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Die Welt ist schön, lasst uns spielen

Die Sängerin und Slam-Poetin Lisa Brunner eröffnet «Lozärn lacht» im Kleintheater mit einem Programm, das glücklich macht. Ohne banal zu werden zeigt sie dem Publikum, weshalb unsere Welt eigentlich grossartig ist.
Jana Avanzini
Überraschend vielseitige Performerin: Lisa Brunner an der Klarinette. (Bild: Heinz Schluep)

Überraschend vielseitige Performerin: Lisa Brunner an der Klarinette. (Bild: Heinz Schluep)

«Sie ist so süss wie ein Willisauer-Ringli und so fresh wie Brunnenkresse», das sagt Bühnenpoetin Patti Basler über die Kabarettistin Lisa Brunner. Und damit trifft sie den Nagel wie so oft auf den Kopf. An der Premiere ihres ersten abendfüllenden Programms, mit welchem Brunner am Montagabend «Lozärn lacht» eröffnet, will schon der Begrüssungs-Applaus kein Ende nehmen. Es wird offensichtlich ein Heimspiel für Lisa Brunner, die zwar in Zürich lebt, aber noch immer in Luzern zu Hause ist. Im fast ausverkauften Kleintheater scheint sie an diesem Abend einen Haufen Gesichter wiederzuerkennen.

Eine freche, flotte, intelligente Frau dürfe man erwarten, führt Dany Gundelfinger die Slam-Poetin ein. Dass sie 2016 den Publikumspreis am Swiss Comedy Award gewann, passt perfekt zu dieser Beschreibung. Lisa Brunner ist eine Exotin in der Slam-Szene. Nicht nur als klassisch ausgebildete Sängerin, Komponistin und Chorleiterin, sondern vor allem, weil sie keinem Klischee einer Slam-Poetin entspricht. Brunner ist weder politisch noch burschikos, weder dümmlich noch anti. Süss und irre freudig, recht übermotiviert steht sie auf der Bühne. Und doch bringt sie melancholische Momente, ganz trockene und überraschende – mit komödiantischem Talent.

Das Publikum hat das Sagen

Ihr erstes Programm nennt sich «Stadt, Land, Kabarett! Lieder, Geschichten und das Geografiespiel live on stage» und Brunner spielt gegen das Publikum. Ohne Stift und Papier, dafür mit nur einer Spalte: Schweizer Lieder. Dabei hat das Publikum das Sagen. Das Alphabet, «Stopp» und Schweizer Liedgut klingt aus dem Zuschauerraum und Brunner singt. «Grüeziwohl Frau Stirnimaa» von den Minstrels, «Giggerig» von Polo Hofer und «Freedom» von DJ Bobo, «Chumm mir wei ga Chrieseli gwünne» – Brunner zeigt dabei ihre Vielseitigkeit und ihr Können als Sängerin, Stepptänzerin, Musikerin am Piano und an der Klarinette.

Sie schafft es, mit ihrer leichten Art, und mit ihrem pädagogischen Handwerkszeug, diesen Haufen Schweizer im Zuschauerraum zu Diskussionen, Gesang und Rap anzutreiben. Vierstimmig klingt das Kleintheater nach wenigen Minuten, mit Brunner im Jodel-Solo. Doch bevor das Spiel droht, langweilig zu werden, unterbricht Brunner das singfreudige Publikum im Spiel und bringt Kinderlogik-Highlights aus ihrem Leben als Chorleiterin.

Immer wieder unterbricht sie sich selbst, springt zurück in der Geschichte, wechselt den Dialekt, beendet ein Lied, welches fast schon vergessen ging. Doch es folgt sich einfach. Die Kunst, alles leicht wirken zu lassen, selbst unsere Welt, beherrscht Brunner perfekt, ohne dabei banal zu werden. Sie singt und slamt von alltäglichen kleinen Glücksmomenten: vom Flusensieb des Tumblers, vom Duft der eigenen Haut mit Sonnencrème, von ganz harten «Nasenböögen» und dem Abkratzen der Schokolade von der Prinzenrolle. Ihre Begeisterung für die alltäglichen, schönen Kleinigkeiten ist ansteckend und ihr Blick für die seltsamen Ticks und Arten der Menschen beeindruckend. Ihre Beobachtungen sind ehrlich und überraschend, immer wieder erkennt sich das Publikum offensichtlich selbst und bricht in Gelächter aus.

Auch wenn Brunner zwischendurch mit dem Tempo fast unheimlich anzieht und sich ihre Zunge trotzdem nicht verheddert, gibt sie dem Publikum die Zeit, weiterzudenken. Sie lässt den Zuschauer auf sich selbst zurückfallen, öffnet Bilder und Assoziationen. Man reist mit ihr in die Berge zu einer Auswahl an bünzligen Klischee-Schweizern über dem Nebel, in die Chorprobe und an den Frühstückstisch mit ihrem ersten Freund.

Spontanität und Schlagfertigkeit

Lisa Brunner freut sich, amüsiert sich und erzählt von Glück und von Liebe, von den kleinen, amüsanten Ärgernissen, die dem süssen Abend die Würze verleihen. Mit Spontanität und viel wortwitziger Schlagfertigkeit macht Brunner selbst Versprecher zum Programmpunkt und eine Wortmeldung ihres tatsächlichen, ehemaligen Mathelehrers im Publikum zum Running Gag.

Vor dem letzten überschwänglichen Applaus bedankt sie sich rührend bei Freunden und Familie, bei ihrer Regisseurin Nina Halpern und ihrem Coach Jonny Fischer. Kitschig soll es nicht werden, bricht Lisa Brunner ihre Dankesrede ab, doch erstaunlicherweise ist Kitsch nichts, worüber sie sich Sorgen machen müsste.

Sogar mit dem Merchandise-Stand im Foyer des Kleintheaters zeigt sie nochmals, wie ihre Humor funktioniert: mit einem guten Schuss Selbstironie. Es ist ein Tisch voller seltsamer Dinge wie Mausmatten, Kissen und Handyhüllen mit ihrem Konterfei, die man nur mit «scheusslich gut» beschreiben kann.

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