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Lucerne Festival: Die Wiener zeigen, wer das Mass aller Orchesterdinge ist

«Spieglein, wer ist das Beste im ganzen Land» – ist im Luzerner Orchesterreigen die immer wieder gestellte Frage. Zumindest an einem der Abende sind die Wiener Philharmoniker nahe an der definitiven Antwort.
Roman Kühne
Die Wiener Philharmoniker mit Dirigent Franz Welser-Möst im KKL. (Bilder: Manuela Jans-Koch / LF, 8. September 2018)

Die Wiener Philharmoniker mit Dirigent Franz Welser-Möst im KKL. (Bilder: Manuela Jans-Koch / LF, 8. September 2018)

Man kennt es aus der Schule: Folgt im mündlichen Examen ein guter auf einen schlechten Schüler, wird der gute Student besser bewertet, als es seiner Leistung entspricht – und umgekehrt. Nach dem eher mässigen Auftritt des Royal Concertgebouw Orchestra mit der 3. Sinfonie von Bruckner (Ausgabe vom Samstag) hatten die Musiker der Wiener Philharmoniker quasi einen Startvorteil. Oder vielleicht auch einfach den besseren Riecher. Lehnte doch das demokratische Orchesterkollektiv schon 1862 die Uraufführung genau dieser Sinfonie ab.

Die Interpretation von Anton Bruckners 5. Sinfonie hingegen ist am Freitagabend unter dem Dirigat von Franz Welser-Möst ausgezeichnet, ja tief bewegend. Alle Facetten, die man gemeinhin mit diesem grossen Orchester verbindet, werden auf das Schönste ausgelebt. Wie natürlich fügen sich die klaffenden Blöcke aus Forte und Piano zu einem harmonischen Ganzen. Selbst die kräftigsten Tutti klingen warm.

Nobel gar, ruhig und genau in der Ausführung. Lange, bis zum Ende des vierten Satzes hin, verzichtet Welser-Möst darauf, die ganze Gewalt der Partitur auszuspielen. Sorgsam baut er das Stück von innen heraus auf, setzt den Schwerpunkt nicht in den tosenden Stürmen, sondern schält die feinen, poetischen Momente aus ihrem Kern.

Ein Aufstieg bis zur grossen Explosion

Es ist eine vielschichtige Interpretation über eine Fülle von Lautstärkenniveaus. Ein Aufstieg, der 70 Minuten dauert, hin zur grossen Explosion. Ein finaler Ausbruch, der alles in sein schlüssiges Ende führt. Glaubwürdig und stark. Dazwischen wird die ganze Story erzählt. Besonnen entfaltete Akkorde öffnen das Stück. Die ausgezeichneten Bläsersolisten, die deutliche Erdung durch die unteren Register, das sensible Miteinander entfächert die Musik in ihren vielen Farben.

Es ist eine kleinräumige, beseelte Gestaltung, wundersam zu einem Ganzen führend. Mit den gleichen Qualitäten wird am Samstagabend Johannes Brahms’ Sinfonie Nr. 2 angeleuchtet. Nichts ist linear und langweilig, alles elegant und sichtig. Schade gerät der letzte Satz gar etwas schnell und teils verhaspelt.

Vielseitige Sol Gabetta

Wie geschmeidig dieses Orchester ist, zeigen auch die beiden Cellokonzerten. In Joseph Haydns Solokomposition in C-Dur spielt Franz Welser-Möst seine ganze Opern-Erfahrung aus, entwickelt eine quasi sprechende Begleitung. Das schlank und gezielt eingesetzte Vibrato gibt der Solistin alle Entfaltungsmöglichkeiten. Sol Gabetta zeigt nach dem üppigen Martinů-Konzert von letzter Woche auch in der Wiener Klassik ihre Vielseitigkeit. Mit den Philharmonikern kreiert sie das perfekte kleine Kammerspiel. Mit klarer und sauberer Artikulation, kernig im Ton gibt die «Artiste étoile» eine weitere Visitenkarte ihres Schaffens. Den zweiten Satz gestaltet sie sinnlich und verborgen, mit einem grossen Verständnis für Melodie und Tempo. Brillant und mit viel Leben vibriert sie durch das Finale.

Expressiv im Klang und Körpersprache: Der österreichische Cellist Kian Soltani.

Expressiv im Klang und Körpersprache: Der österreichische Cellist Kian Soltani.

Am Samstag ist die Reihe an Kian Soltani. Der Gewinner des «Credit Suisse Young Artist Award» darf den Hauptpreis, ein Konzert mit den Wienern Philharmonikern an diesem Abend selber ausführen. Im Gegensatz zu Sol Gabetta spielt der 26-jährige Österreicher das Cellokonzert von Antonín Dvořák mit dunklerem, fast samtenem Klang, ist nie hart oder angriffig. Seine Interpretation ist üppig, expressiv und schwelgerisch. Obgleich aus einem Guss, wirkt dies auf die Dauer etwas plakativ. Als Zugabe spielt er ein eigenes Arrangement des Liedes «Lasst mich allein in meine Träume gehen» von Dvořák, herrlich begleitet vom Celloregister der Wiener, die hier eine weitere Möglichkeit nutzen, ihre Qualität zu zeigen.

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