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«Die Stimme Frankreichs»

Nationalheld «Johnny», wie ihn seine Landsleute nannten, war wie die Baguette oder die Bistros: schlicht nicht wegzudenken aus Frankreich. 1958 war der junge Rocker mit umgehängter Gitarre erstmals auf eine Bühne im verrufenen Pariser Pigalle-Viertel gestiegen – und noch 59 Jahre später, Anfang dieses Jahres, hatte er ausverkaufte Konzerte gegeben. Ganze Familien, vom Enkel bis zu den Grosseltern, pilgerten da hin. Denn bei Johnny war immer etwas los auf der Bühne.

Jean-Philippe Smet, wie er mit bürgerlichem Namen hiess, geboren 1943, brachte den Rock ’n’ Roll nach Frankreich und wurde bald mit Elvis Presley verglichen. Da er auf Französisch sang, blieb sein Erfolg weitgehend auf seinen Sprachraum beschränkt. Dort schlug «Johnny» aber umso mehr ein. Insofern war er ein Phänomen: Anders als Edith Piaf, Georges Brassens oder Charles Aznavour sang und gab sich der Pariser Rocker sehr amerikanisch. Was in Paris nicht immer gut ankommt, bildete die Grundlage von Hallydays Erfolg und grenzenloser Popularität.

In seiner langen Karriere verkaufte Johnny Hallyday 110 Millionen Tonträger und absolvierte 183 Tourneen; daneben betätigte er sich als Kino- und Krimischauspieler. Er drehte neben anderen mit Jean-Luc Godard, Costa-Gavras, Patrice Leconte und Claude Lelouch.

Der Ruf nach einem Staatsbegräbnis

Die Franzosen himmelten Hallyday an, doch er klagte, sie zögen ihn «durch den Dreck»: Ein nicht restlos geklärter Vergewaltigungsvorwurf und vor allem sein Steuerexil in der Schweiz machten Negativschlagzeilen. In den letzten Jahren lebte er in Los Angeles, weit weg von Frankreich.

Im März musste seine Frau Laeticia Meldungen über den Lungenkrebs ihres Mannes bestätigen. In der Nacht auf Mittwoch gab sie bekannt: «Johnny Hallyday ist gegangen. Ich schreibe diese Worte, ohne sie zu glauben.» Eine ganze Nation fühlt ihr nach. Die Pariser Medien berichteten gestern in Endlosschleife über das Unvorstellbare, nämlich ein Leben ohne ihren «Johnny». Künstler und Politiker bis hin zu Präsident Macron übertrumpften sich mit Hommagen an den Verstorbenen, er habe den «Soundtrack der Nation» oder gar «die Stimme Frankreichs» verkörpert. Vielenorts erscholl der Ruf nach einem Staatsbegräbnis.

Stefan Brändle, Paris

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