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Konzertchor Luzern zeigt die unbekannte Seite von Beethoven

Ein Klaviervirtuose und ein exzellenter Konzertchor Luzern wiesen im KKL bereits auf das grosse Beethoven-Jahr.
Roman Kühne
Der Konzertchor Luzern unter der Leitung des neuen Dirigenten Philipp Klahm im Konzertsaal des KKL. (Bild: Pius Amrein, 13. Oktober 2019)

Der Konzertchor Luzern unter der Leitung des neuen Dirigenten Philipp Klahm im Konzertsaal des KKL. (Bild: Pius Amrein, 13. Oktober 2019)

Das Beethoven-Jahr 2020 und damit der 250. Geburtstag des Musikriesen nähert sich. Dann wird über die gemeinnützige Firma BTHVN2020 ein Reigen von Konzerten vor allem über Deutschland ausgeschüttet werden. Möchte man als Konzertveranstalter vom geplanten Furor nicht plattgewalzt werden, tut man gut daran, diesen Komponisten etwas vorzuziehen.

Das Lucerne Festival stellt die letzte Pianowoche im November ganz unter den Stern des Jahrhundertmusikers. Aber auch die Sängerinnen und Sänger des Konzertchors Luzern hatten den richtigen Riecher, ihr Oktoberkonzert bereits dieses Jahr Beethoven zu widmen.

Die «Best of»-Schiene elegant umgangen

Aber sie zeigen nicht nur terminliches Geschick. Auch die Programmwahl bringt eine spannende Affiche. Denn viele Stücke Beethovens sind so bekannt, dass man sie im Konzert mitpfeifen könnte. Der Konzertchor Luzern umgeht im KKL am Sonntag elegant und mit Niveau diese «Best of»-Schiene. Mit der Messe in C-Dur und vor allem mit der Chorfantasie präsentieren die Sänger ein spannendes, eher selten gespieltes Programm.

Der Amateurchor überzeugt mit einer reifen Leistung. Die «Messe in C» gilt als ein sehr persönliches Glaubensbekenntnis Beethovens. Die Aufführung schafft es, diese Intimität und Innerlichkeit ins KKL zu bringen. Vor allem in den weiten, feierlichen Tutti-Stellen wie dem grossartigen «Gloria» singt der Chor kompakt und voll. Stimmig wird der Bogen über die Musik gelegt. Die Gestaltung und Flexibilität im Kleinen stiften Sinn und Geschichte. Vor allem das Piano – oft ein Schwachpunkt bei grossen Laienchören – klingt elegant und leicht. Das federnde «Miserere» oder die Intimität des «Benedictus» geben dem Stück starke Empfindsamkeit. Einzig die Frauenstimmen sind teils dominant, klingen in den Randbereichen ihrer Stimmen zuweilen scharf. Und gegen Ende des anspruchsvollen Werkes verliert die Aufführung etwas von der Anfangsspannung. Dennoch ist die Leistung grossartig.

Im zweiten Jahr seines Wirkens ist jetzt eine überzeugende Handschrift des deutschen Dirigenten Philipp Klahm zu spüren. Der junge Leiter versteht es, die Stärken des grossen Chors zu nützen. Gleichzeitig gibt er ihm eine persönliche, teils fast kammermusikalische Linie. Dazu gehört der exzellente Klangausgleich zwischen dem Orchester, der Camerata Musica Luzern und den vier Gesangssolisten. Die je zwei Frauen und Männer treten nämlich nicht solistisch und mit Rezitativen oder Arien aus dem Ensemble hervor, sondern bleiben in dieses eingebunden. Mit der Kraft und der Weite ihrer Stimmen tragen sie zur stimmigen Aufführung bei.

Schon die Eröffnung des Konzertmorgens dirigierte Philipp Klahm mit einem ganz persönlichen Stempel. In der «Coriolan-Ouvertüre» gestaltet er plastisch den inneren Kampf dieses Feldherrn, unschlüssig darüber, ob er Rom vernichten soll oder nicht. Schwer und trocken, aber auch treibend und klopfend ist des Kämpfers Unruhe. Leicht und besänftigend klingen die Einwände der Mutter. Herrlich, wie die Camerata Musica Luzern mit dem Piano-Schluss den Frieden findet.

Es scheint, als wollte sich Beethoven richtig austoben

Ein ganz anderes Werk ist die explosive «Chorfantasie op. 80». Oder besser gesagt, Fantasie für ein Solopiano mit Begleitstimmen. Fast scheint es, als wollte sich Beethoven hier so richtig austoben. Den Klavierpart spielt der junge und überraschende Pianist Denis Zhdanov. Er absolviert derzeit an der Hochschule Luzern den Master of Solo Performance, hat schon diverse Preise gewonnen und trat etwa mit dem Sinfonieorchester Madrid oder mit dem Finnischen Radio Sinfonieorchester auf.

Entsprechendes Selbstvertrauen bringt er in die Fantasie ein. Der Ukrainer spielt einen modernen Beethoven, macht aus dem virtuosen Feuerwerk fast ein Filmmusikstück. Dramatisch im Ausdruck, teils etwas hart, aber klar und bestimmt in der Gestaltung gibt er der Komposition einen eigenen, faszinierenden Charakter. Das Orchester bleibt hier eher auf der «traditionellen» Seite. Am Schluss würdigt das Publikum die grosse Leistung von Chor und Solisten mit lang anhaltendem Applaus.

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