend-Ding. Das kann einen ganz schön zermürben und irgendwann fragt man sich, ob das alles Sinn macht. Gott sei Dank haben wir durchgehalten und irgendwann ist sie nach Hamburg gekommen.

Muss man sich Ihr Leben als eine Mischung aus Nähe und Distanz vorstellen?

Ein bisschen schon. Zum Glück bin ich meistens nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. An einem freien Tag fliege ich immer nach Hause oder meine Familie kommt mich irgendwo besuchen.

Müssen Sie bei diesem ständigen Hin und Her vorsichtig sein, dass die Seele noch hinterherkommt?

Es sind manchmal wirklich so viele Eindrücke, dass meine Seele sich eingeengt fühlt. Dann werde ich mürrisch und abweisend. Ich bin heute aber nicht mehr so gestresst und gehetzt wie noch vor zehn Jahren. Es gibt so viele Sachen, die wichtiger sind als der Job. Gerade wenn man ein Kind hat, relativiert sich vieles von dem, was man sonst als dramatisch empfindet.

Was kann für einen Musiker wichtiger sein als Songs zu schreiben und Konzerte zu spielen?

Manchmal ist es einfach wichtiger, mit meinem Jungen schwimmen oder auf den Spielplatz zu gehen. Es ist immer die Frage, in welcher Lebensphase ich gerade bin. Eigentlich halten Job und Privatleben sich bei mir die Waage.

Welches ist das «dickste Haar in der Suppe» Ihres Lebens?

Ich versuche immer mehr, das Leben so zu nehmen wie es ist – mit allen Rückschlägen und schönen Dingen, die passieren. Ich bin sehr demütig, was mein Leben angeht. Mir geht es sehr gut, ich habe eine tolle Familie und eine tolle Band. Deswegen gibt es eigentlich kaum Haare in meiner Suppe. Und wenn, dann schlucke ich sie einfach runter.

Welchen Tribut fordert die Kunst? Ist ein bahnbrechendes Werk ohne Weiteres zu haben?

Nein, das ist in der Tat sehr anstrengend. Da muss man schon gucken, dass man nicht auf der Strecke bleibt. Songschreiben ist ein emotional sehr anstrengender Prozess. Entweder man gibt viel von sich preis oder man schreibt eine Geschichte auf, die einen sehr aufwühlt. Wenn ich einen traurigen Song schreibe, bin ich danach erst einmal selbst tief traurig. Ich bin sehr sensibel und kann mal himmelhoch jauchzend und mal zu Tode betrübt sein.

Können Sie immer noch fühlen, wie Sie das erste Mal bei einem Song geweint haben?

Das Gefühl hatte ich schon öfter. Bestimmte Songs von Sting oder Eddie Vedder berühren mich sehr. Sie waren und sind für mich eine grosse Motivation, selber etwas zu kreieren.

Haben Sie beim Schreiben der aktuellen Platte Dinge über sich herausgefunden, die Ihnen vorher nicht klar waren?

Das Schreiben verändert mich als Mensch. Ich war jetzt überrascht, wie positiv und gut ich mit elektronischer Musik umgehen kann. Unsere Produktion ist total auf links gedreht. Wir haben zuerst die Synthis und Gitarren aufgenommen und erst dann den Bass und den Gesang. Am Ende kamen das Schlagzeug und viel programmiertes Zeug dazu. Da musste ich schon sehr über meinen eigenen Schatten springen.

Das Konzert von Revolverheld findet am Freitag, 27. Juli, im Rahmen des Blue-Balls-Festivals im Luzerner Saal des KKL statt. www.blueballs.ch

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