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Konzert in Luzern: Diese Musik lässt den Geist von Pfingsten erahnen

Die Basler Madrigalisten und Organistin Mutsumi Ueno fügten Musik aus vielen Jahrhunderten zusammen. Intensive Klänge von einer bis zu sechzehn Stimmen erfüllten den weiten Raum der Jesuitenkirche.
Gerda Neunhoeffer
Die Basler Madrigalisten. (Bild: Benno Hunziker, PD)

Die Basler Madrigalisten. (Bild: Benno Hunziker, PD)

Was ist Geist, gar der Heilige Geist? Die Basler Madrigalisten spüren diesen Fragen am Freitag in der Jesuitenkirche nach. Dabei entführen sie die vielen Besucher mit vielseitigen Klängen auf eine Reise durch 1000 Jahre Musik. Alles dreht sich um das Pfingstfest, um die Feuerzungen, die über die Menschen kommen, damit sie sich verstehen – und das in allen Sprachen.

Warum dieses Fest ein Schattendasein neben Weihnachten und Ostern führt – auch Konzerte gibt es dazu kaum –, ist erstaunlich. Zumal gerade das Pfingstereignis für eine unfassbare Kraft steht, die in allen Menschen wirksam sein kann. Zwischen den musikalischen Werken gibt es Meditationen, in denen Hansruedi Kleiber, Präfekt der Jesuitenkirche, dem Geist im Alten und Neuen Testament nachgeht. Aber am Ende ist es die Musik, die all das aussagt, was mit Worten nicht auszudrücken ist.

Bitte und Dank an den Heiligen Geist

Wie aus dem Nichts tönt die Pfingstsequenz «Sancti spiritus assit nobis gratia» von Notker Balbulus, der etwa von 840 bis 912 gelebt hat. Die gregorianische Melodik, abwechselnd von Männerstimmen gesungen, scheint aus allen Richtungen zu kommen und die Kirche zu füllen.

Es ist ein inniges Gebet, Bitte und Dank zugleich an den Heiligen Geist. Erst danach treten Sänger und Sängerinnen auf, stehen in zwei Chören vorne im Altarraum. Das «Sancti spiritus assit», das Heinrich Isaac 1507 für den Konstanzer Reichstag komponiert hat, ist mehrchörig angelegt und entfaltet nach und nach festliche Strahlkraft. Doppelchörig und mit Echowirkung klingt es von vorne, plötzlich ertönt ein dritter Chor von der Empore dazu. Dirigent Raphael Immoos leitet die Chöre mit grossen, klaren Gesten, die Stimmen fügen sich über die Distanz sicher ineinander, so entsteht ein Raumklang von immenser Kraft.

Alle acht Sängerinnen und acht Sänger singen von der Empore aus das Madrigal «Spirito santo» von Palestrina, das mit seinen hellen Klängen «das Licht von oben» hörbar macht. Organistin Mutsumi Ueno spielt das «Veni Creator Spiritus» von Petr Eben (1929–2007) so klar, dass man das Thema, das durch alle Register wie in verschiedensten «Sprachen» aufscheint, gut verfolgen kann. Und in Petr Ebens «Spiritus mundum adunas» für Chor und Orgel scheinen die Flammen in der Begleitung von allen Seiten zu züngeln, während der Chor im Wechsel von Dissonanzen und Harmonien brilliert.

Der Höhepunkt folgt erst nach Bach

Die Motette «Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf» von J. S. Bach, nun wieder im Altarraum gesungen, wird etwas sehr rasch angegangen. So verschwimmen die beiden Chöre zu sehr ineinander, ein wichtiger Einsatz wird verpasst und schafft Unsicherheit; so wird die hehre Musik Bachs nicht zum erwarteten Höhepunkt.

Dieser kommt ganz gewaltig in «Come, Holy Ghost» von Jonathan Harvey (1939–2012). Da hebt sich der Gregorianische Choral in diversen Soli aus dem wunderbar gesummten Klangteppich der sechzehn Stimmen, die im Cluster auf- und abschwellen, auseinanderstreben, um sich wieder in ganz engen Intervallen zu reiben.

Da schweben die Töne wie von überall her durch den Raum und erzeugen Magie, eben die Kraft des Geistes, spürbar in der Musik durch die Jahrhunderte. Und nach lang anhaltendem Applaus singen die Basler Madrigalisten «Die Nacht ist kommen» von Max Reger in feiner Dynamik und mit betörendem Klang.

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