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Brigitte Fassbaender: «Dieser Beruf ist hartes Maulwerk»

Sie wollte ihre Weltkarriere als Opernsängerin auf dem Höhepunkt aufgeben und wechselte ans Regiepult. Inzwischen coacht Brigitte Fassbaender Stars von morgen. In Bregenz hat nächste Woche ihr «Barbier von Sevilla» Premiere.
Bettina Kugler
«Das Leichte ist am schwersten», weiss Brigitte Fassbaender aus ihrer Zeit als Sängerin. In Bregenz hat sie mit der jungen Besetzung zunächst in einer Meisterklasse an den «Barbier»-Partien gefeilt. Nun führt sie bei der beliebten Rossini-Oper auch Regie. (Bild: Karl Forster/Bregenzer Festspiele)

«Das Leichte ist am schwersten», weiss Brigitte Fassbaender aus ihrer Zeit als Sängerin. In Bregenz hat sie mit der jungen Besetzung zunächst in einer Meisterklasse an den «Barbier»-Partien gefeilt. Nun führt sie bei der beliebten Rossini-Oper auch Regie. (Bild: Karl Forster/Bregenzer Festspiele)

«Und wohin müssen Sie jetzt?» Die Frage kommt prompt, mit einladendem Unterton. So ist Brigitte Fassbaender, die Mezzosopranistin mit der Vorzeigekarriere, die vielbeschäftigte Regisseurin, langjährige Intendantin und Gesangspädagogin: zugewandt und lebhaft interessiert an den Menschen, die ihr begegnen. Ob diese nun singen oder nur mit ihr reden wollen.

Vor gut einer Stunde hat sie die jungen Sängerinnen und Sänger, mit denen sie derzeit Rossinis «Barbier von Sevilla» für die Bregenzer Festspiele inszeniert, in die Pause geschickt. Hat ihnen gedankt für die Probe, gute Erholung gewünscht. Sie selbst braucht jedoch keine Pause. Brigitte Fassbaender hat gern zu tun.

Dass sie mit 79 das durchschnittliche Pensionsalter längst munter überschritten hat, spielt keine Rolle – wie bei allen, die als Künstler jung bleiben. Was immer sie anpackt (und das ist viel), sie will stets daran wachsen. Will Neues lernen, es bestmöglich zu Ende bringen. So findet denn auch das Finale unseres Gesprächs nicht im Treppenhaus oder am Ausgang der Hinterbühne statt, mit Höflichkeitsfloskeln zum Abschied. Sondern es setzt sich fort im Auto: gemeinsam auf dem Weg zum Festspielhaus.

Wenn es sein muss, rät sie lieber ab

Dort hat Brigitte Fassbaender gleich wieder den nächsten Termin, eine Besprechung mit der Maskenbildnerin. In der kurzen Zwischenzeit fragt sie die Fahrerin nach dem Wohlbefinden der zwei Katzen, die sie nach Bregenz mitgebracht hat. Fürsorglichkeit ist ein Wesenszug der legendären Sängerin, der sofort auffällt, wenn man ihr beim Arbeiten zuschaut. Ob am Regiepult oder in einer ihrer Meisterklassen, zu erleben ist eine Künstlerin, die klare Vorstellungen von Interpretation und Technik hat – die aber erst einmal aufmerksam zuhört. Dann sagt sie ihre Meinung: entschieden, deutlich, immer konstruktiv.

«Ich habe hin und wieder auch jemandem vom Sängerberuf abgeraten, wenn ich den Eindruck hatte, die stimmlichen Mittel genügen nicht, oder es fehlt an Musikalität», erinnert sie sich.

«Es ist ein schwieriges, unglaublich forderndes Hand-, nein: Maulwerk.»

Sie lacht. «Manche haben mir später geschrieben und sich bei mir dafür bedankt, dass ich so ehrlich war, ihnen die Illusionen genommen habe.»

Ihr Vater war der einzige Lehrer

Brigitte Fassbaender hatte als junge Frau Ende der 1950er-Jahre das Glück, die eigenen Eltern um Rat fragen zu können. Ihre Mutter war Schauspielerin, ihr Vater der Bariton Willi Domgraf-Fassbaender. Zunächst fühlte sie sich zum Sprechtheater hingezogen, dann sang sie beim Vater vor, und er wurde ihr Lehrer. Der einzige.

Brigitte Fassbaender an den Bregenzer Festspielen. (Bild: Bregenzer Festspiele/Karl Forster)

Brigitte Fassbaender an den Bregenzer Festspielen. (Bild: Bregenzer Festspiele/Karl Forster)

Die Mittzwanziger, die jetzt in Bregenz mit ihr arbeiten dürfen, haben in der Regel seitenfüllende Listen von Meisterkursen, Wettbewerben, Stipendien und Opernstudios vorzuweisen. Doch im Betrieb müssen sie sich bei allem ihrem Können erst durchsetzen. Die internationale Konkurrenz ist einschüchternd gross. «Die Kinder machen es toll», lobt Brigitte Fassbaender ihre «Barbier»-Besetzung. «Da sind einige beachtliche Begabungen dabei.» Dass sie anders Regie führt als Kollegen ohne Gesangserfahrungen, würde sie nicht behaupten. «Aber ich kann Noten lesen!»

Zwar ist die Bühne im Kornmarkttheater gerade leer. Im Kopf der Regisseurin geht es jedoch schon wieder weiter. Mit Figaro, dem südafrikanischen Bariton Martin Mkhize, will sie am Nachmittag intensiv arbeiten. Woran sie ein Talent erkennt? «Vor allem daran, dass jemand für die Sache brennt. Das kann man hören und fühlen.» Zum Beispiel daran, dass die Fantasie des Sängers bei der Gestaltung der Partie in Gang kommt, aber der Intellekt der Stimme nicht im Weg ist. «Man muss sich auf der Bühne vollkommen auf das Spiel einlassen können», sagt sie. Und das Nervenkostüm darf nicht zu dünn gewoben sein.

Die Nervosität wächst mit den Jahren noch

Wie schlimm Lampenfieber für Sänger werden kann, hat Brigitte Fassbaender keineswegs vergessen.

«Auch jetzt, als Regisseurin, setzt das Lampenfieber mir zu. Es wächst mit der Erfahrung. Ich habe immer mehr Verantwortung. Je länger man im Beruf ist, desto höhere Erwartungen stellt man an sich.»

Eine Herkulesaufgabe, nach mehr als drei Jahrzehnten in Paraderollen wie Octavian in Richard Strauss’ «Rosenkavalier», als Hänsel, Prinz Orlofsky, Cherubino – und nach mehr als 70 Regiearbeiten. Sie hatte auf der Bühne oft die Hosen an. Aber auch Carmen hat sie verkörpert, Dorabella, Brangäne. Ihrem Bubikopf ist sie in all den Jahren treu geblieben.

Zu inszenieren heisst für Brigitte Fassbaender vor allem, das Stück aus dem Hier und Jetzt zu betrachten und auf den Prüfstand zu stellen: Was sagt es uns heute? «Ich bin für Regietheater durchaus zu haben. Wenn das Stück selbst dabei erkennbar bleibt.» Was einfach tönt, ist ein Balanceakt. Ein Ansporn, weiterzumachen mit dem «Maulwerk» Oper. Gern noch ein paar weitere Jahre.

Premiere am 13.8., 19.30 Uhr, Kornmarkttheater Bregenz.

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