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Dok-Filme beliebter als Spielfilme

Niemand wird 2012 als durchwegs gutes Jahr für den Schweizer Film in Erinnerung behalten - auch Ivo Kummer nicht, Leiter der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur. Allerdings machten erfolgreiche Dokfilme die Schwächen des Spielfilms mehr als wett.
Spitzenreiter ist «More than Honey». (Symbolbild Leser Josef Lustenberger)

Spitzenreiter ist «More than Honey». (Symbolbild Leser Josef Lustenberger)

Bern. Der Marktanteil des Schweizer Filmschaffens insgesamt stieg bis Anfang Dezember auf 4,7 Prozent (2011: 4 Prozent). Nicht weniger als sechs der zehn erfolgreichsten Schweizer Streifen 2012 waren Dokfilme. Der Publikumserfolg für dieses Genre sei «weltweit einzigartig», betont Kummer im Gespräch.

Allein der Spitzenreiter «More than Honey» lockte bisher schon über 100'000 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Kinos. Insbesondere in ihren Stammlanden in der Innerschweiz entwickelten sich die ländlichen Dok-Filme «Die Kinder vom Napf (Platz 4) und «Die Wiesenberger» (Platz 5) zu Kassenschlagern.

Nur zwei Spielfilme konnten nach den Zahlen des Branchenverbandes Procinema an der Spitze mithalten: Ursula Meiers Drama «L'enfant d'en haut» (Platz 2), das an der Berlinale ausgezeichnet wurde, sowie «Der Verdingbub» (Platz 3), der bereits 2011 gestartet war.

«Grosse Unbekannte» 2013

Da andererseits in den Medien breit diskutierte und teilweise kontroverse Filme wie «Image Problem» (Dok) oder «Hard Stop» (Drama) kaum Publikum fanden, ist für BAK-Filmchef Kummer klar: Schweizer Filme brauchen Mund-zu-Mund-Propaganda und Präsenz in sozialen Netzwerken.

Damit diese Form der Werbung Wirkung entfalten kann, sind jedoch Kinobetreiber mit etwas längerem Atem vonnöten, die mässig stark lancierte Filme nicht bereits zwei Wochen nach dem Start aus dem Programm kippen - wenn mehr neue Filme angeboten werden, steigt die Versuchung, genau dies zu tun.

Insofern muss sich weisen, welche Konsequenzen die neue Schweizer Filmpolitik haben wird, deren Auswirkungen 2013 erstmals voll zu spüren sein werden. Die erfolgsabhängige Filmförderung Succes Cinema wird dabei verstärkt, neu erhalten die Filmschaffenden mit Succes Festival auch Gutschriften für internationale Ehren.

Was die Filmbranche mit den Mitteln anstellen wird, ist für Kummer «die grosse Unbekannte», wie er gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagt. Wird es mehr Schweizer Filme geben - oder können die Projekte sorgfältiger ausgewählt und aufwändiger produziert werden?

Der BAK-Filmchef ist hin- und hergerissen. Im Ringen um Aufmerksamkeit und Publikum sollten sich die Schweizer Filme nicht kannibalisieren. «Andererseits wollen wir die Fördergelder auf der Leinwand sehen und nicht im Papierkorb der unvollendeten Projekte», betont Kummer. Ende 2013 werden erste Trends erkennbar sein.

«Opposition» mit im Boot

Die Lancierung anderer Förderformen, etwa für die Entwürfe von Drehbüchern, hatte bereits dieses Jahr Konsequenzen. Die Zahl der Fördergesuche nahm um einen Drittel zu. Unbestreitbar wächst auch die Zahl der Leute, die in der Filmbranche tätig sein wollen.

«Der Kuchen wird allerdings nicht grösser, nur anders verteilt», mahnt Kummer. Trotz des Drucks auf Bundesamt und Branche habe sich die Stimmung in den vergangenen Monaten entkrampft, sagt der BAK- Filmchef, der sein Amt Mitte 2011 antrat.

An der von Kummer neu geschaffenen Präsidentenkonferenz, die viermal jährlich tagt, nehmen Vertreter aller Filmverbände teil - auch der IG Unabhängige Schweizer Filmproduzenten, die sich selbst als «konstruktive Opposition» in der Filmpolitik definiert.

sda

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