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Die Weihnachtskerze in der Badewanne

Licht Da stand sie also, die Kerze. Kaum ins Quartier gezogen, klingelte es schon an der Tür. Ein Mädchen hat uns die Kerze gebracht. Es war Weihnachtszeit. «Licht in die Nachbarschaft» soll sie bringen, stand auf dem Beizettel, dazu die Aufforderung, die Kerze eine Nacht ins Fenster zu stellen und sie danach einem anderen Nachbarn weiterzureichen – auch sollte man sich auf einer Liste eintragen (um zu verhindern, dass die Kerze zweimal an den gleichen Ort gebracht wird). Nach fünf Tagen stand sie bei uns immer noch auf dem Küchentisch. Statt Licht in die Nachbarschaft brachte sie Streit in die Partnerschaft. «Bring du sie!» –«Nein, du!» Im Quartier wanderten andere Kerzen von Fenster zu Fenster, nur unsere blieb, wo sie ist, und brannte nicht mal. Am Ende der Adventszeit kündigte ein Zettel an: Bald soll es eine Zusammenführung aller Kerzen geben. Also liessen wir die Kerze ganztägig brennen (in der Badewanne), damit sie gebraucht aussah, und fälschten auf der Liste allerlei Namen (mit unterschiedlichen Farben und Schriftstilen) und stellten am Abend des Treffens alles in einem Sack an den Ort der Zusammenkunft. In den nächsten Wochen, ja Jahren habe ich mich auch deswegen bemüht, zu allen Nachbarn möglichst freundlich zu sein. Schliesslich wollte ich sicher sein, dass man die nächste Kerze abgeben könnte (es klingelte aber nie mehr). So hat die Kerze vielleicht kein Licht, aber zumindest ein bisschen Freundlichkeit in die Nachbarschaft gebracht.

Michael Graber

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