Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DOKUMENTARFILM: Existenzängste eines chinesischen Imkers

Die chinesische Filmemacherin Diedie Weng erzählt in «The Beekeeper and his Son» von der Kluft zwischen Moderne und Tradition. Im Mittelpunkt stehen Vater und Sohn einer Imkerfamilie.
Andreas Stock
Der 20-jährige Moafu sieht im einfachen Leben als Imker und der Übernahme des Hofs seines Vaters keine Zukunft. (Bild: PD)

Der 20-jährige Moafu sieht im einfachen Leben als Imker und der Übernahme des Hofs seines Vaters keine Zukunft. (Bild: PD)

Layou ist seit Jahrzehnten ein leidenschaftlicher Imker. Der 71-Jährige lebt mit seiner Frau in einem Bergtal im Norden Chinas in einfachsten Verhältnissen. Als sein Sohn Moafu nach einem Jahr als Arbeiter in der Grossstadt zu den Eltern zurückkehrt, verbindet Layou damit auch eine Hoffnung. Die Hoffnung nämlich, der 20-jährige Sohn werde nun von ihm das Wissen der Imkerei lernen und danach den Hof übernehmen. Doch Moafu interessiert sich weder für den Hof noch die Imkerei, sondern höchstens für den möglichst profitablen Vertrieb von Honig. Er studiert lieber Marketingbücher, statt dem Vater mit den Bienen zu helfen. Layou kann seine Enttäuschung nicht verbergen.

Über ein Jahr lang hat die junge chinesische Filmemacherin Diedie Weng die Imkerfamilie in ihrem Alltag begleitet. Ihr erster langer Dokumentarfilm nach dem Filmstudium in den USA zeigt die Kluft zwischen Stadt und Land, Tradition und Moderne. Diese Kluft manifestiert sich unter anderem in den unterschiedlichen Erwartungen und Lebensauffassungen zwischen Vater und Sohn, die im Film ­öfters aufeinanderprallen. «Du kannst nicht bloss Marketingbücher lesen und vom Profit träumen. Du musst erst die Imkerei lernen», argumentiert der Vater.

Bedrohte Lebensweise, bedrohte Bienen

Moafu freilich sieht das anders. Er glaubt auf dem Land an keine Zukunft für sich, zugleich kehrte er resigniert aus der Grossstadt zurück, wie er an einem Regentag erzählt: «Jeder Tag war wie der Regen heute, eintönig.» Dem jungen Mann ist durchaus bewusst, dass er nicht weiterkommt. Denn anders als seiner Schwester, die gerade ein Baby geboren hat, fehlt ihm eine höhere Ausbildung.

Regisseurin Diedie Weng wollte zunächst einen Film über die innige Beziehung von Layou zu seinen Bienen drehen. Und dabei auch aufzeigen, wie die Umweltveränderungen seine Bienenvölker bedrohen. Davon sind noch Szenen enthalten. So zeigt sie uns den Imker, wie er seinen «flüchtenden» Bienen folgt. Besonders berührend sind die Szenen, als Motten seine Bienenvölker befallen und dem 71-jährigen Mann am Ende nichts anderes übrig bleibt, als die Plage mit Schwefel auszuräuchern.

Doch im Zentrum stehen «zwei Dickköpfe», wie die Frau von Layou ihren Mann und den Sohn einmal bezeichnet. Die beiden streiten viel, zugleich fällt es ­ihnen schwer, miteinander zu kommunizieren. Einmal wendet sich der Vater sogar an die Regisseurin hinter der Kamera, um sie nach dem Sohn zu befragen. Sogar Gans und Hund auf dem Hof lassen sich von den Streitereien anstecken.

Der geduldig beobachtende Dokfilm, der auf einen Kommentar verzichtet, zeigt aber auch Momente von Wärme und Zärtlichkeit. Das existenzielle Dilemma der Im­ker-Familie ist gewiss kein Einzelfall. Und Verständnis wird man am Ende für beide Positionen haben.

Andreas Stock

kultur@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.