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DIGITAL: Künstliche Intelligenz – aber doofe Übersetzer

Computer spielen besser Schach, Go und Poker als der Mensch, doch wenn es ums Übersetzen geht, hinken künstliche Intelligenzen hinterher.
Adrian Lobe
Haben nach fünf Jahren ausgedient: Hunderte gebrauchter Computer werden bei der kantonalen Verwaltung einfach weggeworfen - mitsamt Bildschirm, Tastatur, Maus und Kabel. (Symbolbild) (Symbolbild: Stefan Kaiser / ZZ)

Haben nach fünf Jahren ausgedient: Hunderte gebrauchter Computer werden bei der kantonalen Verwaltung einfach weggeworfen - mitsamt Bildschirm, Tastatur, Maus und Kabel. (Symbolbild) (Symbolbild: Stefan Kaiser / ZZ)

«Herrlich, plump Buck Mulligan kam aus dem Treppenhaus, Mit einer Schüssel Schaum, auf dem ein Spiegel und ein Rasiermesser lag Gekreuzt.» Dieser erste Satz des Romans «Ulysses» von James Joyce ist eigentlich Weltliteratur. Doch was Google Translate in der deutschen Übersetzung daraus macht, hat mit Literatur nicht mehr viel gemein. Eigentlich müsste der Satz heissen: «Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppenaustritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen.»

Zugegeben: Joyces 987 Seiten umfassendes Monumentalwerk ist auch für menschliche Übersetzer keine leichte Kost. Trotzdem ist die Unbrauchbarkeit der maschinellen Übersetzung offenkundig. Auch der Romanbeginn von Günter Grass’ «Der Butt» («Ilsebill salzte nach»), der 2007 von der Initiative Deutsche Sprache und der Stiftung Lesen zum schönsten ersten Satz in der deutschsprachigen Literatur gekürt wurde, ergibt in der englischen Übersetzung in Google keinen Sinn. Lapidar heisst es: «Ilsebill salty.» Ilsebill salzig.

Die deutsche Sprache ist trotz zahlreicher Ausnahmen ein logisches System, das syntaktischen und grammatikalischen Regeln gehorcht. Subjekt, Prädikat, Objekt, das sind die klaren Leitplanken für die Satzbildung. Und alles, was logisch ist, kann programmiert werden. Zumindest theoretisch. Computerprogramme («Roboterjournalisten»), die in Redaktionen wie der «Los Angeles Times» zum Einsatz kommen, bauen Daten in vorgefertigte Textschablonen (Templates) und basteln daraus druckreife Artikel. Also müsste ein Übersetzungsdienst eigentlich unfallfrei Sätze bilden können.

Der Informatiker Boris Katz, der die InfoLab Group am MIT in Boston leitet und mit seiner Forschung zur Entwicklung von Apples Sprachsteuerung Siri beitrug, sagt: «Ich denke nicht, dass die menschliche Sprache einfach programmiert werden kann. Sprache ist unendlich komplexer als Spiele wie Schach, Go oder Poker, weil sie offen ist, mit unbestimmtem Ende. Wir kreieren ständig neue Wörter und Ausdrucksformen, sogar neue syntaktische Konstruktionen, und jeder von uns hat die Fähigkeit, einfach einen Satz zu bilden, den noch nie jemand zuvor gehört oder gelesen hat.»

Daten werden nicht verstanden

Die gegenwärtigen KI-Techniken seien nur dazu geeignet, Strukturen und Muster in Datensätzen zu identifizieren, ohne zu verstehen, was diese Daten eigentlich aussagen. «Diese Systeme funktionieren, indem sie grosse Mengen an Trainingsdaten analysieren, zum Beispiel Satzpaare auf Englisch und Deutsch zusammenzufügen», erklärt Katz. «Nach der Trainingsphase wird das KI-System versuchen, zu generalisieren, was es gelernt hat, um die Übersetzungsaufgabe anhand von neuen Beispielen durchzuführen.» Google Translate würde einen «ordentlichen Job» bei geläufigen Sätzen machen, aber schlecht bei Äusserungsformen abschneiden, die sich von dem unterscheiden, was das System zuvor gesehen hat.

Programmiersprachen heissen zwar auch «Sprachen», sind aber technische Systeme zur Formulierung von Anweisungen. Menschliche Sprache ist eine Technik, die zur Formulierung von Meinungen, Ansichten und normativen Aussagen eingesetzt wird. Zwar wird die menschliche Sprechweise durch vorgefertigte Antwortbausteine in Chatprogrammen und Emojis zunehmend formelhafter und damit leichter zu übersetzen, doch vermag eine Maschine noch keine Semantik in Sätzen zu erkennen. «Die derzeit entwickelten Übersetzungsprogramme haben keinen Sinn und kein Verständnis dafür, was die Dinge in der Welt bedeuten», konstatiert Katz. «Es wird noch lange dauern, bis diese Systeme englischsprachige Literatur auf Deutsch zufriedenstellend übersetzen können.» Übersetzer müssen bis auf weiteres keine Sorge haben, dass Maschinen ihnen ihre Jobs wegnehmen.

Adrian Lobe

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