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Die überrannten «Malediven der Schweiz»

Ein Video preist die Schönheiten des Verzascatals und verbreitet sich viral. Italienische Touristen kommen in Scharen. Das freut nicht alle.
Kari Kälin
Ballermann-Feeling im Verzascatal: Das malerische Tal im Tessin wird zum Touristenmagneten.

Ballermann-Feeling im Verzascatal: Das malerische Tal im Tessin wird zum Touristenmagneten.

Das Wasser ist kristallklar, eine Brücke mit zwei elegant geschwungenen Bögen führt über den Fluss, der sich durch das Verzascatal frisst. Das ist Lavertezzo, ein malerisches Dörfchen mit rund 1300 Einwohnern, eine halbe Autostunde entfernt von Locarno. Einheimische und Deutschschweizer haben diesen spektakulären Flecken im Tessin schon lange als Bade-Geheimtipp entdeckt.

Seit Marco Capedri, ein Videoblogger aus der Gemeinde Cesano Maderno in der Lombardei, vor dreieinhalb Wochen ein gut ein Minuten langes Filmchen mit dem verheissungsvollen Titel «Die Malediven von Mailand» auf Facebook gestellt hat, ist in Lavertezzo der Teufel los. Oder besser gesagt: die Lombarden. Die Gratiswerbung, in der Capedri und seine Freunde die «verrückte» Schönheit von Lavertezzo preisen, wurde bis jetzt fast 3 Millionen Mal angeklickt. Die Konsequenz: An den kommenden Wochenenden strömten Italiener in Scharen ins Verzascatal, Verkehrschaos inklusive.

Die berühmte Brücke von Lavertezzo.

Die berühmte Brücke von Lavertezzo.

Über den Massentourismus mögen die Einheimischen nicht so recht in Jubel ausbrechen. «Mir kommt das vor wie in Rimini», ereifert sich ein Dorfbewohner. Dazu gesellen sich Klagen über die neuartigen Touristen, die ihre Autos kreuz und quer parkieren, in der lokalen Gastronomie angeblich nichts konsumieren, dafür Abfallberge hinterlassen. «Sie haben keinen Respekt vor gar nichts, schlafen im Auto, spazieren halbnackt über die Strassen und verwandeln das Tal in ein WC unter freiem Himmel», ärgert sich ein Einheimischer.

«Solche Sachen helfen uns»

Etwas gelassener reagiert der Bürgermeister von Lavertezzo, Roberto Bacciarini. «Wenn die Touristen in Scharen kommen, gibt es logischerweise viel Abfall. Aber er wurde in den vorgesehenen Behältern entsorgt.» Das Video habe das Dorf zwar in Aufruhr versetzt. «Aber solche Sachen helfen uns», sagte Bacciarini gegenüber dem «Corriere del Ticino». Einen Wunsch an Videoblogger Capedri hätte der Bürgermeister aber: «Beim nächsten Mal sollte er seinen Mitbürgern sagen, dass sie die Autos korrekt parkieren sollen.»

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