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Ein Mord an einem Polizisten lässt Kollegen verzweifeln

Ein Polizist wird erschlagen, und seine Kollegen suchen den Täter. Friedrich Anis neues Buch beginnt wie ein klassischer Krimi. Aber erreicht bald weitere Dimensionen.
Axel Knönagel
Friedrich Ani (60) ist seit Jahren eine Instanz für clevere Krimis. Bild: Tibor Bozi

Friedrich Ani (60) ist seit Jahren eine Instanz für clevere Krimis. Bild: Tibor Bozi

Ein unruhiger Tag im Februar bildet den Auftakt. Viel ist los an diesem Tag in München. Vor allem eine Demonstration einer rechtspopulistischen Partei sorgt für Unruhe in der Stadt und ganz besonders bei der Polizei, die die Demonstration absichern soll.

Auch in der Umgebung sind zahlreiche Polizisten im normalen Streifendienst. Genau dadurch werden die Ereignisse in Gang gesetzt. Zwei Polizisten fahren Streife, als plötzlich der eine aus dem Auto springt und die Strasse hinunterläuft. Sein unerfahrener Kollege bleibt beim Streifenwagen, bis er auf einen aufgeregt gestikulierenden Passanten aufmerksam wird.

Alle Ermittler aus früheren Büchern im Einsatz

Sofort ist klar, dass es ein Verbrechen gegeben hat. Der ältere Polizist liegt mit eingeschlagenem Schädel auf dem Boden. Niemand hat die Tat beobachtet oder den Mörder gesehen. Ein Mord an einem Polizisten löst immer umfangreiche Ermittlungen aus. Friedrich Ani setzt hier all jene Fahnder ein, die jeder für sich schon im Mittelpunkt seiner Romanreihen gestanden waren.

Die Leitung hat Polonius Fischer, ein eigenwilliger ehemaliger Mönch, der dank Psychologie ganz besonders gut Verdächtige verhören kann. Auch Jakob Franck, der pensionierte frühere Leiter der Mordkommission, ist involviert. Und sogar Tabor Süden. Der frühere Spezialist für das Finden von Verschwundenen arbeitet jetzt als Privatdetektiv.

Die Polizisten arbeiten unabhängig voneinander und teils auch aneinander vorbei. Dafür begegnen die Ermittler immer mehr elenden Existenzen. Der junge Streifenpolizist kann den Tod seines Partners nicht verwinden und verzweifelt allmählich. Die Kommissare begegnen zwei syrischen Flüchtlingsbrüdern, einem gescheiterten Künstler, der sich in die Ermittlungen einbringen will, und einer Frau, die am Rande der Obdachlosigkeit lebt und vielleicht etwas Entscheidendes gesehen hat.

Fast allen Figuren im Roman des deutschen Autors fehlt ein sicherer Punkt, an dem sie Glück und Stärke gewinnen können. So auch Fariza, der syrisch-stämmigen Kommissarin. Nur oberflächlich scheint sie ihren Platz gefunden zu haben. Dennoch nimmt sie einen immer grösseren Anteil an der Lösung des Falls ein.

Das Leben als Suche nach Bedeutung

Am Ende ist klar, was an jenem fatalen Tag genau geschehen ist und wer den Polizisten erschlagen hat. Ein Grund oder gar ein Sinn ist nicht zu finden. In der Welt, die Friedrich Ani beschreibt, besteht das Leben aus der Suche nach Bedeutung und Gemeinschaft, mit vielen Unwägbarkeiten und Gefahren.

Ani hat diese Welt und ihre Auswirkungen auf die Seelen der Menschen in einem hervorragend komponierten Roman feinfühlig dargestellt. Kein einfaches, aber ein lohnendes Buch.

Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer. Suhrkamp, 494 Seiten, Fr. 35.–.

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