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Die «Washington Post» verdankt ihren Ruf einer Frau

Filmbesprechung «Nie mehr wird ein Journalist der ‹Washington Post› einen Fuss ins Weisse Haus setzen.» Dies die Reaktion des amtierenden US-Präsidenten Richard Nixon auf den ersten Leak der Pressegeschichte.

1971 wurden der «New York Times» hochklassifizierte Dokumente der Regierung über die Rolle der USA in Vietnam zugespielt. Eine von Verteidigungsminister Robert McNamara (1961 bis 1968) in Auftrag gegebene Studie, später «Pentagon Papers» genannt, belegte, dass der Krieg in Vietnam nicht zu gewinnen war. Trotzdem wurden Jahr für Jahr mehr US-Soldaten nach Südostasien geschickt. In den grandiosen Vertuschungsskandal waren vier US-Präsidenten involviert.

Glanzzeiten des ­investigativen Journalismus

Die Verfilmung von Regisseur Steven Spielberg über den Kampf für die Pressefreiheit bekommt in unserer Zeit der «Fake News» und mit einem Mann im höchsten US-Amt, der die Leitmedien fast täglich attackiert, ein unrühmliches Mass an Aktualität. Doch «The Post» ist, ganz Spielberg, eine unterhaltsam aufbereitete Geschichtslektion mit hervorragenden Darstellern und einer guten Portion Humor, Pathos – und Nostalgie.

Weitere Aktualität erhält der Film dadurch, dass er sich vornehmlich auf die Rolle einer Frau – die der Verlegerin der «Washington Post», Katharine «Kay» Graham (Meryl Streep) – in einem männerdominierten Business konzentriert. «Ihr» Chefredaktor Ben Bradlee (Tom Hanks) drängt auf eine weitere Veröffentlichung der «Pentagon Papers», als der «New York Times» per Gerichtsentscheid die Hände gebunden sind. Doch steht für Graham wesentlich mehr auf dem Spiel, nämlich das gesamte Familienunternehmen, das kurz vor dem Börsengang steht und erst vom Vater ganz selbstverständlich an den Schwiegersohn überging.

Auch wirft der Journalistenfilm ein Schlaglicht auf die Verbandelung von Politik und Medien – McNamara (Bruce Greenwood) geht bei Graham ein und aus, das Ehepaar Bradlee war mit den Kennedys eng befreundet – und die Unabdingbarkeit der Pressefreiheit, um die Aufgabe als vierte Gewalt im Staat wahrnehmen zu können.

Die Zeitungsmache der alten Art inszeniert Spielberg mit romantisierendem Blick auf den Redaktionsalltag im verrauchten Grossraumbüro, wo die Redaktoren in die Schreibmaschinentasten hauen, bevor die Schriftsetzer übernehmen und die frisch gepresste Zeitung frühmorgens auf die Lastwagen verteilt wird – alles an einem Ort! Eine schnell geschnittene Sequenz verdeutlicht den Druck und die Hektik, und ja, schliesslich auch die Magie, die Bradlee und Graham so für ihre Sache einnimmt.

Spielbergs Film endet als Teaser zu «All the President’s Men» von Alan J. Pakula mit Dustin Hoffman und Robert Redford über die Watergate-Affäre, die 1974 zum Rücktritt Nixons führte. Der vierfache Oscar-Gewinner ist einer der besten Journalistenfilme aller Zeiten. Auch «The Post» und Meryl Streep sind für einen Academy Award nominiert. Die Chancen sind aber in beiden Fällen sehr klein.

Regina Grüter

«The Post» läuft ab morgen in diversen Kinos (siehe Seite 15).

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