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Theater in der Kirche Bruggen: «Die Turmkugel ist eine Bombe!»

«Schall und Rauch» ist ein turbulentes Stationentheater. Regisseurin Barbara Bucher bringt in und um die St. Galler Kirche Bruggen mit 25 Laiendarstellern Freiheit und Reformation ins Wanken – und den Kirchturm zum Einsturz.
Hansruedi Kugler
Die vier Teufel wollen den Himmel überfallen. (Bild: Urs Bucher)

Die vier Teufel wollen den Himmel überfallen. (Bild: Urs Bucher)

Trompetenfanfare vom Pfarrhausbalkon. Die schusselige Pfarrerin schwärmt: «Ein richtiges Käferfest ist das hier.» 500 Jahre Reformation: «Luther? Ausser Thesen nichts gewesen! Zwingli? Um welche Wurst ging es da schon wieder?» Nein, ein historisierendes Theater muss man in Bruggen nicht befürchten. Ganz in der Gegenwart mit ihren lebensnahen moralischen Dilemmas ist dieser Theaterabend ­angesiedelt – mit viel Witz und musikalischer Ironie, mit Teufeln und einem Attentat auf die Kirche Bruggen. Da berichtet sogar der US-Fake-News-Sender breitbart.com live!

In fünf Gruppen zur moralischen Überforderung

«Die Reformation hat Freiheit vom korrupten und despotischen Papsttum des Spätmittelalters gebracht, aber was machen wir heute mit unserer Freiheit?», fragt die Pfarrerin. Das ist die Grundfrage des Abends und des Textes von Michael Hasenfuss. Freiheit erscheint als Last, mindestens als Problem: «Meinen wir die Freiheit des Yuppies, der seine Boni verprasst, oder die Freiheit, abtreiben zu dürfen, Drogen zu nehmen – und was ist mit dem Terroristen, der sich Freiheits- und Glaubenskämpfer nennt?» Die Provokation sitzt. Sie ist der Auftakt für ein Stationentheater.

In fünf Gruppen aufgeteilt, steigt man auf die Empore, wo fünf Frauen auf Hometrainern schwitzen und über die Überforderungsgesellschaft diskutieren: «Meine Chefin hat für ihr Burn-out 15 Kilo abgenommen!» Dann verheddert sich vor dem Kirchenportal eine Hochzeitsgesellschaft im zynischen Streit über Untreue, Schwangerschaft und Scheidung. Hinter der Kirche wird moralische Konsum-Selbstgerechtigkeit seziert: Zwischen einem Gutmenschen und einer Zynikerin verteidigt der Hauswart tapfer seinen Aldi-Billigeinkauf – der Gutmensch trägt nämlich selbst ein Hemd «made in Bangladesh». Zynischer geht es noch im Life & Death Management zu und her – mit Zwangsoperationen und aktiver Sterbehilfe wegen Liebeskummer. Im Keller schliesslich hausen Teufel, die über 108 Milliarden Seelen wachen und die Hölle auf die Erde verlegen.

Glückskekse als göttlicher Fingerzeig

«Gottverdammi, sofort das Gebäude räumen!», schreit der Polizeikommandant. Nach der Pause sitzt man zusammen in der Kirche, der Kirchturm ist explodiert, aber die Konflikte lösen sich allmählich auf. Die Teufel verlieren und einige Spuren Freiheit werden gelegt. Das hat auch mit Glückskeksen zu tun, die wie ein göttlicher Fingerzeig wirken. Ein turbulenter Theaterspass mit lebensnahen Fragen.

Hinweis

Aufführungen bei jedem Wetter - bis 2.9., Kirche Bruggen, St. Gallen
Tickets:
www.straubenzell.ch/reformationstheater/

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