DIPLOM: Ein Gitarrist auf freier Wildbahn

Manuel Troller (26) hat Sophie Hunger auf der Tour begleitet. Jetzt steht der Luzerner Gitarrist als Jazz- Diplomand auf der Bühne.

Pirmin Bossart
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Auf vielen Bühnen zu Hause: der Luzerner Gitarrist Manuel Troller. (Bild: PD)

Auf vielen Bühnen zu Hause: der Luzerner Gitarrist Manuel Troller. (Bild: PD)

Die erste Platte, die Manuel Troller als siebenjähriger Knirps kaufte, war eine Scheibe von Metallica. Mit acht Jahren begann er Ukulele zu spielen, ein Jahr später akustische Gitarre. Heute ist Troller 26 Jahre alt und hat sich als innovativer Gitarrist weit über Luzern hinaus einen Namen gemacht. Stilistisch lässt er sich nicht einengen. «Mich interessiert alle Musik. Ich höre zurzeit viel elektronische Musik. Aber ich mag genauso gerne Songs, improvisierte Musik, komponierte Sachen, Noise, egal. Sie muss einfach Qualität haben und mich berühren.»

Live im «Olympia» Paris

Der Musikstudent hatte noch nicht mal seinen Bachelor-Abschluss an der Hochschule Luzern-Musik in der Tasche, als er von der Singer/Songwriterin Sophie Hunger für ihre Band angefragt wurde. «Ich hatte eine knappe Woche Zeit, um das ganze Programm einzuüben. Dann stand ich im ‹Olympia› Paris auf der Bühne.» Seitdem hat er fleissig weitere Projekte verfolgt und parallel sein Studium weitergetrieben. Morgen Abend tritt er im Rahmen seines Master-Abschlusses «Jazz Performance» zum Diplomkonzert in der Jazzkantine an.

Manuel Troller war nicht ein Jazzstudent, der brav alle Lektionen absass und sich von der Ausbildung aufsaugen liess. Schon im Vorkurs hatte er mit Andy Schnellmann (b) und Dave Meier (dr) die Band Schnellertollermeier gegründet, die sich sowohl in Rockclubs wie auf Jazzbühnen bekannt machte.

Er habe während der ganzen Jazz-Ausbildung immer darauf geachtet, seine eigenen Projekte möglichst uneingeschränkt weiterverfolgen zu können, sagt Troller. «Viele lassen sich vom Studium so fest vereinnahmen, dass sie keine Zeit mehr dazu finden. Mir war es extrem wichtig, mein Eigenes nicht aus den Augen zu verlieren. Ich wäre sonst total unzufrieden geworden.»

Zwei Jobs

Das Miteinander von Studium und eigenen Projekten erforderte auch Sonderanstrengungen. «Es ist, wie wenn du zwei Jobs verrichtest. Vor allem bis zum Bachelor-Abschluss ist das Bologna-System recht brutal. In einer Phase, wo du voller Neugier und Kreativität bist, musst du Fächer absitzen, die dich nicht interessieren, nur um die nötigen Punkte zu sammeln. Das war oft hart.» Andererseits habe er Glück gehabt und sei an Dozenten geraten, die seinen Wunsch nach der eigenen Musik verstanden und ihn darin auch unterstützt hätten. «Das ist super in Luzern.»

Noch etwas wird Troller in guter Erinnerung bleiben: «Man wird hier nicht in bestimmte Formen und Traditionen gezwängt und kann sich teilweise die Dozenten, von denen man profitieren will, auch wünschen.» So konnte er bei Fred Frith in Basel Unterricht nehmen und mit ihm spielen. Wertvolle Impulse erhielt er von Christy Doran, Frank Möbus und Gerry Hemingway, mit dem er inzwischen auch in einem Trio spielt.

Pop und Impro

So vielseitig, wie er Musik hört, ist Troller auch als Gitarrist unterwegs. Er hat ein Ohr für die aktuelle Rock- und Popmusik. «Dort passieren oft spannendere Sachen, als ich sie im zeitgenössischen, oft verkopften Jazz höre.» Mit dem Alvin-Zealot-Sänger Benjamin Bucher hat er letztes Jahr ein Quartett gegründet, vom dem man sicher noch hören wird. Hier wird an einer Pop-Variante gefeilt, wie sie Bands von Radiohead bis Grizzly Bear anklingen lassen.

Während andere nach ihrem Diplomabschluss in die freie Wildbahn geworfen werden, ist Troller also bereits drin. Der sympathische Gitarrist lächelt auf die Frage, was er für Pläne habe. «Ich werde ab Herbst noch den Master Pädagogik anhängen und ansonsten mit Vollgas weitermachen.»

HINWEIS

Master-Abschlusskonzerte der Studierenden der Hochschule Luzern – Musik: bis 5. Juli. Programm: www.hslu.ch/masterkonzerte

Master-Konzert mit Manuel Troller (Gitarre)/David Koch (Gitarre): Morgen, 19 Uhr, Jazzkantine Luzern.