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Diebstahl in der Waschküche

Unterwäsche Vielleicht sollte man nicht in einen Ort ziehen, der Dusslingen heisst. Aber in Tübingen war keine bezahlbare Wohnung zu ergattern. Also wichen wir ins fahrradnahe schwäbische Umland aus. Ein Mehrfamilienhaus aus den 1970er- oder 1980er-Jahren, acht Wohnungen, man stellte sich den Nachbarn vor und grüsste fortan im Treppenhaus, in der Waschküche oder beim Treppewischen in der kleinen Kehrwoche. In der grossen Kehrwoche (Mülltonne shamponieren, Kellergang wischen, Trottoir fegen) klapperte man extra laut mit Eimer und Wischmopp, damit alle mitbekamen, dass man sauber machte. Mehr Berührungspunkte gab es nicht. Bis auf einmal Unterwäsche verschwand. Erst fiel es nicht auf. Ich vermutete diesen BH in der Schmutzwäsche, jener musste im Schrank versteckt liegen. Doch als sich fast kein BH mehr fand, wurde ich misstrauisch. Die Suche ergab: sechs waren verschwunden. Mein Aushang an der Pinnwand im Treppenhaus («Hat jemand aus Versehen fremde Unterwäsche im Schrank?») schreckte die Nachbarinnen auf. Eine junge Mutter aus der dritten Etage berichtete, dass ihre teuren Still-BH fehlten, die ja nun wirklich niemand anderes brauchen konnte. Zwei Wochen später klingelte es. Die Nachbarin von nebenan entschuldigte sich, in der Hand einen Büstenhalter. Ihr 12-jähriger Sohn hatte alles gestanden. Er hatte aus dem Trocknungsraum im Keller BH geklaut, um sie auf dem Schulhof zu verticken. Von seinem ersparten Taschengeld kauften wir neue Büstenhalter. Nie war Unterwäschekaufen amüsanter.

Julia Nehmiz

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