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Tom Cruise ist nicht zu stoppen

Er macht alle seine Stunts selbst: Im sechsten «Mission: Impossible» fliegt Tom Cruise sogar einen Helikopter kopfüber und springt in 7000 Metern Höhe aus einem Flugzeug. Ist Cruise verrückt oder der letzte echte Filmheld?
Lory Roebuck
Der 56-jährige Tom Cruise schlüpft bereits zum sechsten Mal in die Rolle des Ethan Hunt. (Chiabella James/Paramount Pictures and Skydance via AP)

Der 56-jährige Tom Cruise schlüpft bereits zum sechsten Mal in die Rolle des Ethan Hunt. (Chiabella James/Paramount Pictures and Skydance via AP)

Wir sind uns von Hollywood schon einiges gewohnt. James Bond, der auf einem Motorrad durch engste Gassen rast; Superman, der mit blossen Händen Kugeln einfängt; Vin Diesel, der mit seinem Sportwagen von einem Turm des Burj Khalifas in den gegenüberliegenden springt. Eine Mischung aus ausgefeilten Computertricks und mutigen Stuntleuten macht’s möglich. Auch die «Mission: Impossible»-Filme mit Tom Cruise sind gespickt mit ähnlich spektakulären Szenen. Mit dem Unterschied, dass hier weder Computertricks noch Stuntleute nachgeholfen haben.

Seit 1996 spielt Cruise in diesen Filmen den Geheimagenten Ethan Hunt, diese Woche startet mit «Mission: Impossible – Fallout» bereits der sechste Teil in den Schweizer Kinos. Auch wenn der 56-jährige Hollywoodstar hin und wieder für andere Filme vor der Kamera steht: Die «Mission»-Filme sind seine grosse Passion. Denn in ihnen kann er sich austoben.

Davon zeugen die vielen Stunts, die Cruise ausnahmslos selbst ausführt und die von Film zu Film waghalsiger werden. Im vierten «Mission: Impossible» etwa kletterte er in mehreren hundert Metern Höhe der Aussenwand des Burj Khalifas entlang, in Teil fünf klammerte er sich gar an die Aussenseite einer abhebenden Airbusmaschine. Die Making-­ of-Videos, die diese Aktionen ­dokumentierten, sind bisweilen ­spannender als die Filme selbst.

Je älter er wird, desto waghalsiger werden seine Stunts

Mit «Mission: Impossible – Fallout» will Cruise nun alles toppen. Er hat innerhalb von 18 Monaten eine Ausbildung zum Helikopterpiloten gemacht, um für eine Filmszene kopfüber und in einer schwindelerregenden Abwärtsspirale durch einen engen Canyon navigieren zu können. Und zwar selbstständig, wie Regisseur Christopher McQuarrie in einem Interview betont: «Tom sitzt in dieser Filmszene alleine im ­Helikopter. Er ist gleichzeitig der Schauspieler, der Kameramann und der Pilot. Ein Fehler und er ist tot.» So weit kam es nicht, aber bei einem anderen Stunt brach sich Cruise den Fuss.

Aber mit Verlaub: Warum geht ein hochbezahlter 56-jähriger Filmstar solche Risiken ein? Und warum lässt man ihn? Tatsächlich hat die Versicherungs­gesellschaft des Filmstudios einst gegen Cruises Stunt am Burj ­Khalifa protestiert. Worauf der Schauspieler den Vertrag mit der Versicherung auflöste. Denn er ist inzwischen auch Produzent bei den «Mission»-Filmen und investiert sein eigenes Geld in die Filmreihe. Sprich: Er kann tun und lassen, was er will.

Und in seinem Fall ist es mehr tun als lassen. So auch den sogenannten Halo-Sprung. Bei diesem militärischen Manöver springt ein Soldat in einer Höhe von über 7000 Metern aus einem Flugzeug und öffnet seinen Fallschirm zwecks Tarnung so spät wie möglich (Halo steht für «high altitude, low open»). Cruise wollte eine solche Szene unbedingt in «Fallout» haben. Bis sie im Kasten war, sprang er 106-mal aus dem Flugzeug. Ist Tom Cruise süchtig nach dem Nervenkitzel? In einer amerikanischen Talkshow erzählte er kürzlich, dass er bereits als Vierjähriger von Hausdächern gesprungen sei und dass dieser Drang in ihm seither nicht schwächer geworden ist. Und:

«Ich kann nicht anders, als bei allem, was ich tue, immer einhundert Prozent zu geben.»

Paramount, das Filmstudio hinter «Fallout», hat natürlich sein gesamtes Marketing auf die Actionszenen ausgerichtet und unzählige Erklärvideos ins Netz gestellt, die beweisen sollen, was für ein Draufgänger Cruise ist. Normalerweise ist das ein schlechtes Zeichen für einen Film, ein Indiz für viel Spektakel ohne Inhalt. Und tatsächlich ist der Plot von «Fallout» nicht wirklich einfallsreich: Agent Ethan Hunt jagt dieses Mal nach einer mysteriösen Anarchistengruppe, die aus drei gestohlenen Plutoniumkugeln Atombomben basteln will. Regisseur McQuarrie liess denn auch durchblicken, dass zum Drehstart noch kein fertiges Drehbuch vorlag.

Der beste «Mission»-Film der ganzen Reihe

Doch dem Filmspass tut die ­lahme Story für einmal keinen Abbruch. Im Gegenteil: Wenn Cruise sich während der zweieinhalb Filmstunden von einer waghalsigen Situation in die nächste stürzt, ist das so nervenaufreibend, wie wenn man im Zirkus Artisten zuschaut, die komplett ohne Sicherheitsnetz durch die Lüfte wirbeln.

US-Filmkritiker wollen in «Fallout» einen der «besten Actionfilme aller Zeiten» sehen, mit Sicherheit ist er der beste «Mission»-Film der ganzen Reihe. «Ich werde euch nicht enttäuschen», sagt Ethan Hunt in einer Szene zu seinem Team. Es ist das gleiche Versprechen, das Tom Cruise gegenüber seinem Publikum macht. Inmitten der heutigen Flut an Superheldenfilmen mit ihrem digital erzeugten Spektakel steht Cruise für ehrliche Filmhandarbeit.

Maximales Risiko mit maximaler Wirkung. Scientology und dubiose Trennungsgeschichten aus seiner Vergangenheit sind plötzlich ganz weit weg. «Wieso stirbst du nicht?», fragt sein Widersacher im Film. Die Antwort: Tom Cruise hat sich unsterblich gemacht. In den Augen seiner Fans ist er der letzte echte Filmstar.

Mission: Impossible – Fallout, ab Donnerstag im Kino

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