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Die Welt ist eine Baustelle

Peter Aerschmann zeigt im Kunstmuseum Appenzell 40 Videoarbeiten. Der Freiburger spinnt darin das Alltägliche ins Surreale weiter. Und zeigt, dass New Yorker Polizisten durchaus Gemeinsamkeiten mit vollverschleierten Ägypterinnen haben.
Christina Genova
Arbeiter aus aller Welt bauen Hochhäuser: Filmstill aus Peter Aerschmanns «Babel» (2012). (Bild: PD)

Arbeiter aus aller Welt bauen Hochhäuser: Filmstill aus Peter Aerschmanns «Babel» (2012). (Bild: PD)

Das Ende der Welt entstand an Peter Aerschmanns Küchentisch. Die Überbleibsel seines Zmorge schweben nun in der Schwerelosigkeit: eine Handvoll Sultaninen und ein Stück Brot mit einem (schwarzen) Loch. «Es ist eine Variante vom Ende», sagt der 49-Jährige. «End of the World» heisst die Videoarbeit von 2014. Sie ist zusammen mit weiteren 39 Werken im Kunstmuseum Appenzell zu sehen – in der ersten musealen Retrospektive des Freiburger Künstlers.

«Souvenirs» heisst die Ausstellung, denn Aerschmanns Videoloops basieren auf Dingen und Personen, die er selbst gesehen hat. Für seine Kunst schöpft er aus dem Alltäglichen. Das kann ein Quadratmeter Wiese vor seinem Atelier sein: Löwenzahn, Steine, Moos, zerknülltes Zeitungspapier, ein einzelner Schuh. Auch diese Dinge schweben, Aerschmann hat sie einzeln gefilmt und zu einem bewegten Stillleben zusammengesetzt, der «Simulation einer Wiese». Erst etwa seit dem Jahr 2011 erscheint die Natur bei ihm als eigenes Motiv, zuvor fand der Künstler seine Bilder ausschliesslich im städtische Kontext.

Digitale Collagen aus Fotos und Filmen

Der Künstler schaut genau hin, er lenkt den Blick auf die kleinen, unscheinbaren Dinge. Wir folgen ihm gerne und sind fasziniert. Wo immer Aerschmann, der mittlerweile auf der ganzen Welt ausstellt, sich gerade befindet, nimmt er sich Zeit für Beobachtungen: «Ich bin einer, der gerne zuschaut.» Was ihn interessiert, das filmt oder fotografiert er und füttert damit seine Datenbank. Im Atelier wird das Material digital ausgeschnitten und vor neutralem Hintergrund wie eine Collage neu zusammengesetzt. Auf Ton verzichtet er, der Übergang von der Fotografie zum Film ist fliessend. Peter Aerschmann macht uns nichts vor: Die Konstruiertheit seiner Bilderwelten ist jederzeit ersichtlich.

In Beijing fielen dem Künstler die vielen mit Lastenbündeln beladenen Wanderarbeiter auf: «Sie sind überall, aber total unsichtbar.» Im Videoloop «From A To B» bewegen sie sich digital multipliziert wie Ameisen über die Leinwand. Und anders als der Titel der Arbeit vermuten lässt, scheinen sie ihr Ziel niemals zu erreichen – Sisyphos lässt grüssen.

Eindeutige Botschaften hat Aerschmann nicht

Peter Aerschmann ist ein Fabulierer, der das Alltägliche ins Surreale weiterspinnt. In «Metronom 2» gibt eine Strassenlampe den Takt vor in einer aus städtischen Versatzstücken konstruierten Welt, die sich als zweidimensionales Mobile präsentiert. Eine Arbeit, die sich durchaus als Zivilisationskritik lesen lässt. Ebenso «Babel», wo Bauarbeiter aus aller Welt vor einer Kulisse aus Computerfestplatten und Hochhäusern und Kränen emsig beschäftigt sind. Mit seinen Arbeiten zwingt der Künstler jedoch den Betrachtern keine bestimmte Leseart auf: «Ich will die Leute inspirieren. Ich habe keine Botschaften, die in eine klare Richtung gehen.» Aber er erzählt uns, dass alles auch ganz anders sein könnte, als es auf den ersten Blick scheint, und zeigt uns überraschende Analogien auf: Wie etwa in «Eyes», wo er New Yorker Polizisten, die wegen der Kälte bis auf einen Augenschlitz vermummt sind, auf den Nikab tragende Ägypterinnen treffen lässt – seltsame Verwandtschaften in einer globalisierten Welt.

Hinweis

Bis 25.11. Das Buch zur Schau erscheint am 21.9. Nachts sind sechs Videoarbeiten am Fenster des Kunstmuseums zu sehen.

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